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Neuer RWE-Chef: Die Her­aus­for­de­run­gen für Peter Terium

Foto: Lars Baron/ Getty Images

Neuer Chef Peter Terium RWE vor der hausinternen Energiewende

Anfang Juli tritt Peter Terium den Chefjob beim abgedimmten Energiekonzern an. Der Niederländer gilt als nüchterner Zahlenfreak. Wie passt dieses Image zu seinem Talent, süffige Geschichten zu erzählen? Annäherung an das "MysTerium".

Essen - Die ersten Schritte fallen schwer heute. An der rechten kleinen Zehe hat sich Peter Terium (48) eine Blase gelaufen. Auf dem Cross-Trainer. Weil er die Turnschuhe vergessen hatte und trotzdem eine Stunde trainieren wollte. Manchmal muss man Pläne halt durchziehen, auch wenn es schmerzt. Genau diesen Schluss legt diese Episode nahe. Vielleicht hat er sie deshalb auch - beiläufig - erzählt.

Jetzt lässt sich der fußkränkelnde künftige RWE-Chef (ab 1. Juli, null Uhr) erst einmal zur Tochtergesellschaft Innogy fahren, in der das Geschäft mit erneuerbaren Energien, also die Zukunft des Konzerns, steckt. Dabei liegt sein Büro am Essener Opernplatz nur wenige Hundert Meter entfernt. Sicher, das ist nicht der ideale CO2-Footprint, aber, wie gesagt: die Zehe, die Blase.

Die 1500 Beschäftigten für Wind, Wasser und Co. sorgen sich, dass sie beim fälligen Umbau des Konzerns schlecht wegkommen, Kompetenzen verlieren, Teile anderen RWE-Firmen zugeschlagen werden. Terium will ihnen diese Ängste nehmen, mit einer Mischung aus Lockerheit und Verbindlichkeit.

Sein Outfit (gepunktete gelbe Krawatte, blaues Hemd, grauer Anzug) passt zu diesem sensiblen Vorhaben. Runde Gesichtszüge, dünnes, leicht ergrautes Haar und braune, warme Augen: Furcht flößt er nicht ein. Als "zacht zout" (weich und salzig) würde man ihn wohl im stets gut sortierten Lakritzfachhandel des Nachbarlandes eintüten.

Der Eindruck des Beta-Männchens verdichtet sich, wenn sein niederländischer Akzent durchscheint und er "internationalerch", "Produxion" oder "öpstream" statt "upstream" sagt.

Taugt so einer für die Führung eines Konzerns, der vielschichtiger kaum sein kann? Mit politisch geleiteten Kommunen als Großaktionär, Kunde und Wettbewerber. Mit konkurrierenden Gewerkschaften (Verdi, IG BCE). In einem feindlichen Umfeld von Atomausstieg, staatlicher Gängelung und knüppelhartem Daseinskampf. Wo sich existenzielle Fragen stellen wie die nach einem neuen Geschäftsmodell, nach einer revolutionierten Arbeits- und Denkweise. Kann er integrieren, ohne intrigieren zu können?

"Ich schaffe es, Brücken zu bauen"

"Ich schaffe es, Brücken zu bauen, kulturelle und persönliche", sagt er. Heute geht es um virtuelle. In einer Web-Konferenz stellt er sich den Fragen der Mitarbeiter. Heiß ist es in dem Übertragungsraum voller Computer und Aufzeichnungsgeräte. Terium hat ein Glas Wasser vor sich, dreht eine Papierkrampe zwischen den Fingern, legt sie weg, holt sie sich wieder.

Die Anspannung weicht, als das erste Statement über den Bildschirm flimmert. "Welcome back", sülzt ein Internetter, "endlich ein Mann mit Format" an der RWE-Spitze. Mannomann, das ging runter wie Frittenöl. Ja, was soll einer darauf entgegnen? Außer: Er freue sich, von seinem Chefposten bei der niederländischen RWE-Tochter Essent zurück zu sein in Essen. Und: "sechs Flaschen Rotwein für Sie". Derlei lässt sich leicht zusagen, die Redebeiträge sind anonym, aus Datenschutzgründen und um Hemmungen abzubauen.

Terium lobt Innogy als "Speedboat" neben dem Schlachtschiff RWE , erwartet für 2014 stattliche 500 Millionen Euro Ergebnisbeitrag (Stand: 181 Millionen). Er glänzt mit Fachwissen, preist die Vorzüge von Offshore-Windanlagen ("Das kann kein Finanzjongleur"), fächert Investitionen auf und bemüht einen Ausspruch von Vorvorgänger Harry Roels: "Verdient euch das Recht zu wachsen."

40 Fragen bleiben nach eineinhalb Stunden offen; sie werden später im Intranet beantwortet, wohlweislich präzise. "Mit Phrasen kann man Mitarbeiter nicht für sich gewinnen." Sagt er und geht, auf dem Weg zur Tür, an einem Innogy-Werbeplakat vorbei: "Jede Jeck is anders". Für Nichtkarnevalisten: Die Menschen unterscheiden sich.

Stimmt. Wie kaum ein anderes Unternehmen bevorzugt RWE mit großer Regelmäßigkeit immer einen anderen Jeckentypus, nach dem Rhythmus eines CEO-Gezeitenkraftwerks. Auf den Juristen Dietmar Kuhnt (1995 bis 2003), der für die rauen Zeiten der Liberalisierung als zu bieder, zu national erschien, folgte der Shell-Manager Roels (2003 bis September 2007), der gute Zahlen hinterließ, aber als zu unkommunikativ und zu wenig visionär galt. Ihn ersetzte Jürgen Großmann (60), eben jener charismatische Selfmademan, der sich als PR-Genie und Vorwärtsdenker erwies, gleichzeitig aber als poltrig und unstet. Nun sehnen sich die RWEler, wieder einmal, nach Ruhe, nach Sachlichkeit - puuh.

Terium steht für den Siegeszug des Controllings

Und so rückt Peter Terium, der im niederländischen Finanzamt das Steuerprüfen gelernt hat, an die Spitze. Einer, der seine Konzepte längst in diversen Schubladen abgelegt hat (seit seiner Bestellung im August). Einer, der bei der Bilanzpräsentation Anfang März bereits so abgespannt aussieht, so zerknirscht und zerknautscht, als hätte er jede anno 2011 verkaufte Kilowattstunde noch einmal nachgerechnet.

Terium steht für den Siegeszug des Controllings bei den Energiemultis. Zu seligen Zeiten der Gebietsmonopole Ende der 90er brauchte man keine Leute, die über die Wirtschaftlichkeit wachten.

Als sich die Märkte zunächst für Strom und später Gas mehr und mehr öffneten, die Betriebsergebnisse einbrachen, hielten die Zahlenapostel Einzug in die Führungsetagen. Auch bei RWE  sind viele Berufsangehörige schnell steil aufgestiegen. Der Kollege Terium, der das Konzerncontrolling zweieinhalb Jahre geleitet hatte, schaffte es bis ganz nach oben.

Dort, im 25. Stock des rund gebauten Konzernturms (Großmann: "Prinzenrolle"), wird die Luft dünn und der Keks bröckelig. Der Höhepunkt seiner Karriere? Eine "Riesenehre" sei das, keine Frage, sagt Peter Terium. Aber Gipfel? "Den habe ich erst erreicht, wenn ich über fünf bis zehn Jahre einen erfolgreichen Job gemacht habe."

Terium muss dabei - das Wort benutzt er gern - in den "Spagat" gehen: geringere Erlöse (im Gefolge des Atomausstiegs) bei steigenden Investitionen, vor allem in erneuerbare Energien (siehe auch Fotostrecke).

Mit Quotienten ist ihm schwer beizukommen. Zu überlegen ist er in dieser Disziplin. Mathematik, Analyse, Logik - das waren seine Lieblingsfächer. Etwas rasch aufnehmen und verstehen, ohne es auswendig lernen zu müssen. "Ich hatte ein Talent für Zahlen, war aber faul."

Überlegen in Mathematik, Analyse, Logik

Gleichwohl hat er sich durchgesetzt, gegen eine Handvoll interner Konkurrenten. Als "Überraschungskandidaten" feierte ihn die Presse. Für Manfred Schneider (73), der als RWE-Aufsichtsratsvorsitzender den Neuen ausgesucht hatte, war es kein großes Mirakel. Der frühere Bayer-Chef, auch dort ist er Oberkontrolleur, hatte zuvor kräftig an seinen Benelux-Drähten gezogen. Beim niederländischen Unternehmerverband hatte er recherchiert, sich in der Chemiebranche umgehört nach jenem Peter Terium (sodass die Befragten irrtümlich dachten, er wolle einen Bayer-Posten besetzen). Und sich dann früh festgelegt.

Die anderen Aspiranten hatten aus Sicht der RWE-Aufseher Defizite. Vorstand Rolf Martin Schmitz (54), der Favorit der Kommunen, für die operative Steuerung zuständig: kein internationaler Background. Vorstand Leonhard Birnbaum (45), der Favorit Jürgen Großmanns, verantwortlich für die kommerzielle Steuerung: zu wenig operative Erfahrung. Nach "intensiven Diskussionen", wie Schneider den Findungsprozess süffisant umschreibt, setzte er Terium im Aufsichtsrat durch. Tatsächlich hatte es zuvor intensiven Streit mit den Schmitz-Befürwortern gegeben; Debattenpartner wollen gar eine knallige Rücktrittsdrohung Schneiders vernommen haben.

So dialektisch denkt der Erwählte, dass er sich selbst als die "auf den ersten Blick gewagtere" Lösung bezeichnet, aber gleichzeitig recht gut begründen kann, warum er der am besten Geeignete ist. Als 2004 die marode Umweltsparte verkauft werden sollte, hat der damalige RWE-Finanzvorstand Klaus Sturany, der schlechten Zahlen überdrüssig, seinen Chefcontroller ins M&A-Team abgeordnet; die Sache ging dann zügig voran. Als Anführer der Handelstochter band er schon 2005 gegen heftige interne Widerstände das Gasgeschäft ein - eine Idee, die Erzkonkurrent Eon erst Jahre später kam.

Und als RWE den niederländischen Energieversorger Essent (viel zu teuer) kaufte, war klar, wer den Laden leiten sollte: Peter Terium. Ohne große Nebengeräusche führte der Niederländer, der aus der deutschen Kälte kam, die neue Firma in den Konzern, baute Ressentiments und, ja, auch Jobs ab.

Warum er hier wie dort Erfolg hatte? Vielleicht weil er ein Grenzgänger ist, eine Art binationaler Hybrid, und das seit frühester Kindheit.

Konventionen sind ihm ein Gräuel

Im limburgischen Nederweert-Eind wuchs Terium auf, ein katholisches Kirchdorf im Südosten der calvinistisch geprägten Niederlande. Man muss den Nordkanal queren, um in den Ort zu gelangen. Eine Texaco-Tankstelle (samt angeschlossener Nissan-Vertretung), eine Schlachterei (100 Gramm Hühnchenschnitzel für 90 Cent), Bauernhöfe, Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten, eine saubere, verkehrsberuhigte Idylle mit unvermeidlichem "Let op! Drempels"-Warnschild: "Achtung, Hubbel". Damit auch ja keiner abhebt. Falls denn jemand auf diese irrwitzige Idee käme in dieser bodenständigen Abgeschiedenheit.

Hier startet die Nordkanal-Fahrradroute, die bis nach Neuss verläuft, 50 Kilometer auf niederländischem, 70 Kilometer auf deutschem Gebiet. Man ist näher an Duisburg als an Rotterdam.

Die breitschultrige St.-Gerardus-Kirche dominiert den Ortskern, die Glocke scheppert hell. Grundschule, Friseursalon, Kunsthandlung. Daneben "Smolenaers Café Zaal", rechts die Dart-Scheibe, links der mit beigefarbenem Plastik abgedeckte Billardtisch. Und natürlich kennt der Wirt "den Peter". Denn: "Jeder kennt hier jeden." Und: Jeder spielt und singt mit jedem. In 45 Vereinen für 1600 Einwohner, allein 5 widmen sich der Sangeskunst.

Man spricht einen lokalen Dialekt; Niederländisch war für Peter Terium die erste Fremdsprache. Deutsch kannte er von der "Sendung mit der Maus". Wenn die Mutter gegen 17 Uhr Kartoffeln schälte, setzte sie ihn vors TV. Die über Antenne zu empfangenden Holland-Kanäle strahlten erst nach 18 Uhr aus. Die Großeltern waren Bauern, der Vater hat sich bei Philips zum Schichtleiter hochgearbeitet und dort 38 Jahre geschafft. Peter, dem Ältesten (es gibt noch zwei Schwestern), ging die Schule leicht von der Hand. Er musste schon in jungen Jahren in der Landwirtschaft aushelfen. Trödeln und Tagträumen war da nicht drin. Das stete Streben nach Effizienz: "Wie kriege ich etwas schneller hin?"

Er kann und will nicht segeln

"Jetzt mal kurz gehüpft" - mit diesem Intro rafft er Langatmiges. Wie den eigenen Karriereweg: mit 17 vom Gymnasium, Ausbildung im Finanzamt, Abteilung Prüfung von Großunternehmen ("die Elitetruppe"), berufsbegleitendes Studium (Wirtschaft, Recht), 5 Jahre Wirtschaftsprüfer bei KPMG, 13 Jahre in diversen Managementpositionen beim Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca. Und ab 2003 eben RWE.

Der Heimat blieb er in all den Jahren verbunden. Seine Frau, eine Brasilianerin, wohnt noch in der Stadt Weert, nicht weit vom Haus seiner Eltern. Die beiden Kinder sind wochentags in einem Internat in der Nähe des Ijsselmeers. Am Wochenende kommen möglichst alle zusammen, mal in Weert, mal in Teriums neuer Unterkunft in Mülheim an der Ruhr - die hat ihm Jürgen Großmann abgetreten.

Es ist die dörfliche Gemeinschaft, die enge persönliche Beziehung, das Vereinsleben, das ihn geprägt und geerdet hat. Konventionen sind ihm ein Gräuel.

Nein, er kann und will nicht segeln (hat mit 14 zum ersten Mal das Meer gesehen). Er kann und will nicht jagen. Er spielte Billard und fühlte sich gut. Und 16 Jahre Fußball. Für den Sturm war er zu langsam, für die Abwehr nicht hart genug, so blieb das Mittelfeld: die Bälle verteilen und nach hinten sichern.

Chief Enabling Officer: Die Leute an die richtige Stelle setzen

So ähnlich denkt er sich seine Rolle bei RWE. CEO heißt für ihn "Chief Enabling Officer". Will sagen: die Organisation mobilisieren, Leute an die richtige Stelle setzen, Vertrauen geben, Rücken freihalten. Auch mal eigene Ideen und Visionen einspeisen. Aber: "Wenn ein Unternehmen auf die Visionen eines Einzelnen angewiesen ist", so Terium, "dann ist das ein armes Unternehmen."

Er braucht keine Hausmacht, kennt nach zehn Jahren RWE-Zugehörigkeit ohnehin viele Leute. Und ein Kabinett aus Vertrauten würde mehr schaden als nützen. Er darf keine Fraktionen bedienen. "Wer alte Zöpfe abschneidet, muss unabhängig und unbestechlich sein", sagt einer, der sein Wirken seit Langem beobachtet. "Sonst ist die Glaubwürdigkeit perdu."

Die Leute richten sich schon nach ihm aus wie Kollektoren nach der Sonne. Gebannt führen sie sich vor Augen, wie Terium bei Essent vorgegangen ist. Was kann man daraus für RWE ableiten? Immerhin will der neue Chef zu den bisherigen 1,5 Milliarden Euro eine weitere Milliarde jährlich an Kosten sparen.

Entscheidend wird sein, ob es ihm gelingt, den Vorstand als Team zu führen. Anders als Großmann, der seinen patriarchalischen Stil nie ablegen konnte. Der viele Sachen an- und wieder umgestoßen oder nicht zu Ende verfolgt hat. Der Detailarbeit wenig abgewinnen kann ("zu viel Bückware", hämen RWEler).

Schlüsselstellung für den Vize Rolf Martin Schmitz

Eine Schlüsselstellung kommt Rolf Martin Schmitz zu, der mit dem Vizechefposten abgefunden wurde. Der hat glänzende Verbindungen in die deutsche Energiewirtschaft und gilt als vitaler Kenner sowohl des kölschen als auch des Ruhr-Klüngels. In dieser Beziehung, das räumt er selbst ein, hat Terium noch nicht viel vorzuweisen.

Klar ist: Terium wird sich mehr um das Tagesgeschäft kümmern als sein Vorgänger. Das Ressort Konzernstrategie hat er schon übernommen; zuvor war das der Job von Vorstand Birnbaum, einem früheren McKinsey-Direktor.

Und die große Politik? In Brüssel? In Berlin? "Da arbeiten wir weiter dran", sagt Oberaufseher Schneider. Großmann hilft, etliche Termine macht Terium auch allein, wie neulich: eine Stunde mit Rösler, anderthalb Stunden mit Röttgen. Teriums Startvorteil: Er ist politisch unbelastet, gilt nicht als Überzeugungstäter, sondern als Pragmatiker. Sprich: Mit ihm kann man reden, nicht nur streiten.

"Finde deine Balance"

Überhaupt, "der Jürgen", wie ihn Terium respektvoll nennt. Der lässt ihn machen, der lässt ihn seine Agenda vorbereiten, damit er sie ab Juli sofort umsetzen kann. Hätte man nicht gedacht, dass die Übergabe so reibungsarm funktioniert (Schneider: "Viele waren skeptisch, wurden aber positiv überrascht").

Wer sie so nebeneinander sieht, den Zwei-Meter-drei-Zentner-Großmann und "den Peter", der denkt unweigerlich an: großer und kleiner Bruder. Was schätzt der Bald- am Noch-Chef?

Er muss nicht lange überlegen: "seine Spontaneität, seinen Enthusiasmus". "Wenn er etwas für richtig hält, dann ist es halt richtig, dann nimmt er keine Rücksicht, nicht auf andere, aber auch nicht auf sich selbst." Großmanns Gesundheit habe unter dessen Arbeitseinsatz gelitten, eine Tatsache, die nur unzureichend gewürdigt worden sei.

"Finde deine Balance"

Derlei Ungerechtigkeit, die mache ihn wütend, sagt er. Auch wenn Macht in falsche Hände komme, wenn Willkür das Argument ersetze, kribbele es in ihm. Dann erzählt er die Geschichte eines Ex-Chefs bei Schmalbach-Lubeca, erstes und einziges Kapitel: "der Psychopath".

Schnaubend habe der Vorstandsvorlagen mit der Schere auseinandergeschnitten und neu zusammengeklebt ("So muss das aussehen"), um das derart verunstaltete Konzept nach Wiedervorlage zu verdammen ("Was glauben Sie, was Sie sich noch alles leisten können?"). Untergebene mussten eine Stunde warten, weil sie sich um wenige Minuten verspätet hatten; dann wurden sie nach Hause geschickt. Als die Manager beim zweiten Mal überpünktlich erschienen, kam er später und maßregelte sie erneut ("Ich bezahle euch doch nicht dafür, dass ihr vor meinem Büro herumsitzt").

Nein, ein solcher Chef möchte er nie sein. Die um ihn herum sind, die sollen ihn schützen vor Exzentrik und Exzessen. Wie seine Frau, die als Lehrerin immer wieder erfahren hat: Pädagogik und Psychologie, nicht Fachwissen, machen einen guten Ausbilder aus. "Finde deine Balance", rät sie ihm.

Er weiß: Je ausgeglichener er ist, umso angenehmer wirkt er auf seine Umgebung. Und er bemüht sich, hat seine Ernährung umgestellt (kein Fleisch), meditiert, will regelmäßig Sport treiben.

Und die Turnschuhe packt er beim nächsten Mal auch ein.