Donnerstag, 5. Dezember 2019

Arbeitgeber im Test Wie Nachwuchskräfte ihre Firmen bewerten

Arbeitgeber im Test: Was Jungmanager denken
Christian O. Bruch / Illu: Sarah Knorr

Wie arbeitet es sich wirklich bei den beliebtesten Unternehmen? manager magazin sprach vertraulich mit Nachwuchskräften über Betriebsklima, Einkommen und Work-Life-Balance - mit erstaunlichen Ergebnissen.

Hamburg - Nun also Zweirad statt Benz: "Meinen Dienstwagen habe ich gerade abgegeben", sagt Hyung-Tae Kim (31), "jetzt fahre ich wieder Fahrrad." Nach drei Jahren als Großkundenbetreuer bei Siemens hat der Wirtschaftsingenieur genug von der Welt der Konzerne. "Immer geht es um Hauspolitik, ohne starke Lobby ist es schwer, eigene Projekte durchzusetzen", registriert er.

Auch das Sicherheitsversprechen lockt ihn nicht mehr: "Wer eine feste Planung für 30 Jahre sucht, ist hier richtig, aber dafür muss man der Typ sein." Kim ist es nicht und hat gekündigt. Mit zwei Freunden gründet er jetzt ein Start-up.

Ein solch radikaler Bruch mit dem Arbeitgeber ist die Ausnahme unter den Nachwuchskräften deutscher Großunternehmen - die Sinnkrise nach den ersten zwei bis drei Jahren ist es jedoch nicht. Das ist ein Ergebnis der Umfrage unter Young Professionals, die manager magazin in Kooperation mit dem KarriereSPIEGEL gestartet hat. Wie sieht der Alltag bei Deutschlands beliebtesten Arbeitgebern wirklich aus? Wie arbeitet es sich in den Lieblingsunternehmen der Absolventen, jenseits aller Recruiting-Versprechen und Imagekampagnen?

In der Umfrage waren Hochschulabsolventen und Young Professionals der 15 beliebtesten Unternehmen aufgerufen, von ihren Erfahrungen zu berichten. Auf Wunsch auch anonym, um eine möglichst authentische Einschätzung zu erhalten.

Entstanden ist, nach rund 40 Interviews, ein Stimmungsbild vom deutschen Führungsnachwuchs: Leistungsbereit sind die Jungmanager und Jungingenieure, aber fordernder als ihre Vorgänger, vor allem was berufliche Entwicklung und das Wahren der Work-Life-Balance angeht.

Leistungsbereit, aber fordernder als ihre Vorgänger

Nur konsequent, dass viele Berufsanfänger tiefe Dankbarkeit gegenüber Gewerkschaften und Betriebsräten empfinden, die üppige Sozialleistungen und strenge Kontrolle der Überstundenkonten sichern. Selbst große Consulting-Firmen, traditionell gesuchte Arbeitgeber für leistungswillige Überflieger, beginnen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken: Immer weniger Jungberater und -beraterinnen sind bereit, ihr Privatleben allein auf die Wochenenden zu vertagen.

Und noch etwas unterscheidet den Führungsnachwuchs 2012 von den Vorgängern: Die Erwartungen an die Arbeitgeber werden offensiver vorgetragen - die Talente sind sich ihrer Knappheit bewusst.

Bei allen Forderungen haben die meisten aber Freude an der Arbeit: "Wir sind auf der Jagd nach der Weltspitze", sagt etwa Tim Döring (25), Mitarbeiter in der Konzernbeschaffung bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen (jeweils Platz 6 der beliebtesten Arbeitgeber bei Wirtschaftlern und Ingenieuren), "das macht Spaß." Das straffe Arbeitsprogramm macht ihm nichts, denn Überstunden werden konsequent abgefeiert.

Die Atmosphäre in der Abteilung ist locker, auch viele Vorgesetzte werden geduzt. Lediglich die schiere Größe des Konzerns wirkt überwältigend. Doch wenn ihm Zweifel an seiner Rolle kommen ("Man fühlt sich schon mal als kleinstes Rad am Wagen"), motiviert sich der Betriebswirt einfach selbst: Der Job ist begehrt, zu VW wollen viele.

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