Sonntag, 21. Juli 2019

Raumfahrt Astronomische Geschäfte

Überflieger: Die wichtigsten Raumfahrtunternehmen
REUTERS / Nasa

Die Landung der Raumsonde "Curiosity" auf dem Mars versetzt Forscher in Euphorie. Zugleich übernehmen private Anbieter weite Teile des Space-Business. Die jüngsten Erfolge des kalifornischen Raketenbauers SpaceX eröffnen auch anderen Firmen Chancen.

Das Ungetüm steht auf Spinnenbeinen, die Füße sehen aus wie umgedrehte Riesen-Frisbees, es hat einen eckigen Korpus und ist überzogen mit Goldfolie, der Kopf ist bepflastert mit Solarzellen. Und an der Unterseite ragen schwarze Trichter heraus.

Es ist ein Modell des "Lunar Landers". Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB will die Sonde so bald wie möglich bauen und zum Mond schicken. Nein, sagt Seniorchef Manfred Fuchs (73), das sei keine Fantasterei: Er glaube "fest daran", dass das Leben auf dem Erdtrabanten "in 20 oder 30 Jahren für die Menschen etwas ganz Alltägliches sein wird". Und dass seine Firma "einen guten Teil zur Besiedlung des Mondes beitragen wird". Fuchs' Ehefrau Christa, 74 Jahre alt und Aufsichtsratschefin der börsennotierten OHB Börsen-Chart zeigen, will mit 90 sogar selbst zum Mond fliegen "und den Rest ihres Lebens dort verbringen".

OHB ist das größte rein deutschstämmige Raumfahrtunternehmen (siehe Tabelle "Überflieger") . Sein "Lunar Lander" - bisher nur ein Modell - ist Teil einer großen Bewegung: Die private Wirtschaft steigt ein ins Geschäft mit der Ausweitung menschlicher Lebens- und Wirtschaftsräume in extraterrestrische Sphären.

Überflieger: Die wichtigsten Raumfahrtunternehmen
Unternehmen Gründungs-jahr Umsatz (in Euro) Mitarbeiter wichtigstes Projekt
Astrium (Tochterunternehmen EADS) 2000 5 Mrd. 17.000 Ariane-Raketen; Europäisches Labor der Internationalen Raumstation
OHB 1981 555 Mio. 2300 Galileo-Navigationssatelliten
United Launch Alliance (Joint-Venture Boeing, Lockheed) 2006 800 Mio. 3900 Delta-Raketen, Atlas-Raketen; größter Anbieter von Raumtransportfahrzeugen
SpaceX 2002 k. A. 1800 Falcon-Raketen; Dragon Raumkapseln; Versorgungsflüge zur ISS
Virgin Galactic 2004 k. A. k. A. Touristische Flüge in die Schwerelosigkeit mit "Spaceship2"
Die Chancen für ein Realisierung stehen nicht so schlecht, wie das Sperrholz hinter der Goldfolie des Modells vermuten ließe. Denn die Raumfahrtbranche erlebt gerade einen dynamischen Aufbruch: Junge Unternehmen erfinden und vermarkten spektakuläre bis revolutionäre Lösungen. Ihre Angebote öffnen das - im Wortsinn - astronomisch große Geschäftsfeld jenseits der Stratosphäre für den Wettbewerb.

Jahrzehntelang war die Raumfahrtindustrie eng verzahnt mit staatlichen Behörden. Agenturen wie die amerikanische Nasa, die jüngst die Landung der Raumsonde "Curiosity" auf dem Mars feierte, oder die europäische Esa gaben Hunderte von Milliarden öffentlicher Gelder aus für die Erforschung des Sonnensystems und ferner Galaxien, für den Bau und den Einsatz von Satelliten für zivile und militärische Infrastruktur. Die Unternehmen, die Raketenantriebe, Satelliten, Sonden und andere Technologien entwickelten, waren nur die Ausführungsorgane der beamteten Auftraggeber. Das Konzept und das Management der Mission lagen einzig bei den öffentlichen Organisationen.

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