Samstag, 17. August 2019

Burn-out Stilles Drama

Immer mehr erschöpfte Manager: In Deutschland wurde das Phänomen Burn-out lange unterschätzt

5. Teil: Bemühungen von Wirtschaft und Politik

Die Telekom, obgleich mit einer hohen Burn-out-Fallzahl, nimmt das Phänomen so ernst, dass sie im Rahmen einer Mitarbeiterbefragung für alle Beschäftigten im zweijährigen Rhythmus allgemeine Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz ermittelt und dabei auch Muster psychischer Erkrankungen abfragt. Zusätzlich startete der Vorstand vor gut zwei Jahren das Programm "Work Life".

Geleitet wird es von Diplomingenieur Jürgen Kühn, der 2008 von einem Backwarenhersteller zum "Spitzenvater des Jahres 2008" gekürt wurde und Teilzeit arbeitet. Sein Vorbild wirkt: Seit dem Programmstart hat sich die Zahl der Telekom-Führungskräfte in Teilzeit verdoppelt - auf allerdings immer noch magere knapp 2 Prozent. Befürchtungen, dadurch im Turbowettbewerb zurückzufallen, wischt Kühn beiseite: "Die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und -formen stärkt unsere Produktivität eher noch."

Dass der Kampf gegen den Burn-out die Unternehmen nicht mehr loslässt, dafür sorgt nun auch die Politik. Nach dem Willen von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen soll die Analyse psychischer Belastungen, wie sie von der Commerzbank Börsen-Chart zeigen bereits realisiert wird, auch an Büroarbeitsplätzen endlich Standard werden - und nicht wie bisher auf Industriejobs beschränkt sein.

Für diejenigen, die bereits unter Burn-out leiden, kommen die Bemühungen von Wirtschaft und Politik zu spät. Ihnen bleibt nur eins: Hilfe annehmen. Auch wenn die neuen Einsichten bisweilen schmerzhaft sein können.

Ex-Siemens-Manager Ulrich F. musste nach seinem Arztbesuch erkennen: Auch für den tatkräftigen Erfolgsmann gibt es Grenzen. Und manchmal sind die wichtigsten Grenzen die, die man selbst zieht.

Ulrich F. ist das gelungen. Wenn heute zu viel auf ihn einprasselt, verlässt er ganz bewusst früh das Büro. Und schläft sich mal richtig aus.

© manager magazin 6/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung