Sonntag, 18. August 2019

Raumfahrt Astronomische Geschäfte

Überflieger: Die wichtigsten Raumfahrtunternehmen
REUTERS / Nasa

3. Teil: SpaceX: Knallhart kalkulierte Dumpingpreise

Noch allerdings müssen eine Menge technische Probleme gelöst werden, um mit dem eiskalten Nahezuvakuum des Weltalls und der dort herrschenden aggressiven Strahlung klarzukommen. Noch müssen die angepeilten neuen Märkte erst entstehen.

Für Marco Fuchs (49), Sohn der OHB-Gründer und heute Vorstandschef des Bremer Hightech-Unternehmens, ist das alles "zunächst mal ein ziemlich normales Brot-und-Butter-Geschäft". Die täglichen Aufgaben eines Raumfahrtingenieurs bei OHB seien weit entfernt von den heute naiv anmutenden Utopien, die in der Ära zwischen dem Sputnik-Start 1957 und den bemannten Mondlandungen der 70er Jahre gepflegt wurden. Damals galten Astronauten als eine Art Heilsbringer, wurden nach geglückten Missionen in Konfettiparaden gefeiert.

Im nüchternen Geschäftsbetrieb von OHB Börsen-Chart zeigen geht es zunächst um den weltweiten Wettbewerb mit anderen Anbietern wie Thales Börsen-Chart zeigen, der EADS-Tochter Astrium oder den amerikanischen Satellitenbauern. 2300 Beschäftigte - darunter "wahrscheinlich mehr Innovationstreiber, visionäre Entwickler und Hightech-Nerds" als bei einem traditionellen Maschinenbauer (Fuchs Börsen-Chart zeigen) - basteln an der schwierigen Balance zwischen Präzision und Robustheit. Solide und verlässlich sollen die Hightechanlagen sein, die am Bremer Stammsitz von OHB in drei Hallen montiert werden.

"Wenn bei einem dieser Geräte im Orbit ein Schieber klemmt oder eine Software abstürzt, dann sind gleich viele Dutzend Millionen Euro verloren", sagt Marco Fuchs. Denn niemand kann zur Reparatur mal eben ins All starten.

Teile der Produktion finden bei OHB unter Reinraumbedingungen statt. Die Galileo-Satelliten werden auf maßgefertigten weißen Stahlrohrlafetten von einer Montagestation zur nächsten gerollt.

Elon Musk und SpaceX: Knallhart kalkulierte Dumpingpreise

Die kalifornische SpaceX hat mit ihren Falcon-Raketen, die nahe Los Angeles in einer ehemaligen Montagehalle für Jumbojets zusammengebaut werden, noch nicht ganz das Stadium der Serienherstellung erreicht. Bisher war das gesamte Unternehmen auf den erfolgreichen Abschluss der ersten Versorgungsmission der ISS im Mai fokussiert. Die Falcon-9-Rakete samt Dragon-Raumkapsel für die Nutzlast wurde immer wieder revidiert und verbessert.

Rund 700 Millionen Dollar hat SpaceX in die Entwicklung eigener Technologien investiert. Die Kapitalbasis des jungen Unternehmens stammt überwiegend von Hauptgesellschafter Elon Musk. Der 40-jährige Seriengründer hat unter anderem im Jahr 2002 einige Hundert Millionen Euro eingestrichen, als der Ebay-Konzern das von ihm mitentwickelte Online-Bezahlsystem PayPal für 1,5 Milliarden Dollar kaufte.

SpaceX drängt in den Markt mit knallhart kalkulierten Dumpingpreisen: Die Falcon 9 kann gut 13 Tonnen Nutzlast in die Erdumlaufbahn bringen. Dafür verlangt das Unternehmen 54 Millionen Dollar - pro Kilo ist das etwa die Hälfte der Kosten, die beim Transport mit einer europäischen Ariane 5 anfallen, bisher die modernste Rakete.

SpaceX verfolgt den ambitionierten Ansatz der Wiederverwendbarkeit. Die Dragon-Raumkapsel wird nach ihrer Landung im Ozean aufgearbeitet und kann dann erneut ins All geschossen werden. Auch die Raketenstufen sollen künftig nicht mehr ausgebrannt ins Meer fallen und untergehen. Das Raketenrecycling sei auf Dauer der einzige Weg, wettbewerbsfähig zu bleiben, sagt Musk.

Der Kostendruck ist immens. SpaceX' Konkurrent Orbital Sciences aus Dulles, Virginia, hat angekündigt, diesen Sommer seine ebenfalls eigenständig entwickelte Antares-Rakete erstmals ins All zu schicken. Sollte das klappen, kann auch Orbital Sciences einen Großauftrag der Nasa für die Versorgung der Internationalen Raumstation ISS umsetzen.

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