Samstag, 7. Dezember 2019

Springer, Bauer, Bertelsmann Frauenwirtschaft

Medienfrauen: Wer im Verlagswesen das Sagen hat
DPA

Vier der sechs größten deutschen Verlagshäuser werden von Frauen regiert. Wie üben die Medienfrauen bei Springer, Bauer, Bertelsmann oder WAZ ihre Macht aus? Eine Expedition durch die Branche.

Hamburg - Viel reden mochte Petra Grotkamp nach ihrem Coup nicht. Der hauseigenen "Westdeutschen Allgemeinen", die ihr nun mehrheitlich gehörte, gab sie Ende Januar ein Interview, das sie für aufschlussreich gehalten haben mag, das aber größtenteils ihr Mann Günther Grotkamp bestritt, der ehemalige Chef des Zeitungsverlags, eine Eiche aus dem Revier, 85 Jahre alt.

Sie selbst beantwortete nur drei Fragen, nannte als Tatmotiv ihren Wunsch, dass die WAZ "ein Familienunternehmen" bleibe, und setzte danach ihr jahrzehntelanges Schweigen fort.

Als die Verlegertochter Anfang dieses Jahres die Macht bei der WAZ-Gruppe übernahm, markierte dies nicht nur einen Neuanfang in der Geschichte des Essener Zeitungshauses, sondern auch einen Wendepunkt für die deutsche Medienwelt als solche: Erstmals stehen die meisten Großverlagshäuser unter weiblicher Kontrolle.

Vier der sechs größten deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage werden von Frauen beherrscht: Liz Mohn (Bertelsmann, Gruner + Jahr) und Friede Springer (Axel Springer Börsen-Chart zeigen), Yvonne Bauer (Bauer Media) und besagte Petra Grotkamp dominieren die Szene.

Zählte man noch Monika Schoeller hinzu, die frühere Chefin des S. Fischer Verlags und Mitgesellschafterin der Verlagsgruppe Holtzbrinck, und Maria Furtwängler, die einflussreiche Gattin des Münchener Großverlegers Hubert Burda, sind fast alle Milliardenkonzerne der Branche mehr oder minder feministische Gruppierungen. Dies ist umso bemerkenswerter, als gerade die Verlagsgilde von übermächtigen Männer- und Vaterfiguren geprägt worden war: Reinhard Mohn, Axel Springer, Rudolf Augstein, Franz Burda, die Liste ist lang.

Auch bei Burda und Holtzbrinck finden einflussreiche Frauen Gehör

Laut einer Umfrage des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger unter großen Mitgliedsverlagen stellen Frauen heute 63 Prozent aller Beschäftigten, fast jede zweite Führungsposition (46 Prozent) wird von einer Frau besetzt. Gewiss, in den obersten Rängen finden sich immer noch Männer in großer Mehrheit. Doch der Beweis wird schwer zu führen sein, dass Medien absichtlich einen schlechter geeigneten Mann vorziehen und dadurch riskierten, sich selbst zu schaden, nur um keiner Frau einen Führungsjob anvertrauen zu müssen.

"Männer wachsen mit ihren Aufgaben, Frauen auch. So ist es mir ergangen und vielen anderen sicher auch", sagt Angelika Jahr-Stilcken (70), ehemaliges Vorstandsmitglied von Gruner + Jahr, heutige Aufsichtsrätin und selbst eine der einflussreichsten Medienfrauen des Landes. Ihre Familie hält 25,1 Prozent an den Hamburger Verlagsbetrieben.

"Medien sind sehr emotionale Produkte", sinniert Yvonne Bauer, "vielleicht ist dies der Grund, warum es gerade in diesem Bereich so viele starke Frauen gibt." Und ähnlich sieht es auch Bertelsmann-Herrin Liz Mohn: Die Medien spielten für die Frau "eine Vorreiterrolle, weil es bei unseren Produkten ganz besonders auf Intuition, Kreativität und Menschenkenntnis ankommt".

Dass sich der Einfluss der Frauen in Zukunft noch verstärken wird, davon ist die Schauspielerin Maria Furtwängler überzeugt, die sich selbst immer häufiger für das Unternehmen ihres Mannes engagiert, beim "Bambi" wie beim Kongress DLD Women.

Die Netzwirtschaft spiele den Frauen in die Hände: "Im Internet kann man mit einer guten Idee für wenig Geld ein neues Geschäft beginnen", sagt Furtwängler im mm-Interview. "Das Internet ist einfach kapitalschlanker und deshalb eine große Chance für uns Frauen."

Mögen sie eisern sein wie Liz Mohn, streng wie Yvonne Bauer, gerissen wie Friede Springer oder beharrlich wie Petra Grotkamp - machtbewusst sind sie alle.

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