Montag, 18. November 2019

Euro-Schuldenkrise Der goldene Schulden-Schnitt

Euro-Schuldenkrise: Der Rettungsplan der Experten
AP

8. Teil: Private Schulden werden durch staatliche ersetzt

"Die Hälfte des Bankensystems braucht eine neue Restrukturierungsrunde", sagt Guindos. Die Geldhäuser sollen saniert und zu größeren Einheiten fusioniert werden. Am Ende dürften nicht mehr als sechs international konkurrenzfähige Institute stehen.

De Guindos wird kaum etwas anderes übrig bleiben, als die Banken zu zwingen, faule Firmen- und Hypothekenkredite in Milliardenhöhe aus ihren Bilanzen zu tilgen. Die Folge: Er wird selbst in großem Stil neue Schulden aufnehmen müssen, um seine Banken wieder mit ausreichend Kapital zu versorgen.

Erneut das typische Muster: Alte private Schulden werden durch neue staatliche ersetzt. Ein Rezept, das schon beim sehr viel kleineren Irland nicht wirklich funktioniert hat.

Der bisherige Verlauf der Krise zeigt, dass sich Länder wie Portugal, Irland und Spanien mit dem klassischen Arsenal der Wirtschaftspolitik allein nicht nachhaltig aus ihrer Misere befreien können. Den Berechnungen der BCG-Experten zufolge ist der sicherste Weg aus der Krise ein geordneter Neustart. Und der ist nur mit massiven Kapitaltransfers aus den starken Euro-Staaten zu haben.

Geordneter Neustart ist nur mit massiven Kapitaltransfers zu haben

Akzeptiert wird ein solcher paneuropäischer Solidarpakt von den Steuerzahlern der Geberländer aber wohl nur, wenn die Krisenländer zuvor einen Kassensturz hinter sich bringen und sich von ihren verbliebenen Firmenbeteiligungen und Staatskonzernen trennen.

"Warum sollte es Staaten anders ergehen als Unternehmen, die sich durch hohe Schulden und riskante Investments selbst in Schwierigkeiten gebracht haben?", argumentiert Fresenius-Finanzchef Stephan Sturm.

Seit 2005 hat er für das Bad Homburger Medizinunternehmen vier milliardenschwere Übernahmen gestemmt. Das Geld dafür hat er sich bei Banken geliehen und auf den Anleihemärkten eingesammelt. Fresenius hat seine Kredite stets nach Plan getilgt. Wenn eine große Akquisition schiefgeht, "dann muss ein Unternehmen eben daran arbeiten, die Übernahme operativ doch noch zum Erfolg zu führen oder sich notfalls von nicht betriebsnotwendigen Assets trennen", sagt Sturm.

Schuldenabbau durch Bilanzverkürzung nennen die Betriebswirte diesen Prozess. Aber das reicht nicht. Damit Euro-Land seine Überschussverschuldung geordnet abbauen kann, braucht es Elemente der europäischen Solidarität. Aus ökonomischer Sicht ist es geboten, die Überschussschulden in einem Tilgungsfonds zu poolen. Nur so lassen sich die Zinslasten senken.

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