Dienstag, 12. November 2019

Euro-Schuldenkrise Der goldene Schulden-Schnitt

Euro-Schuldenkrise: Der Rettungsplan der Experten
AP

5. Teil: Italien: Montis harte Schnitte - und eine trügerische Ruhe

Bettina Corves-Wunderer hat das Auf und Ab selbst durchlebt. Der Takt, mit dem die Managerin das Geld ihrer Kunden auf den Kapitalmärkten unterbringt, gehorcht seit dem Frühjahr vergangenen Jahres dem Rhythmus der europäischen Krisendiplomatie.

Die Deutsche mit strenger Frisur, randloser Brille und einer Vorliebe für klassische Kostüme managt die Finanzen im italienischen Hauptquartier der Allianz Börsen-Chart zeigen an der Triester Largo Ugo Irneri. 54 Milliarden Euro verwaltet sie, ein großer Teil davon ist in römischen Staatspapieren angelegt.

Mindestens einmal pro Woche sitzt sie mit ihren Finanzmarktspezialisten zusammen und justiert die Strategie neu. Sie hat Risiken zurückgefahren und Verlustbringer verkauft. Im Vergleich zur Konkurrenz steht der italienische Allianz-Arm bemerkenswert stabil da.

Mit dem Ende des vergangenen Jahres haben sich die Risiken im Wertpapierportefeuille der italienischen Allianz noch einmal deutlich reduziert. Seither ist Mario Montis Expertenregierung am Ruder und fährt ein Programm der harten Schnitte.

Eine trügerische Ruhe

Angestellte mit einem Einkommen von mehr als 300.000 Euro und Rentner mit Pensionen über 90.000 Euro müssen nun mit einem Solidaritätszuschlag leben, Haus- und Wohnungsbesitzer den Wert ihrer Immobilien versteuern, und auch die Besitzer von Luxusjachten und Edellimousinen werden ihren Beitrag zur Sanierung leisten müssen.

Die Wirkung des Monti-Plans kann Allianz-Frau Corves-Wunderer gleich an zwei Indikatoren ablesen: am eigenen Gehaltszettel und an den Renditen, die sie im Moment bekommt, wenn sie das Geld ihrer Kunden in italienischen Staatspapieren anlegt.

Die Phase der Rekordzinsen ist erst mal vorbei. Rund 7,5 Prozent musste Rom noch im November zahlen, Anfang März genügten wieder Zinssätze von weniger als 5 Prozent, um sich frisches Geld zu beschaffen. Die gesunkenen Risikoprämien signalisieren einen Vertrauensvorschuss, die Märkte haben den Panikmodus verlassen. Geholfen hat auch das langfristige Liquiditätsprogramm der EZB. Vorläufig ist Ruhe eingekehrt - eine trügerische Ruhe.

Trotz schmerzhafter Schnitte: "Die nächsten beiden Jahre werden hart, aber Italien ist auf dem richtigen Weg", sagt Corves-Wunderer. Italiens Wirtschaft soll in diesem Jahr um 1,3 Prozent schrumpfen.

© manager magazin 4/2012
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