Dienstag, 17. September 2019

Neuer Chef Peter Terium RWE vor der hausinternen Energiewende

Neuer RWE-Chef: Die Her­aus­for­de­run­gen für Peter Terium
DPA

5. Teil: "Finde deine Balance"

Überhaupt, "der Jürgen", wie ihn Terium respektvoll nennt. Der lässt ihn machen, der lässt ihn seine Agenda vorbereiten, damit er sie ab Juli sofort umsetzen kann. Hätte man nicht gedacht, dass die Übergabe so reibungsarm funktioniert (Schneider: "Viele waren skeptisch, wurden aber positiv überrascht").

Wer sie so nebeneinander sieht, den Zwei-Meter-drei-Zentner-Großmann und "den Peter", der denkt unweigerlich an: großer und kleiner Bruder. Was schätzt der Bald- am Noch-Chef?

Er muss nicht lange überlegen: "seine Spontaneität, seinen Enthusiasmus". "Wenn er etwas für richtig hält, dann ist es halt richtig, dann nimmt er keine Rücksicht, nicht auf andere, aber auch nicht auf sich selbst." Großmanns Gesundheit habe unter dessen Arbeitseinsatz gelitten, eine Tatsache, die nur unzureichend gewürdigt worden sei.

"Finde deine Balance"

Derlei Ungerechtigkeit, die mache ihn wütend, sagt er. Auch wenn Macht in falsche Hände komme, wenn Willkür das Argument ersetze, kribbele es in ihm. Dann erzählt er die Geschichte eines Ex-Chefs bei Schmalbach-Lubeca, erstes und einziges Kapitel: "der Psychopath".

Schnaubend habe der Vorstandsvorlagen mit der Schere auseinandergeschnitten und neu zusammengeklebt ("So muss das aussehen"), um das derart verunstaltete Konzept nach Wiedervorlage zu verdammen ("Was glauben Sie, was Sie sich noch alles leisten können?"). Untergebene mussten eine Stunde warten, weil sie sich um wenige Minuten verspätet hatten; dann wurden sie nach Hause geschickt. Als die Manager beim zweiten Mal überpünktlich erschienen, kam er später und maßregelte sie erneut ("Ich bezahle euch doch nicht dafür, dass ihr vor meinem Büro herumsitzt").

Nein, ein solcher Chef möchte er nie sein. Die um ihn herum sind, die sollen ihn schützen vor Exzentrik und Exzessen. Wie seine Frau, die als Lehrerin immer wieder erfahren hat: Pädagogik und Psychologie, nicht Fachwissen, machen einen guten Ausbilder aus. "Finde deine Balance", rät sie ihm.

Er weiß: Je ausgeglichener er ist, umso angenehmer wirkt er auf seine Umgebung. Und er bemüht sich, hat seine Ernährung umgestellt (kein Fleisch), meditiert, will regelmäßig Sport treiben.

Und die Turnschuhe packt er beim nächsten Mal auch ein.

© manager magazin 5/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung