Donnerstag, 19. September 2019

Apple Der beste Job der Welt

Apple: Kultfirma erfolgreicher als je zuvor
REUTERS

Mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr, Aktienkurs knapp unter Rekordhoch: Warum ist die Kultfirma unter Steve Jobs' Nachfolger Tim Cook erfolgreicher als je zuvor? Die Geschichte eines ungewöhnlich gut geglückten Übergangs.

Wann immer in der jüngeren Geschichte des Silicon Valley ein Mann für die ganz schwierigen Fälle gesucht wurde, stets klopften die Verantwortlichen bei Timothy Cook (51) an. Ob beim einstigen Taktgeber der Computerindustrie, Dell, oder der früheren Valley-Ikone Hewlett-Packard - die Verwaltungsräte waren überzeugt, der Apple-Manager sei der Richtige, um die Konzerne zu neuen Höhen zu führen.

Doch der Mann mit dem streng zur Seite gebürsteten Kurzhaarschnitt entschied sich, eine größere Mission zu erfüllen. Cook wollte Nachfolger von Steve Jobs an der Spitze von Apple Börsen-Chart zeigen werden. "Ich werde mich vorbereiten, und eines Tages wird meine Chance kommen", hatte er schon 2010 bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte gesagt und damit Abraham Lincoln zitiert.

Es muss in der Tat schon eine historische Persönlichkeit wie der berühmte US-Präsident herhalten, um die Dimension von Cooks Aufgabe zu begreifen. Apple, das ist schließlich jene Firma, die 1997 vor der Pleite stand und die Steve Jobs nach seiner Rückkehr an die Spitze in Amerikas Kultkonzern Nummer eins verwandelte. Seitdem gilt Steve Jobs als größter Held der Unternehmenswelt.

Nach seinem Tod im Herbst 2011 stellten die Chronisten den Erfinder der Tech-Trilogie iPod, iPhone und iPad gar auf eine Stufe mit Thomas Edison und anderen Genies. Nirgendwo auf der Welt war die Nachfolgeregelung deshalb eine so heikle Angelegenheit wie hier. "Die Kraft eines Unternehmensgründers wie Steve Jobs ist nur schwer zu ersetzen", sagt Stanford-Professor Paul Saffo. "Gerade Unternehmen im Silicon Valley mit ihren schillernden Machern geraten oft in Schwierigkeiten, wenn es gilt, den Übergang vom Gründer zum Manager-CEO zu meistern", fügt Saffo hinzu.

Aktie knapp unter Rekordhoch

Seit Cook im August 2011 bei Apple die Nummer eins geworden ist, hat sich der Aktienkurs fast verdoppelt. Cook liefert Rekordquartal um Rekordquartal ab - auch vor den Zahlen zum dritten Quartal am 24. Juli sind die Erwartungen groß. Mitte Juli notierte das Papier knapp über der Marke von 600 Dollar, doch Analysten wie Gene Munster von Piper Jaffray glauben, die Apple-Aktie werde noch die Grenze von 1000 Dollar durchbrechen. Wie nur hat Cook den Übergang so reibungslos hinbekommen?

Als Jobs vor mehr als einem Jahrzehnt einen Manager suchte, der die Produktion und Lieferkette auf Just-in-Time-Standards trimmen konnte, da traf er schnell auf einen Mann vom Konkurrenten Compaq Computers. Compaq war damals der weltweit größte PC-Bauer und Tim Cook ein 37-jähriger Aufsteiger im Vorzeigekonzern. "Ich erkannte, dass er und ich die Dinge genau auf die gleiche Weise betrachteten", erinnerte sich Jobs einmal an die erste Begegnung.

Cook ließ sich kraft Jobs' legendärer Überzeugungskunst in weniger als fünf Minuten locken: "Ich wollte Vorsicht und Logik über Bord werfen und zu Apple gehen, um in dem Führungsteam dabei zu sein, das einer großartigen amerikanischen Firma zur Wiederauferstehung verhilft."

Jobs und Cook gingen eine fein austarierte Arbeitsteilung ein: Der Boss ersann immer neue, noch begehrenswerter erscheinende Tech-Wundergeräte. Sein wichtigster Mitarbeiter setzte die Maßstäbe für Effizienz neu, nicht nur für Apple, sondern für die gesamte Branche.

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