Sonntag, 17. November 2019

Raumfahrt Astronomische Geschäfte

Überflieger: Die wichtigsten Raumfahrtunternehmen
REUTERS / Nasa

2. Teil: Raumfahrttourismus für zahlungskräftige Abenteurer

Doch das ist Vergangenheit: Kürzlich hat die südkalifornische Firma SpaceX als weltweit erstes Unternehmen mit eigenem Geld eine Rakete samt Raumkapsel entwickelt und gebaut, die Nutzlast - und bald vielleicht sogar Menschen - zur Internationalen Raumstation (ISS) und zurück bringen kann. In den Auftragsbüchern von SpaceX stehen aktuell zwölf Transportflüge zur ISS im Wert von 1,6 Milliarden Dollar.

Das Space-Business gedeiht, auch in Bremen, wo OHB derzeit die Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo baut - ein Auftragsvolumen von gut einer Milliarde Euro. Der Umsatz der OHB stieg im vergangenen Jahr um 31 Prozent, auf 555 Millionen Euro. TV- und Kommunikationssatellitenbetreiber wie SES oder Eutelsat steigerten ihre Umsätze allein im ersten Quartal 2012 um rund 5 Prozent.

Und es geht nicht nur um B2B-Geschäfte: Virgin Galactic, Tochterfirma in der Konzernwelt des britischen Tycoons Richard Branson, hat den Stararchitekten Sir Norman Foster gewinnen können, der auf Kosten des US-Staats New Mexiko einen "Spaceport" in der Wüste baut. Von dort aus sollen ab kommendem Jahr touristische Raumflüge in selbst entwickelten "SpaceShips" starten und landen. Über 500 Passagiere haben sich bereits einen Platz an Bord reserviert. "Das sind mehr Menschen, als in den 51 Jahren der bemannten Raumfahrt überhaupt ins All geflogen sind", sagt George Whitesides, CEO des ambitionierten Unternehmens.

Die Zahl ist umso erstaunlicher, als Virgin Galactic 200.000 Dollar pro Person verlangt für den kurzen Trip an den Rand der kosmischen Weite, der den Reisenden nur wenige Minuten in der Schwerelosigkeit beschert.

Virgin, Google, SpaceX: Mitmischen im kosmischen Geschäft

Der Boom ergreift nicht nur Konzerne. Der Lunar X-Prize, vom Internetriesen Google mit Preisgeldern in Höhe von 30 Millionen Dollar ausgestattet, hat weltweit für eine Gründerwelle neuer kleiner Raumfahrtunternehmen gesorgt. Den Hauptpreis erhält jenes Start-up, das zuerst eine selbst entwickelte Mission auf dem Mond landen kann. In Hamburg und Berlin erproben bereits Forscher einer jungen Firma mit dem vielsagenden Namen Part Time Scientists die Prototypen ihres völlig neuartigen Mondfahrzeugs.

Johann-Dietrich Wörner, Vorstandschef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), sieht bereits "die Chance für eine Business-Dämmerung im Kosmos". Die könnte dann eine neue Ära der Raumfahrt begründen: ein Zeitalter, in dem das Kürzel PPP tatsächlich für Public-Private-Partnership steht - und nicht, wie manchmal interpretiert, für "Public Pays Permanently".

Der Wandel, prophezeit Wörner, werde richtig Fahrt aufnehmen, wenn die Raumfahrtbranche erst neue Technologien eigenständig entwickeln und damit all jene Leistungen im freien Wettbewerb anbieten könne, die sich im Weltall effizienter erbringen ließen als auf der Erde, insbesondere Telekommunikation und Navigation, aber auch Erd- und Wetterbeobachtung sowie Forschung unter den extremen Weltraumbedingungen.

Schließlich soll der Raumfahrttourismus schon bald den ultimativen Kitzel für zahlungskräftige Abenteurer bieten.

© manager magazin 7/2012
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