Mittwoch, 20. November 2019

Euro-Schuldenkrise Der goldene Schulden-Schnitt

Euro-Schuldenkrise: Der Rettungsplan der Experten
AP

3. Teil: Eine geordnete Lösung der Euro-Schuldenkrise ist möglich

Schon die schiere Größe des Problems ist Ehrfurcht gebietend: 7,3 Billionen Euro. So hoch taxiert das BCG-Team die "Überschussverschuldung". Soll heißen: Dieser Summe müssten sich die Euro-Volkswirtschaften entledigen, um ein tragfähiges Niveau zu erreichen.

Empirische Studien legen eine "60-60-60-Regel" nahe: Die Schulden von Staaten, Unternehmen und privaten Haushalten sollen jeweils 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht übersteigen. 180 Prozent also - bei diesem Niveau wird das Wachstum noch nicht gebremst, die Schulden lassen sich konstant halten.

180 Prozent - das ist das Ziel. Doch die Distanz ist groß. In der Euro-Zone insgesamt liegt der Wert derzeit bei rund 260 Prozent, in einigen Ländern weit darüber.

Gemeinschaftsfonds und Tilgungsplan für Überschuss-Staatsschulden

Stelters Modell greift einen Vorschlag der "Fünf Weisen" auf und entwickelt ihn weiter. Zunächst werden die Staatsschulden, die über 60 Prozent des BIP liegen, in einen Gemeinschaftsfonds überführt: rund 3,5 Billionen Euro, die nach einem Tilgungsplan zurückgezahlt werden.

Danach haben die Euro-Staaten nur noch Verbindlichkeiten von 60 Prozent des BIP. Der Effekt wäre durchschlagend: Die Zinsen der Hochschuldenländer würden drastisch sinken; neue Haushaltsspielräume würden sich auftun, die einerseits zur Tilgung, andererseits zur Investitionsförderung und zum Ausbau des Bildungssystems genutzt werden sollten.

Der Preis dafür ist der Tilgungsplan. Und der wird teuer: Um die übermäßigen Staatsschulden binnen 20 Jahren abzuzahlen, müssten die Steuern erheblich steigen. In Deutschland etwa um 1,5 Prozent des BIP, im Euro-Durchschnitt um 2 Prozent, im höchstverschuldeten Griechenland gar um mehr als 4 Prozent.

Solche Extrasteuern für den Euro über zwei Jahrzehnte durchzuhalten wäre ein politischer Kraftakt sondergleichen - selbst wenn sie überwiegend von der kleinen Gruppe der Reichen bezahlt würden, wie es kürzlich Post-Chef Frank Appel vorgeschlagen hat. Und dies ist noch der leichtere Teil.

© manager magazin 4/2012
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