Mittwoch, 27. Mai 2020

Griechenland Hellas' Hoffnungsträger

Griechenland: Wie Unternehmer und Investoren über Hellas denken
AP

Am 17. Juni wird in Griechenland erneut gewählt. Es wird eine Schicksalswahl und ein möglicher Abschied vom Euro. manager magazin bat griechische Topmanager zum Gespräch - und förderte erstaunliche Einsichten zutage.

Athen - Wenn es einen Ort gibt in der griechischen Hauptstadt, an dem das Drama des Niedergangs ganz weit weg scheint, dann das "Hotel Grande Bretagne". Wohl nirgendwo sonst ist der Blick auf die nahe Akropolis so überwältigend wie vom Dachgarten des 1874 eröffneten Prachtbaus. Die Klaviermusik ist dezent, der Service aufmerksam, das Essen vorzüglich. Es ist ein Ort, an dem große Deals ihren Anfang nehmen, Firmen fusioniert und Allianzen geschmiedet werden. Oder einfach nur gefeiert wird.

In besseren Zeiten zumindest.

Heute lässt Athanasios Laskaridis den Blick von einem Tisch zum nächsten wandern. Die meisten sind leer. Ein paar japanische Touristen, wenige einheimische Geschäftsleute. Der Reeder hat das Hotel am Athener Syntagma-Platz vor einigen Jahren gekauft, damals, als Griechenland noch glaubte, mit dem Beitritt zum Euro den Aufstieg in die Spitzenliga der Wirtschaftsnationen geschafft zu haben.

Ein Gefühl wie aus einer anderen Epoche. Seit gegenüber, vor dem griechischen Parlament, Steine und Brandsätze fliegen, haben sich die Umsätze des "Grande Bretagne" halbiert.

"Dem Land bleibt nur noch wenig Zeit"

Nun sitzt Laskaridis in seinem Dachgarten und sagt Sätze wie diesen: "Den Luxus zu diskutieren werden wir uns nicht mehr lange leisten können." Dem Land bleibe nur noch wenig Zeit. Sonst werde die Lage eskalieren. Was will er damit sagen? Dass der Zerfall der zivilen Ordnung drohe? Wer wisse schon, was die Zukunft bringe, brummt der Reeder mit düsterem Blick.

Die Runde, die sich an diesem Freitag im März in Athens bestem Hotel zusammengefunden hat, ist hochkarätig besetzt. Sechs Unternehmer, Banker und Topmanager sind der Einladung von manager magazin gefolgt, darüber zu diskutieren, wie sich die Hellenen aus ihrer Notlage befreien können.

Die Stimmung ist angespannt, schwankt zwischen Resignation ("Unsere Banken sind am Ende, da gibt es keine Hoffnung mehr") und Kampfgeist ("Die Griechen haben schon ganz andere Krisen gemeistert").

Die Wirtschaftselite weiß, dass sie mit ihren Unternehmen, ihren Immobilien, ihrem Grundbesitz an das Land gefesselt ist. Ende dieses Jahres wird die Rezession ein Fünftel der Wirtschaftskraft ausgelöscht haben - wenn nicht bald die Wende kommt, ist es womöglich zu spät.

Doch was tun?

© manager magazin 5/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung