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Deutsche Waffenhersteller: Wer noch Geld für Rüstung ausgibt

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Rüstungsindustrie Deutsche Waffenschmieden unter Beschuss

Die Kritik an Exportgeschäften wächst: Deutsche Waffenproduzenten wie Krauss-Maffei, Rheinmetall oder Diehl kämpfen gegen Anfeindungen auf dem heimischen Markt und sinkende Umsätze im Ausland.

Mit 70 Stundenkilometern donnert der Leopard 2 über ein holpriges Testgelände am nördlichen Rand von München. Zwei mitfahrende Gäste stehen im Turmaufbau des Kampfpanzers, der peitschende Fahrtwind zerzaust ihr Haar und treibt ihnen Tränen in die Augen. Aus Angst, bei der wilden Hatz das Gleichgewicht zu verlieren, krallen sie sich mit beiden Händen an der Luke fest.

Aber die Anspannung weicht schnell. Trotz 20 Zentimeter hoher Bodenwellen vibriert das 1500 PS starke Ungetüm nur ganz leicht. Und was noch erstaunlicher ist: Seine gut fünf Meter lange Kanone bewegt sich überhaupt nicht. Hätte man ein Wasserglas auf dem Rohr befestigt, würde kein Tropfen überschwappen.

Der Leo beeindruckt nicht nur die beiden Besucher - er gilt weltweit als Ausweis deutscher Ingenieurkunst. Ein eingebautes Lasersystem verortet zehn Kilometer entfernte Objekte auf zehn Meter genau; selbst wenn das martialische Gefährt rollt und sich das Angriffsziel bewegt, bleibt das Bild für den Schützen stabil. Der 60 Tonnen schwere Koloss bewältigt Steigungen von bis zu 60 Grad, er dreht sich in zehn Sekunden um die eigene Achse, und er kann vier Meter tief unter Wasser fahren.

Kein anderer Hersteller baut so robuste Panzer wie die Leo-Fabrikanten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall . Sie sind der internationalen Konkurrenz technologisch voraus - ebenso wie ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) mit seinen durch Brennstoffzellen angetriebenen U-Booten, Heckler & Koch mit dem Schnellfeuergewehr G36 oder Diehl mit Lenkflugkörpern.

Exporte eingebrochen - Blick nach Asien und auf den Mittleren Osten

Die zerstörerische Qualität deutscher Kriegswaffen ist unübertroffen - und doch ringt die erfolgsverwöhnte Branche mit Problemen. Die Umsätze fallen, die Gewinne schrumpfen. Mancherorts werden die Belegschaften ausgedünnt, Sparprogramme diktieren den Alltag. Mit einiger Zeitverzögerung trifft die Staatsschuldenkrise nun auch die in langen Zyklen planende Rüstungsindustrie.

Der Hauptkunde Bundeswehr kappte zwischen 2010 und 2012 seine Investitionen um 3,1 Prozent. Drastischer ist die Situation bei den Exporten, von denen die deutschen Firmen zu 70 Prozent abhängen. Weil wichtige Abnehmer wie Griechenland, Spanien und Italien ihre Budgets radikal kürzen (müssen), sind die Aufträge eingebrochen: Die Ausfuhrgenehmigungen des Bundes sanken 2010 auf 5,5 Milliarden Euro - ein Minus von 34 Prozent im Vergleich zu 2008.

Notgedrungen muss die Zunft umsteuern. Sie braucht zusätzliche Auftraggeber, etwa in Asien oder dem Mittleren und Nahen Osten, wo die Militärausgaben noch steigen. Genau diese Regionen haben aber auch die globalen Konkurrenten im Auge. "Der Verdrängungswettbewerb wird spürbar härter", sagt KMW-Chef Frank Haun. Zugleich müssen die deutschen Hersteller mehr Geld in innovative Produkte stecken, da der Bund - im Gegensatz zu früher - kaum noch bereit ist, die Entwicklungskosten vorzustrecken

"Unsere Industrie", so Georg Wilhelm Adamowitsch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, "steckt mitten in einer Zäsur."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Waffenspezialisten in Turbulenzen geraten. Nach dem Ende des Kalten Krieges sahen sie sich mit gewaltigen Überkapazitäten konfrontiert. Die Nato und der damalige Ostblock hatten unüberschaubare Arsenale von schwerem Kampfgerät aufgebaut, das nach dem Fall der Mauer aussortiert wurde. So besaß die Bundeswehr einst über 2000 Leopard-Panzer, künftig sollen es nur noch 225 sein.

Radaranlagen statt Kampfjets: Sicherheitstechnik löst Rüstung ab

Mithin waren die 90er Jahre geprägt von Firmenschließungen und Fusionen. Unternehmen wie MTU  und die wehrtechnischen Bereiche der AEG gingen in der Dasa auf, deren Geschäft später in EADS  eingebracht wurde. Rheinmetall wiederum kaufte den Kanonenhersteller Mauser sowie die Panzerschmieden Henschel und MaK. Von den 400.000 Arbeitsplätzen, die es nach der Wiedervereinigung Deutschlands gab, sind heute noch 80.000 Jobs übrig, zuzüglich rund 100.000 Beschäftigte bei Zulieferern.

Überstanden haben den Ausleseprozess nur die erfindungsreichsten und die am effizientesten geführten Firmen. Anders jedoch als in den USA und bei den großen europäischen Nachbarn, wo Konglomerate dominieren, herrscht hierzulande eine fragmentierte Struktur: Etwa die Hälfte der 16 Milliarden Euro Rüstungsumsatz entfällt auf Mittelständler.

Der gewichtigste deutsche Anbieter, der EADS-Ableger Cassidian, machte vergangenes Jahr 5,8 Milliarden Euro Umsatz, gefolgt von der Rheinmetall-Verteidigungssparte (2,1 Milliarden), TKMS (1,5 Milliarden) und KMW (0,9 Milliarden). Der fünftgrößte Hersteller, die Defence-Tochter von Diehl, brachte es gerade mal auf 0,6 Milliarden Euro. Geschadet hat das Klein-Klein nicht, im Gegenteil, es hat den Wettbewerb verstärkt und die Unternehmen gestählt.

Bis Anfang der 2000er Jahre lebte die Industrie hauptsächlich von Aufträgen der Bundeswehr. Als dann die Terroranschläge in New York sowie die Kriege im Irak und in Afghanistan die Rüstungsspirale erneut in Gang setzten, räumten sie auf dem globalen Markt einen Auftrag nach dem anderen ab. Zwischen 2000 und 2010 stieg Deutschland zur drittgrößten Exportnation der Welt auf (siehe Grafik links).

EADS-Tochter Cassidian: Geringes Neugeschäft, Umbau im Vorstand

Doch die Ära des explosionsartigen Wachstums ist jetzt erst einmal vorbei. Beispiel: Die in Unterschleißheim bei München ansässige EADS-Tochter Cassidian, die im Wesentlichen den Kampfjet Eurofighter und Drohnen sowie Sicherheits- und Radartechnik fertigt. Mit einem Auftragseingang von 4,2 Milliarden Euro machten die Bayern 2011 das geringste Neugeschäft seit fünf Jahren.

Als Reaktion wurde dem Konzern ein Sparprogramm verordnet, das die Kosten jährlich um 370 Millionen Euro senkt. Mit zum Paket gehört der Abbau von 600 der insgesamt 28.000 Arbeitsplätze. Zudem musste der langjährige Cassidian-Chef Stefan Zoller kürzlich die Führung an den bisherigen operativen Chef Berhard Gerwert übertragen. Damit nicht genug: Nach Informationen von manager magazin will sich EADS-Chef Tom Enders fast von der gesamten Führungsspitze bei Cassidian trennen.

Was an Rüstungsbestellungen ausbleibt, soll bei Cassidian mit einer zügigen Diversifizierung kompensiert werden. Schon seit 2005 wird das Segment Sicherheitstechnik ausgebaut. Dessen Produkte und Dienstleistungen sollen unter anderem staatliche Infrastruktur und Menschenmassen vor Terroranschlägen schützen - etwa bei Olympischen Spielen. Zudem wurde vor drei Monaten die Tochtergesellschaft Cassidian CyberSecurity gegründet. Ihr Schwerpunkt ist die Abwehr von Hackerangriffen auf Industrieanlagen oder Polizeileitsysteme.

Das Geschäft, heißt es bei Cassidian, habe hohes Wachstumspotenzial. Erst kürzlich ergatterte der Konzern einen Auftrag Saudi-Arabiens im Wert von rund zwei Milliarden Euro. Cassidian wird mit Radaranlagen, Kameras und Sensoren die 9000 Kilometer lange Grenze der Saudis sichern. Der Anteil der Sicherheitstechnik am Gesamtumsatz soll bis 2015 deutlich ausgebaut werden - die Verteidigungssparte würde dann dementsprechend an Gewicht verlieren.

Auch beim Familienbetrieb Diehl schrumpft der Wert, den der Verkauf von Munition, Panzerketten und Raketen zu den Konzernerlösen beisteuert, von einst 33 Prozent auf heute 22 Prozent. Beschleunigt hat den Rückgang die Reduzierung des Forschungs-und-Entwicklungsetats im Verteidigungsministerium um 214 Millionen Euro, was direkt auf Diehl durchschlug. Die Folge: Hunderte von Ingenieuren mussten 2011 kurzarbeiten.

Drohnen und Kommunikationssysteme für asymmetrische Kriegsführung

Dass die Wehrtechniksparte massiv an Umsatz eingebüßt hat, kann das Unternehmen aushalten, schließlich laufen andere Bereiche wie die Messtechnik oder die Flugzeugausstattung hervorragend. Sorge hingegen bereitet Diehl-Defence-Geschäftsführer Claus Günther der drohende Verlust an Kompetenz. "Wenn die Kürzungen des Bundes dazu führen, dass wir technologisch zurückfallen, können wir am Weltmarkt nicht mehr mithalten", warnt Günther.

Noch plant Verteidigungsminister Thomas de Maizière recht moderate Budgetabschläge. Sein Etat soll von heute 31,9 Milliarden bis 2015 auf 30,4 Milliarden Euro sinken.

Gleichwohl mutet de Maizière den Firmen einiges zu. Er will vertraglich festgeschriebene Bestellungen nachträglich in erheblichem Umfang beschneiden: Statt 177 Eurofighter möchte er nur noch 140 Stück abnehmen, die Zahl der auszuliefernden Tiger-Kampfhubschrauber soll sich halbieren und so weiter und so fort. Die Liste ist lang.

Die Aktion ergibt Sinn, denn viele der Gerätschaften, die vor Jahren in Auftrag gegeben wurden, taugen nicht für asymmetrische Kriegsführung. In der Auseinandersetzung mit kleinen und wendigen Gefechtseinheiten, die meist aus dem Hinterhalt angreifen, benötigen Soldaten keine Kampfpanzer und Fluggeschwader, sondern Drohnen und elektronische Aufklärungs- und Kommunikationssysteme. Diese modernen Waffen will der Verteidigungsminister mit den frei werdenden Geldern aus den revidierten Beschaffungskontrakten bezahlen.

Ungewisse Zukunft für Rheinmetall, KMW, Cassidian und Diehl

Die Nachverhandlungen sind allerdings ein schwieriges Unterfangen angesichts der zahllosen Verträge zwischen den Systemhäusern und ihren Unterlieferanten. Einen Erfolg kann de Maizière zumindest schon verbuchen. Er hat sich mit KMW und Rheinmetall geeinigt, anstelle der 405 georderten Puma-Schützenpanzer lediglich 350 zu kaufen. Allein für Rheinmetall  bedeutet das eine Einbuße von 148 Millionen Euro.

Eigentlich wären Rheinmetall und KMW prädestiniert für einen Zusammenschluss. Seit vielen Jahren kooperieren sie in Joint Ventures; neben dem Puma und dem Leopard bauen sie gemeinsam den gepanzerten Transporter Boxer und das Patrouillenfahrzeug AMPV. Der Schwerpunkt von KMW liegt dabei auf der Panzertechnologie, Rheinmetall kümmert sich um die Bewaffnung.

KMW-Chef Haun aber schließt "eine Fusion aus". Offenkundig will er nicht den Juniorpartner spielen, schließlich ist der börsennotierte Rheinmetall-Konzern mit 4,5 Milliarden Euro Umsatz (gut die Hälfte davon entfällt auf die Autosparte) fast fünfmal so groß wie die im Familienbesitz befindliche KMW.

Rheinmetall und KMW, Cassidian und Diehl - sie alle haben eine höchst ungewisse Zukunft vor sich. In jedem Unternehmen suchen die Führungsmannschaften nach Ideen, um das Wachstum anzukurbeln. Klaus Eberhardt, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, will unter anderem Firmen zukaufen. Andere Unternehmen bauen das Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft aus.

Eroberung der Schwellenländer - doch produziert werden muss vor Ort

Trotz der teilweise unterschiedlichen Strategien eint die Firmen ein Ziel: Sie wollen in jene Länder vorstoßen, die ihre Militärausgaben deutlich steigern werden. Indien plant, sein Verteidigungsbudget bis 2015 um 27 Prozent zu erhöhen, Saudi-Arabien stockt um fast 40 Prozent auf, Brasilien legt um 22 Prozent zu (siehe Grafik links).

Die ausgabefreudigen Staaten zeigen durchaus Interesse an deutschen Waffen, allerdings stellen sie bei den Ausschreibungen immer häufiger eine wesentliche Bedingung: Produziert werden muss vor Ort.

Beim Marineableger von ThyssenKrupp  sind solche Deals schon lange gang und gäbe. TKMS betreibt das Engineering, den Einkauf und das Projektmanagement für Kriegsschiffe und vergibt für den Bau eine Lizenz an den Kunden, etwa an Griechenland oder die Türkei.

Mit der Lizenzierung verdient TKMS ordentlich Geld, zieht sich aber gleichzeitig die eigene Konkurrenz heran. Beispiel Südkorea, ein großer Abnehmer von TKMS. Das Land fertigt mittlerweile selbst entwickelte U-Boote und buhlt derzeit um einen Auftrag der indonesischen Marine, der auch TKMS zupass käme.

Technologieklau hin oder her - die deutschen Rüstungshäuser müssen die Schwellenländer erobern, sonst können sie nicht bestehen. Bis 2015 wachsen die europäischen Verteidigungsbudgets nur noch moderat. Und da im gleichen Zeitraum die amerikanischen Militärausgaben stagnieren werden, ist mit immer heftigeren Angriffen der Wettbewerber auf die tradierten Märkte der Deutschen zu rechnen.

Kannibalisierung der Europäer

Der Druck wäre weit weniger stark, wenn sich die Europäer nicht kannibalisieren würden. Allein bei Panzern treten Firmen aus sechs EU-Nationen gegeneinander an. Bei Kampfflugzeugen sieht es nicht viel besser aus. Franzosen, Schweden und ein Konsortium aus Deutschen, Spaniern, Briten und Italienern haben jeweils eigene Jets entwickelt und schnappen einander die Aufträge weg - wie vor ein paar Monaten bei einer Ausschreibung in Indien, als der französische Rafale den Eurofighter ausstach.

Anläufe zur Zusammenarbeit gibt es seit Dekaden, sehr viel mehr als das Gemeinschaftsunternehmen EADS ist dabei nicht herausgekommen. Den jüngsten Vorstoß wagte der Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Stéphane Beemelmans, als er vor einigen Wochen verkündete, Paris, London und Berlin würden gemeinsam ein unbemanntes Flugzeug entwickeln und eine Einkaufskooperation für Waffen bilden.

Ob die Projekte tatsächlich über die Einsetzung von Arbeitsgruppen hinauskommen, ist fraglich. Kenner der Szene glauben, dass die Vorhaben auch diesmal an nationalen Egoismen scheitern werden.

Daher kann es der deutschen wehrtechnischen Industrie nur recht sein, dass sich die Bundesregierung neuerdings intensiver für ihre Belange im Ausland einsetzt. Zwar wirbt Angela Merkel längst nicht so unverhohlen wie die Politiker Frankreichs, Großbritanniens oder der USA. Etwas mehr Unterstützung als ihre Vorgänger gibt die Kanzlerin aber schon.

Auch das Geschäft auf dem Heimmarkt wird erschwert

So hat Merkel im vergangenen Sommer den Angolanern Hilfe bei der "Ertüchtigung der Marine" angeboten. Was im Klartext bedeutet, dass die Bremer Lürssen Werft sechs bis acht Patrouillenboote an das afrikanische Land liefern könnte.

Am deutlichsten wird der politische Sinneswandel im Koalitionsvertrag von Union und FDP. Galt früher die Devise, dass der Bund eine restriktive Genehmigungspolitik bei Waffenausfuhren betreibt, so will man jetzt "verantwortungsbewusst" mit dem Thema umgehen. Will heißen: Auch wirtschaftliche Aspekte können in die Entscheidungsfindung mit einfließen.

Dieser Logik folgend, fiel es dem Bundessicherheitsrat im Sommer 2011 nicht schwer, eine Voranfrage für ein heikles Geschäft positiv zu bescheiden: KMW darf über 200 Leopard-Panzer nach Saudi-Arabien verkaufen - sofern der Auftrag kommt.

Der geplante Deal mit den Saudis und auch ein möglicher Verkauf von bis zu 100 Leos an Indonesien sind ein Politikum - die Friedensaktivisten laufen Sturm. Sie fackelten in Hamburg das Auto eines Rüstungsmanagers ab. Sie gewannen für die "Aktion Aufschrei - Stoppt den Waffenhandel" mit Margot Käßmann eine prominente Schirmherrin. Und sie griffen im Rahmen des "Zentrums für Politische Schönheit" die Besitzer von KMW an: Für Hinweise auf Strafdelikte von Mitgliedern der Eigentümerfamilie lobte die Berliner Initiative 25.000 Euro aus.

EU-Vergaberichtlinie setzt deutsche Waffenschmieden unter Druck

Obendrein meldete sich Burkhart von Braunbehrens zu Wort. In Interviews verdammte der 71-jährige Künstler, der rund 0,5 Prozent der KMW-Anteile hält, die potenzielle Leopard-Lieferung an Saudi-Arabien; er sieht darin einen Affront gegen die demokratische Arabellion. Seine konsternierten Verwandten reagierten prompt und warfen ihn aus dem Gesellschafterausschuss.

Kein Zweifel: Die deutsche Rüstungsindustrie steht unter Beschuss. Die Anfeindungen wachsen, der Export ist ins Stocken geraten, und nun könnte auch noch das Geschäft auf dem Heimmarkt schwieriger werden.

In diesem Sommer wird nämlich in Deutschland eine neue EU-Vergaberichtlinie in nationales Recht umgesetzt. Demnach muss die Bundeswehr ihre Beschaffungsvorhaben künftig europaweit ausschreiben. Dann können auch Italiener und Franzosen mitbieten - Konzerne, die zu großen Teilen dem Staat gehören und daher weniger auf Rentabilität achten als die fast nur privatwirtschaftlichen deutschen Unternehmen.

So manchem Manager graut vor den neuen Konkurrenten. "Die werden Aufträge mit Kampfpreisen an sich reißen, um ihre Arbeitsplätze zu sichern", raunt einer aus der Branche, "und wir schauen in die Röhre."