Montag, 16. September 2019

Neuer Chef Peter Terium RWE vor der hausinternen Energiewende

Neuer RWE-Chef: Die Her­aus­for­de­run­gen für Peter Terium
DPA

4. Teil: Chief Enabling Officer: Die Leute an die richtige Stelle setzen

So ähnlich denkt er sich seine Rolle bei RWE. CEO heißt für ihn "Chief Enabling Officer". Will sagen: die Organisation mobilisieren, Leute an die richtige Stelle setzen, Vertrauen geben, Rücken freihalten. Auch mal eigene Ideen und Visionen einspeisen. Aber: "Wenn ein Unternehmen auf die Visionen eines Einzelnen angewiesen ist", so Terium, "dann ist das ein armes Unternehmen."

Er braucht keine Hausmacht, kennt nach zehn Jahren RWE-Zugehörigkeit ohnehin viele Leute. Und ein Kabinett aus Vertrauten würde mehr schaden als nützen. Er darf keine Fraktionen bedienen. "Wer alte Zöpfe abschneidet, muss unabhängig und unbestechlich sein", sagt einer, der sein Wirken seit Langem beobachtet. "Sonst ist die Glaubwürdigkeit perdu."

Die Leute richten sich schon nach ihm aus wie Kollektoren nach der Sonne. Gebannt führen sie sich vor Augen, wie Terium bei Essent vorgegangen ist. Was kann man daraus für RWE ableiten? Immerhin will der neue Chef zu den bisherigen 1,5 Milliarden Euro eine weitere Milliarde jährlich an Kosten sparen.

Entscheidend wird sein, ob es ihm gelingt, den Vorstand als Team zu führen. Anders als Großmann, der seinen patriarchalischen Stil nie ablegen konnte. Der viele Sachen an- und wieder umgestoßen oder nicht zu Ende verfolgt hat. Der Detailarbeit wenig abgewinnen kann ("zu viel Bückware", hämen RWEler).

Schlüsselstellung für den Vize Rolf Martin Schmitz

Eine Schlüsselstellung kommt Rolf Martin Schmitz zu, der mit dem Vizechefposten abgefunden wurde. Der hat glänzende Verbindungen in die deutsche Energiewirtschaft und gilt als vitaler Kenner sowohl des kölschen als auch des Ruhr-Klüngels. In dieser Beziehung, das räumt er selbst ein, hat Terium noch nicht viel vorzuweisen.

Klar ist: Terium wird sich mehr um das Tagesgeschäft kümmern als sein Vorgänger. Das Ressort Konzernstrategie hat er schon übernommen; zuvor war das der Job von Vorstand Birnbaum, einem früheren McKinsey-Direktor.

Und die große Politik? In Brüssel? In Berlin? "Da arbeiten wir weiter dran", sagt Oberaufseher Schneider. Großmann hilft, etliche Termine macht Terium auch allein, wie neulich: eine Stunde mit Rösler, anderthalb Stunden mit Röttgen. Teriums Startvorteil: Er ist politisch unbelastet, gilt nicht als Überzeugungstäter, sondern als Pragmatiker. Sprich: Mit ihm kann man reden, nicht nur streiten.

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