Manager-Haftung Vergangenheitsbewältigung

Holzmann will sich von Altvorständen 60 Millionen holen

Konrad Hinrichs, 62, der neue Chef von Philipp Holzmann, kämpft an vielen Fronten, um den kränkelnden Baukonzern zu retten. Eine eher ungewohnte ist für den Manager die Beschäftigung mit seinen Vorgängern.

Hinrichs versucht zusammen mit Justiziar Michael Pant, die Verantwortlichen für den Sechs-Milliarden-Verlust des Bauriesen in Regress zu nehmen. Im Zentrum der juristischen Attacken steht zunächst, wegen Verjährungsgefahr, der bis Ende 1997 amtierende sechsköpfige Vorstand unter Führung von Lothar Mayer, 66.

Bilanzen gefälscht?

Der Vorwurf: Bilanzfälschung. Die Herren Mayer, Rappert und Co. hätten, als sie mit ihren Immobiliengeschäften in die Miesen geraten seien, dreistellige Millionenverluste nicht bilanziert, sprich keine Rückstellungen gebildet. Vier von ihnen sollen zudem bei einzelnen Immobilienprojekten ihre Pflichten grob verletzt haben.

So etwa Jürgen Schönwasser. Der frühere Holzmann-Manager hat beim Bürokomplex City-Carree Magdeburg munter am Markt vorbei gebaut. 1996, als der ostdeutsche Büroimmobilien-Boom längst abgeflaut war, hatte Schönwasser noch einen dritten Bauabschnitt bei dem 1994 angefangenen Projekt mit dem HFS-Fonds ausgehandelt.

Holzmann garantierte als Generalmieter auf 15 Jahre eine Quadratmeter-Miete von 24 Mark. Und dies, obwohl das Mietniveau für Magdeburger Büroflächen zwischenzeitlich auf 15 bis 17 Mark gesunken war.

Unzureichend versichert

Schönwassers Beweggrund: Holzmann brauchte dringend Geld. Und das bekam er auf diese Weise. Im Gegenzug für das Mietversprechen kassierte der Bauriese überhöhte 600 Millionen Mark als Kaufpreis für das Gesamtobjekt.

Die Verluste, die nach Ansicht des heutigen Holzmann-Managements absehbar waren, wurden nicht bilanziert. Am Ende soll der dritte Bauabschnitt Holzmann zusätzliche 20 Millionen Mark Verlust beschert haben. Etwa ein Drittel will sich Holzmann nun von Schönwasser zurückholen.

Gleiches droht Lothar Mayer und Michael Westphahl im Fall Deutschherrnufer. Die beiden Vorstände sollen 1995 ein ehemaliges Schlachthofgelände von der Stadt Frankfurt zu einem völlig überhöhten Preis gekauft haben. Ohne vorherige Prüfung. Der Schaden: etwa 32 Millionen Mark.

Rache liegt den neuen Herren von Holzmann fern. Es geht ums Geld: Die Vergangenheitsbewältigung soll Holzmann die stattliche Summe von mindestens 60 Millionen Mark einbringen.

Der Betrag dürfte die Ex-Vorstände verschrecken. Eine 1993 von Mayer für Vorstand und Aufsichtsrat abgeschlossene Versicherungspolice deckt nur maximal 20 Millionen Mark pro Jahr ab. Was darüber hinausgeht, müssten Mayer und Co. vom persönlichen Konto überweisen. Erst Mayer-Nachfolger Heinrich Binder hat 1998 mit einer zweiten Police die Deckungssumme der Haftpflichtversicherung um 80 Millionen Mark erhöht.

Pension ade

Einen Vorgeschmack auf die Folgen spüren die Beklagten bereits heute. Seit Dezember vergangenen Jahres sind ihnen die Pensionen gestrichen. Bis dahin bezogen sie Monat für Monat Ruhegehälter zwischen 31.000 Mark (Rappert) und 41.000 Mark (Mayer).

Chat-Bericht: Was D&O-Versicherungen bringen


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