Montag, 18. November 2019

Euro-Schuldenkrise Der goldene Schulden-Schnitt

Euro-Schuldenkrise: Der Rettungsplan der Experten
AP

6. Teil: Irland: Harte Schnitte allein reichen nicht

Wenn aber die Wirtschaftsleistung weiter sinkt, steigen fast zwangsläufig auch die Staatsschulden. Weitere Sparpakete werden folgen. Statt auf Wachstum umzuschwenken, wird Italiens Industrie- und Dienstleistungssektor von erneut sinkenden Umsätzen und Gewinnen bedroht.

Was jetzt noch wie eine leicht beherrschbare Konjunkturschwäche wirkt, kann sich rasch als Beginn einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale herausstellen.

Dass harte Schnitte allein nicht reichen, zeigt das Beispiel Irland. Seit EU, EZB und IWF das Land im Herbst 2010 mit 67,5 Milliarden Euro vor dem Staatsbankrott gerettet haben, war die irische Regierung so etwas wie das Vorbild in Sachen Kürzen, Sparen und Verzichten.

Wie aus privaten Schulden öffentliche Schulden werden

Der Job des obersten Krisenmanagers lastet seit gut einem Jahr auf einem 68jährigen pensionierten Lehrer. Hunderte von Millionen hat Finanzminister Michael Noonan aus der staatlichen Gesundheitsvorsorge herausgeschnitten, die Gehälter im öffentlichen Dienst im Schnitt um 14 Prozent gedrückt und die Umsatzsteuer auf 23 Prozent angehoben. Er hat bei den maroden Banken des Landes rigoros aufgeräumt und die überlebensfähigen Geldhäuser mit frischem Kapital ausgestattet.

Erreicht hat er immerhin, dass Irlands Wirtschaft voriges Jahr wieder um 0,9 Prozent wuchs. Zu einem hohen Preis: Die Gesundung des Landes hängt allein an der Exportindustrie. Die Binnenwirtschaft steckt noch immer tief in der Depression, in die das Land nach dem Ausbruch der Finanzkrise fiel. Um 14 Prozent sackte das BIP seit 2007 ab, der private Konsum ging um 13 Prozent zurück, die Investitionsquote der privaten Haushalte brach zu 75 Prozent weg.

In Irland lässt sich beobachten, wie aus privaten Schulden öffentliche werden. Seit 2007 hat sich die Staatsverschuldung um den Faktor vier erhöht - von 25 Prozent auf mehr als 100 Prozent des BIP. Trotz aller Rettungsgelder: Die Last wächst weiter. "2013 werden wir zwischen 114 und 118 Prozent landen", sagt der Finanzminister und findet diese Größenordnung "durchaus beherrschbar".

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