Montag, 27. Mai 2019

Bundesagentur-Chef Weise Held der Arbeit

Reformen: Held der Arbeit
Christian Höhn für manager magazin

Frank-Jürgen Weise hat die Bundesagentur für Arbeit grundlegend modernisiert. Inzwischen gilt sein Haus europaweit als Vorbild. Nun sagt Weise dem Fachkräftemangel den Kampf an, gleichzeitig verschlechtern sich aber auch die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Kann er die Doppelbelastung schaffen?

Hamburg - Eine Feierstunde in der Provinz: Der Musiklehrer intoniert Weisen auf der Gitarre. Der Herr Ministerialdirigent, aus der Landeshauptstadt Stuttgart herbeigeilt, hält eine kleine Rede. Auch der Oberbürgermeister und der Chef der Wirtschaftsförderung lassen es sich nicht nehmen, sich mit warmen Grußworten an die Gäste zu wenden. Nein, der oberflächliche Eindruck der Veranstaltung im grau bestuhlten Konzerthaus von Villingen-Schwenningen lässt wahrlich nicht vermuten, dass sich hier Zukunftsweisendes ankündigt.

Aber genau darum geht es bei dieser Feier: Die Schwarzwälder begrüßen 100 junge Ingenieure, Maschinenbauer und Informatiker aus Spanien. Hochschulabsolventen, die an diesem sonnigen Junitag von der regionalen Arbeitsagentur aus Barcelona zu Vorstellungsgesprächen eingeflogen wurden.

Das Team der dortigen Behördenchefin Erika Faust hat zusammen mit örtlichen Firmen Stellenbeschreibungen für dringend benötigte Fachkräfte formuliert und über das europäische Arbeitsmarktportal Eures inseriert. Mit der hauseigenen Matching-Software haben ihre Vermittler passende Bewerber ausgewählt. Die regionale Wirtschaftsförderung spendierte Flüge, Unterkunft und Bewerbungstage. Und nun geben sich die Honoratioren aus Villingen-Schwenningen, Rottweil und Tuttlingen alle Mühe, den heiß begehrten Fachleuten einen Umzug in die badische Provinz schmackhaft zu machen.

Frank-Jürgen Weise nickt zufrieden, als er die Geschichte hört. "Eine vorbildliche Aktion - eigenständig, innovativ, kooperativ", lobt der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit (BA) seine Kollegin vor Ort. Exakt so wünscht er sich seine Mitarbeiter, als "moderne Dienstleister für die Wirtschaft".

Die Agentur als Schlüsselstelle der deutschen Wirtschaft?

Der Mann hat eine Vision. Seine 115.000 Mitarbeiter starke Institution soll nicht mehr nur Arbeitslosen schnellstmöglich eine neue Position verschaffen und ihnen in der Übergangszeit effizient ihr Geld auszahlen. Jetzt will die Agentur für Arbeit auch noch das größte Problem der deutschen Unternehmen lösen: den immer eklatanter zutage tretenden Mangel an Fachkräften.

Kann der BA-Vormann die Agentur tatsächlich zur Schlüsselinstitution für die Wirtschaft entwickeln?

Es gibt Leute, die ihm das zutrauen. Wolfgang Clement zum Beispiel. Der ehemalige Wirtschafts- und Arbeitsminister der rot-grünen Bundesregierung beförderte den damaligen BA-Finanzchef Anfang 2004 an die Spitze des Beamtenmolochs. Weises Mission: die Hartz-Gesetze umzusetzen. "Ein echter Glücksgriff" sei diese Wahl gewesen, sagt Clement. Auch wenn er den Schachzug unter Druck ausführen musste, weil dringend Ersatz für den damaligen BA-Vorsteher Florian Gerster hermusste.

Auf den polarisierenden Gerster folgte der nüchterne zweite Mann. Und der machte sich systematisch an die Arbeit. "Weise", sagt Clement heute, "hat die größte deutsche Behörde total umgekrempelt und so maßgeblich geholfen, die Arbeitslosigkeit in unserem Land zu senken." Klar, der jüngste Boom tat sein Übriges, die Zahl der Beschäftigungslosen in Deutschland unter die Marke von drei Millionen zu drücken.

Und der drohende Einbruch des deutschen Wirtschaftswachstums durch die Euro-Krise könnte die Lage bald wieder trüben.

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