Editorial Pole-Position

Von Wolfgang Kaden

Wo liegen die Wachstumsmärkte von morgen? Welche Branchen werden im 21. Jahrhundert den Wohlstand mehren? Auf diese Fragen suchte mm-Redakteur Steffen Klusmann Antworten. Nach vielen Gesprächen in Unternehmen und in Forschungsinstituten hat Klusmann fünf Wachstumstreiber ausgemacht, darunter die Biotechnologie und die Mikrosystemtechnik.

Erfreuliches Nebenergebnis der Recherche: Anders als in der Computertechnik finden sich die Europäer, vor allem die Deutschen, diesmal in einer überaus günstigen Startposition. Bei zwei der fünf Zukunftsbranchen liegen die Deutschen weltweit vorn, bei zwei weiteren auf einem aussichtsreichen Mittelplatz. "Vor einem neuen Wirtschaftswunder" schrieben wir daher hoffnungsvoll auf die Titelseite.

Eine solche Verheißung mag manch einen verwundern in diesen Zeiten, in denen eine neue Regierung das Land zurück in die 70er Jahre zu führen scheint – nicht aber zu einem neuen Wirtschaftswunder. Nichts ist ja geblieben von der "linken Angebotspolitik", die der Kanzleramtsminister Bodo Hombach in seinem Buch empfiehlt.

Hombach gibt im Interview Auskunft; er wiegelt ab, er beschwichtigt. Doch ihm kann nicht gefallen, was da ein außer Rand und Band geratener Oskar Lafontaine treibt.

Der forciert eine Wirtschaftspolitik, die mit Umverteilung und billigem Geld für Beschäftigung sorgen soll. Da schüttelt es sogar die Grünen, die sich immer deutlicher von den Rückwärtsgewandten bei den Sozialdemokraten abzusetzen versuchen. "Vulgär-Keynesianismus" schimpfte der grüne Bundestagsabgeordnete Oswald Metzger im "Spiegel".

Gemeinsam mit Leuten wie Hombach will Metzger den Schatzkanzler Lafontaine stoppen. Vielleicht gelingt’s. Wenn nicht, dann muß, irgendwann, der globale Wettbewerbsdruck zur Umkehr zwingen: In einer Welt, in der überall privatisiert und dereguliert wird, kann kein einzelnes Land mehr in die Gegenrichtung rudern, ohne schwer abgestraft zu werden. Schon gar nicht das exportgewichtige EU-Mitglied Deutschland.

Vor einem neuen Wirtschaftswunder? Wir bleiben optimistisch, trotz Lafontaine und Christa Müller. Unsere Prognose zielt nicht auf die nächsten zwei, drei Jahre, sondern auf das erste Jahrzehnt des nächsten Jahrhunderts. Und da stehen die Chancen gar nicht so schlecht.

P.S.: Die mm-Redakteure Harald Ehren und Christoph Seeger und der mm-Mitarbeiter Jonas Hetzer waren die Autoren unseres Geldanlagetitels "Sorglos im Alter" im Mai 1998. Für die "analytische, konstruktiv-kritische Arbeit" erhielten sie jetzt den Medienpreis 1998 der Aachener und Münchener Lebensversicherung AG.