Samstag, 23. November 2019

Euro-Schuldenkrise Der goldene Schulden-Schnitt

Euro-Schuldenkrise: Der Rettungsplan der Experten
AP

9. Teil: Entschuldung: Deutschland müsste entsprechend mehr zahlen

Nach dem Modell des Sachverständigenrats haften alle Euro-Staaten gemeinsam für den Schuldenfonds. Jeder Staat verpflichtet sich, seinen eigenen Anteil zu bedienen und zu tilgen. Zusätzlich bräuchten die Problemländer Geldtransfusionen aus den europäischen Gemeinschaftskassen, um zurück auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad zu gelangen.

Deutschland müsste entsprechend mehr zahlen. "Erst nach einem solchen Schritt könnten die Krisenstaaten das Hauptproblem effektiv angehen: die schwache Wettbewerbsfähigkeit", sagt BCG-Mann Stelter.

Es bleiben drei Fragen: Wäre dieses Entschuldungsmodell politisch durchsetzbar? Ist es rechtlich realisierbar? Und: Was passiert, falls Europa sich nicht zu diesem Kraftakt aufraffen kann?

Niedrige Zinsen, kontrollierte Inflation

Was die Akzeptanz der Bürger betrifft, so kommt es entscheidend darauf an, "wer am Ende die Kosten trägt", meint Stelter. Neben Steuererhöhungen sieht sein Modell Maßnahmen der "Financial Repression" vor, eine Mischung aus kontrollierter Inflation und künstlich niedrig gehaltenen Zinsen.

Damit ist er in guter Gesellschaft: Viele Ökonomen würdigen inzwischen die Rolle der finanziellen Repression bei der Entschuldung in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dabei werden die Schulden mithilfe rigider Regulierung allmählich abgebaut. Banken, Versicherungen und Pensionsfonds könnten etwa gezwungen werden, niedrig verzinste Anleihen des Euro-Tilgungsfonds zu halten. Liegen die Wachstumsraten der Wirtschaft und des Preisniveaus zusammengenommen höher als der Zinssatz, sinkt die Schuldenquote.

Stelter hat ein politisches Menü zusammengestellt: Danach können Regierungen aus einem politisch genehmen Mix von Steuererhöhungen und finanzieller Repression auswählen

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