Montag, 19. August 2019

Raumfahrt Astronomische Geschäfte

Überflieger: Die wichtigsten Raumfahrtunternehmen
REUTERS / Nasa

4. Teil: "Zukunftssicherung unserer Zivilisation im All"

Raketenbauer wie SpaceX und Orbital Sciences operieren am Lebensnerv der Raumfahrt, an ihrer aktuell größten Herausforderung: der Raketentechnik. Ohne die komplexen Transportsysteme, die beim Abheben Hunderte Tonnen hochexplosiven Treibstoff in einem brüllenden Inferno verbrennen, gibt es kein Space-Business. Das sei der wahre Engpassfaktor, sagt OHB-Chef Marco Fuchs: "Der Fortschritt in der Raumfahrt wird nicht etwa von lahmen Beamten gebremst. Es ist simple Physik. Elementare Naturgesetze wie die Schwerkraft kann man eben nicht mit ein paar technischen Tricks aushebeln oder umgehen."

Mit anderen Worten: Die ersten 200 Kilometer auf dem Weg ins All sind und bleiben das größte Hindernis für ein florierendes Geschäft im Kosmos. Sie lassen sich derzeit nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten überwinden.

So steht der ganz große Durchbruch für ein privates Space-Business erst noch bevor. Beim derzeitigen Transportpreisniveau bleibt die öffentliche Hand wichtigster Auftraggeber der Branche. Für potenzielle private Kunden rentiert sich das Geschäft noch nicht. Außer bei der Telekommunikation. Die ist hochprofitabel: Der TV-Satellitenbetreiber SES wies im ersten Quartal 2012 einen Gewinn von 150 Millionen Euro aus, bei einem Umsatz von 450 Millionen.

DLR-Chef Wörner glaubt deshalb, dass der Staat ein wichtiger Missionsbetreiber bleiben werde. Wetterbeobachtung, Tsunami-Warnung und die anderen aktuellen Domänen der privaten Raumfahrtindustrie seien "wie die Navigation ein Teil der Infrastruktur", sagt der Wissenschaftler. Und für die sei nun mal vor allem die öffentliche Hand zuständig. Die Zukunftssicherung unserer Zivilisation im All, wie sie durch die Experimente auf der ISS, mit Missionen zu anderen Himmelskörpern betrieben wird, sei "ohnehin eine rein öffentliche Aufgabe", fügt der Wissenschaftsmanager hinzu.

Virgin Galactic: Der Außenseiter als Pionier

So kommt dem größten Außenseiter der Astro-Branche eine Pionierrolle zu. Virgin Galactic verfolgt als einziges Unternehmen einen neuen Ansatz: Das komplette Raumschiff soll wieder auf dem "Spaceport" landen, von wo es nach wenigen Tagen technischen Check-ups wieder neu starten kann.

Zugegeben: Mit maximal 110 Kilometern Entfernung von der Erde erreichen die Raumschiffe von Virgin Galactic bei Weitem nicht die Flughöhe, in der sie in eine Umlaufbahn einschwenken könnten. Sie gleiten nach Erreichen ihres Gipfelpunkts sogleich zurück.

Dennoch will DLR-Chef Wörner nicht ausschließen, dass die Raketentechniker bei den neuen Raumfahrtunternehmen "in ein paar Jahren so weit sind, dass sie die Tonne Fracht für zwei Millionen Euro zur ISS bringen". Also für einen Bruchteil des heutigen Preises. SpaceX peilt diese Größenordnung mit seiner nächsten Raketengeneration schon an - zumindest für niedrige Erdumlaufbahnen.

Die Pioniere arbeiten derweil an der Verwirklichung ihrer Träume. Bei SpaceX-Gründer Elon Musk klingen sie noch utopischer als bei den betagten OHB-Gründern aus der Weserniederung: Schon 2015 soll die Dragon-Kapsel auch Astronauten ins All und zurück befördern. Spätestens in 20 Jahren will Musk dann bemannte Missionen zum Mars senden. Der kalifornische Raketenbauer ist sicher, dass sich die Kosten für die lange Reise so weit senken lassen, dass "Menschen ihr Haus auf der Erde verkaufen und vom Erlös auf den Mars umsiedeln können".

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