Samstag, 20. April 2019

Anno August Jagdfeld Alles nur Fassade

Jagdfelds Stolperfallen: Heiligendamm, Adlon und Co.
dapd

3. Teil: Firmenvermögen vor allem auf Kinder und Gattin verteilt

Das Stopfen solcher Löcher hat längst System. Ein Ex-Manager der Gruppe spricht von "Drehtürgeschäften". Er und andere Chefs von Jagdfeld-Unternehmen seien wiederholt aufgefordert worden, Firmen aus dem Imperium kurzfristig Geld zu leihen. War der in Not geratene Betrieb wieder einigermaßen flüssig, kam das Geld zurück. Jagdfeld selbst spricht von langfristigen Finanzierungsmaßnahmen.

Von jeher erweist sich Jagdfeld als Meister des Lavierens. Klare Strukturen sind in der Organisation des Jagdfeld-Alltags kaum erkennbar. Frühere Mitarbeiter klagen, dass Termine nicht eingehalten und Geschäftsführersitzungen häufig verschoben wurden oder ganz ausfielen. "Alles funktionierte auf Zuruf", sagt eine ehemalige Führungskraft.

Wichtige Entscheidungen werden mehr oder weniger am Küchentisch getroffen. Einige Leitende haben entnervt ihre Posten geräumt; gesteuert wird das weitverzweigte Reich heute im Wesentlichen von sieben Familienmitgliedern: vom Patriarchen Anno August und seinem Bruder Helmut (55), der Ehefrau Anne Maria und den Söhnen Julius (35), Nikolaus (33), Benedikt (31) und Maximilian (29; siehe linke Spalte).

Das Firmenvermögen ist jetzt vor allem auf die Kinder und die Gattin verteilt. Bei einem Teil der Unternehmen fungieren sie auch als Geschäftsführer. Viele Funktionen sind allerdings bloße Formsache. De facto ist Anno August nach wie vor der uneingeschränkte Herrscher; die personifizierte Holding, die es auf dem Papier nicht gibt.

Sprunghaftes Agieren

Hauptsächlich ihm ist das oftmals konzeptionslose und sprunghafte Agieren zuzuschreiben, das letztlich auch die Ursache für den Verfall des Quartiers 206 war. Ursprünglich sollte an der Friedrichstraße ein Kaufhaus der Spitzenklasse entstehen. Als aber avisierte Mieter wie Giorgio Armani in der Ende der 90er Jahre noch ziemlich heruntergekommenen Berliner Meile keine Zukunft sahen, ging Jagdfeld selbst ins Risiko: Er eröffnete einen eigenen Departmentstore, der unter der Führung von Madame Jagdfeld jahrelang rote Zahlen schrieb.

Nicht anders verfuhr der Patron mit der ebenfalls im Quartier 206 angesiedelten Meoclinic. Als das private Hospital, das sich um die Leiden sensibler Herrschernaturen des Nahen Ostens oder neureicher Russen kümmern sollte, 2002 Insolvenz anmeldete und die Jagdfelds plötzlich keine Pacht mehr bekamen, übernahmen sie selbst die Meoclinic.

Doch auch unter der Regie des Immobilienexperten konnte die Klinik nicht nachhaltig gesunden. Sie gilt als zu groß und das Renommee der Ärzte als zu bescheiden. Nun muss sich Frau Jagdfeld, die offizielle Eigentümerin, mit der maladen Krankenstation herumschlagen.

Bislang sind alle Bemühungen gescheitert, die Meoclinic an einen der privaten Krankenhausspezialisten weiterzureichen. "Das Ding ist wie sauer Bier angeboten worden, aber das Konzept trägt nicht", sagt einer, der an den Sondierungen mitgewirkt hat.

Häufig mutet sich Jagdfeld mehr zu, als er stemmen kann. Als er die Fundus-Anleger zu einem Anbau an das "Adlon" überredete, stieg die familieneigene Adlon Holding als Pächter der riesigen Flächen ein. Seitdem betreibt die Sippe dort den elitären China Club. Daneben gibt es eine Diskothek, zwei Restaurants, eine Weinhandlung und einen Wellnessbereich. Unseligerweise brachten mehrere der Geschäfte hohe Verluste ein.

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