Donnerstag, 19. September 2019

Neuer Chef Peter Terium RWE vor der hausinternen Energiewende

Neuer RWE-Chef: Die Her­aus­for­de­run­gen für Peter Terium
DPA

3. Teil: Konventionen sind ihm ein Gräuel

Im limburgischen Nederweert-Eind wuchs Terium auf, ein katholisches Kirchdorf im Südosten der calvinistisch geprägten Niederlande. Man muss den Nordkanal queren, um in den Ort zu gelangen. Eine Texaco-Tankstelle (samt angeschlossener Nissan-Vertretung), eine Schlachterei (100 Gramm Hühnchenschnitzel für 90 Cent), Bauernhöfe, Einfamilienhäuser mit gepflegten Vorgärten, eine saubere, verkehrsberuhigte Idylle mit unvermeidlichem "Let op! Drempels"-Warnschild: "Achtung, Hubbel". Damit auch ja keiner abhebt. Falls denn jemand auf diese irrwitzige Idee käme in dieser bodenständigen Abgeschiedenheit.

Hier startet die Nordkanal-Fahrradroute, die bis nach Neuss verläuft, 50 Kilometer auf niederländischem, 70 Kilometer auf deutschem Gebiet. Man ist näher an Duisburg als an Rotterdam.

Die breitschultrige St.-Gerardus-Kirche dominiert den Ortskern, die Glocke scheppert hell. Grundschule, Friseursalon, Kunsthandlung. Daneben "Smolenaers Café Zaal", rechts die Dart-Scheibe, links der mit beigefarbenem Plastik abgedeckte Billardtisch. Und natürlich kennt der Wirt "den Peter". Denn: "Jeder kennt hier jeden." Und: Jeder spielt und singt mit jedem. In 45 Vereinen für 1600 Einwohner, allein 5 widmen sich der Sangeskunst.

Man spricht einen lokalen Dialekt; Niederländisch war für Peter Terium die erste Fremdsprache. Deutsch kannte er von der "Sendung mit der Maus". Wenn die Mutter gegen 17 Uhr Kartoffeln schälte, setzte sie ihn vors TV. Die über Antenne zu empfangenden Holland-Kanäle strahlten erst nach 18 Uhr aus. Die Großeltern waren Bauern, der Vater hat sich bei Philips zum Schichtleiter hochgearbeitet und dort 38 Jahre geschafft. Peter, dem Ältesten (es gibt noch zwei Schwestern), ging die Schule leicht von der Hand. Er musste schon in jungen Jahren in der Landwirtschaft aushelfen. Trödeln und Tagträumen war da nicht drin. Das stete Streben nach Effizienz: "Wie kriege ich etwas schneller hin?"

Er kann und will nicht segeln

"Jetzt mal kurz gehüpft" - mit diesem Intro rafft er Langatmiges. Wie den eigenen Karriereweg: mit 17 vom Gymnasium, Ausbildung im Finanzamt, Abteilung Prüfung von Großunternehmen ("die Elitetruppe"), berufsbegleitendes Studium (Wirtschaft, Recht), 5 Jahre Wirtschaftsprüfer bei KPMG, 13 Jahre in diversen Managementpositionen beim Verpackungshersteller Schmalbach-Lubeca. Und ab 2003 eben RWE.

Der Heimat blieb er in all den Jahren verbunden. Seine Frau, eine Brasilianerin, wohnt noch in der Stadt Weert, nicht weit vom Haus seiner Eltern. Die beiden Kinder sind wochentags in einem Internat in der Nähe des Ijsselmeers. Am Wochenende kommen möglichst alle zusammen, mal in Weert, mal in Teriums neuer Unterkunft in Mülheim an der Ruhr - die hat ihm Jürgen Großmann abgetreten.

Es ist die dörfliche Gemeinschaft, die enge persönliche Beziehung, das Vereinsleben, das ihn geprägt und geerdet hat. Konventionen sind ihm ein Gräuel.

Nein, er kann und will nicht segeln (hat mit 14 zum ersten Mal das Meer gesehen). Er kann und will nicht jagen. Er spielte Billard und fühlte sich gut. Und 16 Jahre Fußball. Für den Sturm war er zu langsam, für die Abwehr nicht hart genug, so blieb das Mittelfeld: die Bälle verteilen und nach hinten sichern.

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