Freitag, 6. Dezember 2019

Internet Angriff der Cyber-Piraten

Digitale Elite: Die Angreifer und die Bedrängten
AFP; DPA; DPA; Reuters; Reuters

Nicht nur Apple treibt mit iPhone und iPad ganze Industrien vor sich her. Angreifer aus dem Netz mischen eine Branche nach der anderen auf - erst Musik, dann Handel, bald Auto und Banken. Eine Wirtschaftsrevolution mit Folgen.

Ach, wie hübsch überschaubar war die Welt doch früher, als Konzernchefs wie René Obermann (49) oder Dieter Zetsche (59) ihre ärgsten Konkurrenten allzeit im Blick hatten. Ob die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen mit Vodafone oder Daimler mit BMW: Man wetteiferte auf Augenhöhe, Überraschungen waren selten. Ja, so war das im analogen Zeitalter.

Nun wird die Welt mit Lichtgeschwindigkeit digital, Leute wie Jeff Bezos vom Netzgiganten Amazon Börsen-Chart zeigen bis hin zu Sven Külper (33) mit seinem Hamburger Start-up MyTaxi stellen täglich neue Spielregeln für ganze Märkte auf. Und die Obermanns und Zetsches in den Traditionsbranchen müssen sich auf die neuen Angreifer aus dem Netz einstellen.

Es ist ein Szenario, das an den Film "Matrix" erinnert: Jede Sekunde kann sich ein neuer Gegner, ein neuer Agent Smith, aus der Wand schälen.

"Matrix" war Science-Fiction - die Digitalisierung der Wirtschaft ist real. Angesichts der aktuellen Herausforderungen muten frühere Konkurrenzkämpfe zwischen etablierten Konzernen nun fast steinzeitlich an. Denn längst geht es um mehr: Die digitale Revolution ist dabei, eine traditionelle Branche nach der anderen durcheinanderzuwirbeln.

Und in dieser turbulenten neuen Welt kann es eben passieren, dass sich Telekom-Chef Obermann und Daimler-Lenker Zetsche herausgefordert sehen von einer neuen, kleinen Firma, die dank der Technologie eines Konzerns an der US-Westküste die Großen vorführt.

Amazons Massengeschäft mit Cloud Computing

Seattle im Frühjahr 2005. Jeff Bezos hatte Amazon bereits zum erfolgreichsten Internethändler der Welt gemacht, als er seinen Stabschef einbestellte: Andrew Jassy möge doch bitte, wünschte der Gründer und CEO, mal gründlich im Betriebssystem aufräumen. Denn obwohl man immer mehr Entwickler beschäftigte, blieben Neuerungen im System oft einfach hängen.

Das Gespräch mit Jassy erwies sich als eine von Bezos' besten Entscheidungen. Denn Jassy schuf en passant ein gewaltiges neues Geschäftsmodell für Amazon: das Massengeschäft mit Cloud Computing, virtuellen Datenfarmen.

Rechnerleistung, die noch vor wenigen Jahren sechsstellige Summen verschlang, gibt es bei Amazon Börsen-Chart zeigen nun für ein paar Euro. Und je mehr Firmen das Angebot nutzen, desto billiger wird es. Amazon hat die Preise bereits 20-mal gesenkt.

Heute hat Amazon Web Services (AWS) Hunderttausende Kunden weltweit. Jassy ist nun Senior Vice President in Bezos' 48-Milliarden-Dollar-Konzern. Er hat noch Großes vor: "Die Web Services haben das Potenzial, das größte Geschäft von Amazon zu werden, größer noch als der Internethandel."

Aus Sicht des Amazon-Managers ist das Digitalbusiness ein Wunderland der unbegrenzten Möglichkeiten: "Die neue Cloud-Welt entfesselt Innovationen, die früher gar nicht denkbar waren. So wie MyTaxi."

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