Mittwoch, 23. Oktober 2019

PepsiCo Indras letzte Runde

Umbauversuch bei PepsiCo: Niederlage im Cola-Krieg
AFP

5. Teil: Rückkehr zum Kerngeschäft, Abbau von 8700 Stellen

Das Werbebudget wird aufgestockt, liegt aber, gemessen am Umsatz, weiter unter den früheren Reklameausgaben.

Demnächst will der Konzern erstmals eine globale Werbekampagne für Pepsi-Cola starten. Eine naheliegende Idee, die Nooyis Strategen aber offenbar erst jetzt gekommen ist. Immerhin: Der Konzern wählte ein für Pepsi-Verhältnisse erstaunlich provokantes Testimonial aus. Ließ der Konzern früher Britney Spears in seinen Werbefilmchen trällern, soll nun die US-Rapperin Nicki Minaj ("Stupid Hoe") für Pepsi sprechsingen.

Mit schnellen Erfolgen rechnet keiner, nicht einmal PepsiCo selbst. 2012 bezeichnet das Unternehmen als "Übergangsjahr".

In den kommenden Monaten steht Pepsi neben der Rückkehr zum Kerngeschäft ein schmerzhafter Umbau bevor. 8700 Stellen sollen wegfallen, Doppelstrukturen reduziert, überflüssige Vertriebszentren geschlossen werden.

Bislang werkeln in der komplexen Matrix-Organisation diverse Regionen und Produkteinheiten recht eigenständig nebeneinander her. Behördenartige Strukturen lähmen die Innovationskraft. Künftig soll der neu ernannte Präsident Compton alle Einheiten koordinieren und weitere Sparpotenziale ausloten. Die Radikallösung, eine Zerschlagung des Konzerns, wurde vorerst verworfen.

Doch reicht die Light-Reform aus, um Pepsi wieder Pepp zu verleihen?

Aktionäre quittieren den - überfälligen - Wandel bei Pepsi mit allenfalls verhaltenem Beifall. "Wir haben viele Jahre der Enttäuschung mit dem Unternehmen und seinem Management erlebt", sagt US-Analyst Dibadj, "es braucht Zeit, bis das Vertrauen wiederhergestellt ist."

Investoren fordern Aufteilung nach Sparten oder Regionen

Gelingt es der Führung nicht, das Kerngeschäft zu stärken, dürften Investoren erneut die Aufteilung von PepsiCo fordern: entweder nach Sparten (Getränke/Snacks) oder Regionen (Amerika/International). "Die Spaltung ist noch nicht endgültig vom Tisch", vermutet ein New Yorker Investmentprofi, "man will die Entscheidung jedoch einem künftigen CEO überlassen."

Zwar betont PepsiCo, Nooyi bleibe "fest am Steuer". Doch die Nachfolgedebatte läuft schon. Zu den internen Favoriten zählen neben Präsident Compton der neue US-Lebensmittelchef Brian Cornell sowie Europa-Vorstand Abdalla. "Wir verfügen über viele Optionen", sagt Abdalla sibyllinisch.

Der Neue könnte auch von außen kommen. Mancher Pepsi-Manager hofft auf ein Comeback des Mannes, der Pepsi nach dem Machtkampf mit Nooyi verlassen hatte: Ex-Auslandschef Michael White, heute CEO des Pay-TV-Anbieters DirecTV. Auf Nachfrage teilt er mit: "Ich habe meine Zeit bei Pepsi genossen."

Längst kursiert in New York und dem nahe gelegenen PepsiCo-Hauptsitz Purchase das Gerücht, Nooyi sehe sich nach einem neuen Job um. Vor Jahren soll US-Präsident Barack Obama ihr bereits den Posten der Handelsministerin angeboten haben. Später berichteten indische Medien, der Großindustrielle Ratan Tata aus Mumbai habe sie für die Führung seiner Tata Group gewinnen wollen.

Unstrittig ist, dass die Pepsi-Chefin auf der US-Shortlist für den Präsidentenjob bei der Weltbank stand. Den Zuschlag erhielt ein anderer, doch Nooyi bleibt im Gespräch für politische Topämter.

Ihre steile Karriere hat einen Dämpfer erhalten, ist aber längst nicht beendet.

Zum Abschluss ihres Auftritts im Wirtschaftsklub von Grand Rapids zitiert die Pepsi-Chefin Henry Ford: "Wir müssen lernen, dass die Rückschläge, die wir erleiden, uns in unserem Fortkommen helfen."

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