Samstag, 18. Januar 2020

Start-ups Gründerparadies Deutschland

Start-ups: Wie Gründer sich durchsetzen
Steffen Roth; Corbis

Nie standen die Chancen für junge Unternehmer in Deutschland besser. Und noch nie waren die Ansprüche an die Neu-Entrepreneure höher. Auch ausländische Gründer nutzen hierzulande ihre Chancen.

Hamburg - Fünf Jahre lang hatte Daniel Eggert das, was in der Generation Smartphone gemeinhin als Traumjob gilt: Im Silicon Valley tüftelte er bei Apple am iOS-Betriebssystem für die Produkte der Kultmarke.

Doch seit März dieses Jahres schaut der Informatiker von seinem Schreibtisch nicht mehr auf die sterilen Büroblocks am Infinite Loop in Cupertino. Nun schweift sein Blick über die Promenade am Berliner Landwehrkanal, wo alte Männer Boule spielen, junge Frauen Kinderwagen schieben und T-Shirt-Träger mit Laptop in Liegestühlen chillen.

Statt beim Konzern in Kalifornien programmiert der Technikfan jetzt bei M Cube, einem Inkubator für Geschäftsideen, untergebracht in den renovierten Backsteinhallen des ehemaligen Kreuzberger Umspannwerks.

Gleich drei Start-ups dient der stille Däne als Cheftechnologe. "Hier bin ich nicht mehr einer von Hunderten Entwicklern, die an kleinen Verbesserungen von Modulen feilen, sondern kann etwas völlig Neues aufbauen", begründet er seinen Umzug nach Deutschland.

Von Cupertino nach Berlin: Warum es Gründer nach Deutschland zieht

Aus der berühmten US-Brutstätte für Hightechfirmen ins Glasscherbenviertel der deutschen Hauptstadt - noch vor wenigen Jahren wäre ein solcher Wechsel wohl nur mit unsterblicher Liebe zu erklären gewesen. Heute aber zieht es exzellent ausgebildete Menschen aus aller Welt an die Spree, um Unternehmen zu gründen oder bei Start-ups anzuheuern.

Nicht nur Berlin lockt Gründer und Innovatoren. Auch in München, Dresden oder Regensburg entstehen reihenweise Unternehmen in Zukunftsfeldern wie Informationstechnik, Biotechnologie oder Cleantech. 879 Start-ups statteten deutsche Beteiligungsgesellschaften laut ihres Verbands BVK 2011 mit Venture Capital aus.

Damit erreichten die Zahlen zwar nicht das Niveau des Dotcom-Hype. Aber die Daten signalisieren ein erstaunliches Comeback, nachdem die Hightech-Gründungen 2001 in Deutschland quasi zum Erliegen gekommen waren.

Die neue Start-up-Welle ist nicht allein eine Folge des deutschen Aufschwungs. Auch die Rahmenbedingungen für junge Hightech-Firmen haben sich in den vergangenen Jahren entscheidend verbessert: Wohl noch nie seit der Zeit des Wirtschaftswunders der 50er Jahre hatten es unternehmungslustige Erfinder hierzulande so leicht wie heute, ihre Visionen zu kommerzialisieren.

© manager magazin 5/2012
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