Freitag, 18. Oktober 2019

Siegeszug Das rote Tuch

Supermacht: Der Siegeszug chinesischer Unternehmen
Digital-Connector

Der Solarsektor ist erst der Anfang. Branche für Branche treten chinesische Unternehmen einen Siegeszug an. manager magazin zeigt, wer sich Sorgen machen muss - und wie sich Konzerne wie SAP, Siemens oder VW wehren.

Peking, Große Halle des Volkes. 3,34 Quadratmeter blitzsaubere LCD-Technik, eine Diagonale von 2,79 Metern. Die neuen, ultramodernen 3-D-Bildschirme im Parlamentsgebäude sind nur wenige Quadratzentimeter größer als ihre Vorgänger. Doch sie symbolisieren einen gewaltigen Umbruch: Größere gibt es derzeit nicht.

TCL hat sie gefertigt, ein chinesischer Elektronikkonzern. Die vorherigen Bildschirme kamen aus Japan und waren von Panasonic Börsen-Chart zeigen . Das Signal der Tauschaktion ist klar: Wir sind jetzt Weltspitze.

Düsseldorf, Zentrale des Mobilfunkanbieters E-Plus. Lange hatte der Vorstand debattiert. Konnte man es riskieren, den Netzausbau Chinesen zu überlassen? Dann auch noch ZTE? Einem Newcomer, bekannt vor allem als billig? Aber der Neuling bot Hightech, er versprach erstklassigen Service, er unterbot - so heißt es in der Branche - die Angebote der Platzhirsche Ericsson und Nokia Siemens Networks um fast die Hälfte. Und er bekam den Zuschlag.

Das bisherige Fazit: Alles läuft rund. Dafür sorgte ZTEs Entwicklungschef persönlich. Als die Chinesen 2010 mit dem Aufbau des Netzes begannen, blieb er volle drei Monate am Rhein.

Sany: Besuch beim potenziellen Weltmarktführer

Changsha, Provinz Hunan, Zentrale des Baumaschinenherstellers Sany. Unternehmensberater Hermann Simon sah sein Weltbild erschüttert. Lkw-Chassis von Mercedes, Hydraulik von Bosch Rexroth, Steuerungen von Siemens Börsen-Chart zeigen - "Wir verwenden nur die besten Komponenten, die es auf der Welt gibt", klärte der stellvertretende Vorstandschef Xiang Wenbo den Consultant aus Deutschland auf. Mehr als 5 Prozent des Umsatzes fließen Jahr für Jahr in Forschung und Entwicklung; die Quote ließe sich auch in Deutschland sehen. Simon musste anerkennen: Er besuchte einen potenziellen Weltmarktführer.

Flachbildschirme, Mobilfunktechnik, Baumaschinen; genauso könnte man auch Züge, Hightechhandys oder Solarzellen nennen. Die Zeiten, in denen China für westliche Konzerne die verlängerte Werkbank war und gleichzeitig der größte Nachfrager, sind vorbei.

Es waren goldene Jahre. Gerade Deutsche scheffelten mit ihren Spitzenbranchen wie Maschinenbau, Autoindustrie und Spezialchemie Hunderte Millionen Euro, erzielten häufig sogar Milliardengewinne. In der Rezession der Jahre 2008 und 2009 wurde China für viele Unternehmen zum Rettungsanker. Rund 1,5 Billionen Euro Konjunkturhilfe verordnete der Staat und ließ das Wirtschaftswachstum so inmitten des weltweiten Niedergangs nicht unter 9 Prozent sinken. Die angeschlagenen Westkonzerne waren dankbar.

Sicher, die Chinesen galten stets auch als gefährliche Partner. Schließlich, so klagten Westkonzerne, kopierten sie Spitzentechnik. Es gab keine Rechtssicherheit. Aber das Risiko, technologisch eingeholt zu werden, schien begrenzt.

© manager magazin 5/2012
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