Sonntag, 21. April 2019

Anno August Jagdfeld Alles nur Fassade

Jagdfelds Stolperfallen: Heiligendamm, Adlon und Co.
dapd

4. Teil: Das Fiasko in Heiligendamm

Bis 2008 hatte sich bei der Adlon Holding ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von 3,5 Millionen Euro angesammelt. Daher vereinbarte Jagdfeld als Komplementär der Hotelgesellschaft mit seinen Söhnen - ihnen gehört die Adlon Holding - die Aussetzung der Pacht.

Konkret: Die Adlon-Besitzer mussten bis 2011 auf rund sieben Millionen Euro verzichten. Zwar erhielten sie einen Besserungsschein, aber ob der jemals greift, ist ungewiss. Anlegeranwalt Fritsch erstritt im August einen Beschluss des Oberlandesgerichts Köln, wonach der Pachtverzicht gegenüber den Fondsanlegern unwirksam ist.

So heftig die Auseinandersetzungen mit den Adlon-Anlegern auch sind, richtig niedergeschmettert hat Jagdfeld wohl das Fiasko in Heiligendamm. Ohne Zweifel war es sein prestigeträchtigstes Projekt - ein Vorhaben, mit dem Anno August als Retter des traditionsreichen Ostseebades in die Annalen eingehen wollte. Doch vor lauter Sehnsucht nach gesellschaftlicher Anerkennung hat er sich auch hier übernommen.

Die Leidensgeschichte von Heiligendamm

1996 kaufte die Jagdfeld-Gruppe das Heiligendamm-Ensemble und putzte fünf historische Gebäude mit den Geldern des Fundus Fonds Nr. 34 zu einem Fünfsterneplus-Hotel heraus. Kritiker, die schon zur Eröffnung 2003 daran zweifelten, dass die Schönen und Reichen der Republik ausgerechnet im ebenso abgelegenen wie erlebniskargen Heiligendamm urlauben wollen, nahm Jagdfeld nicht ernst. Den Vorschlag von Heinz Weber, damals Vorsitzender des Heiligendamm-Verwaltungsrats, es bei einem Viersterneniveau zu belassen und damit das Hotel für eine breitere Klientel zu öffnen, schlug er aus.

Es kam so, wie es kommen musste: Die Gäste blieben fern, "Heiligendamm" fuhr Verluste ein. Als Jagdfeld 2011 die Anleger um eine Kapitalerhöhung von 32,5 Millionen Euro bat, hatten die längst das Vertrauen verloren. Im Februar 2012 war "Heiligendamm" zahlungsunfähig.

Die Fundus-Eigner werden von ihrem Ersparten höchstwahrscheinlich keinen Cent mehr wiedersehen. Und auch "für die Familie ist es ein Verlustprojekt", sagt Jagdfeld: Mit 10 Millionen Euro war der Clan am Hotel beteiligt, weitere 3,5 Millionen flossen von einer Jagdfeld-Firma als Liquiditätshilfe nach "Heiligendamm".

Überdreht und überfordert - das scheint das Schicksal der Jagdfelds zu sein, egal ob es Anno August betrifft oder die Gattin Anne Maria. Deren Faible für Schönes und Teures, ihre Sammlerleidenschaft, ihr extravaganter Lebensstil kostet die Familie Unsummen. "Ich bin jemand, der immer Geld mitschleppt, der Schmuck, Kunst, Grundstücke kauft", verriet sie einmal der "Vogue".

Als sich Superreiche noch mit einem Porsche zufriedengaben, fuhr die Lady schon einen Bentley Continental. Zudem leistet sie sich eine Villa im thailändischen Phuket. 2002 kaufte sie sich auch noch eine ehemalige Siemens-Villa in Potsdam, ein Anwesen mit 3000 Quadratmetern Wohn- und 4000 Quadratmetern Nutzfläche auf einem zwölf Hektar großen Grundstück am Lehnitzsee. Anne Maria Jagdfeld: "Ich wollte mein Traumhaus haben. Um jeden Preis."

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