Donnerstag, 14. November 2019

Euro-Schuldenkrise Der goldene Schulden-Schnitt

Euro-Schuldenkrise: Der Rettungsplan der Experten
AP

2. Teil: Schuldenkrisen führten oft zu Staatsbankrott oder Hyperinflation

Längst steht viel mehr auf dem Spiel als Geld. Den Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl, Professor an der London School of Economics, gemahnt die Abwärtsdynamik an üble Vorbilder. In der Vergangenheit hätten Schuldenkrisen häufig zu Staatsbankrott oder Hyperinflation geführt - soziale und politische Destabilisierung inklusive. Ritschl sieht denn auch "Staatskrisen" heraufziehen, die den Historiker "brennend an die späte Weimarer Republik erinnern".

Der in London lehrende Bayer ist kein notorischer Schwarzseher, sondern ein empirisch arbeitender Wissenschaftler. Düstere Sorgen treiben ihn um: "Woher wissen wir, dass es keine neue Diktatur oder einen Bürgerkrieg gibt?" Die zur Schau gestellte Selbstgewissheit der Regierenden macht Ritschl fassungslos. "Das Spiel, das wir bisher gespielt haben, führt in die Irre. Aber die Regierungen wollen das nicht wahrhaben."

Alle angepeilten Auswege haben sich bislang als Sackgassen erwiesen: Offenkundig ist es Europas Volkswirtschaften weder gelungen, sich aus der Krise herauszusparen noch aus den Schulden herauszuwachsen. Inzwischen sind die Verbindlichkeiten so gigantisch, dass sie eine fatale Eigendynamik in Gang setzen: Wegen der hohen Zinslasten haben Staaten, Bürger und Firmen immer weniger Geld zum Investieren und Konsumieren. Die Schulden selbst sind zur Wachstumsbremse geworden.

Die Schulden selbst sind Wachstumsbremse

Es ist ein Teufelskreis, wie ihn der US-Ökonom Irving Fisher bereits 1933 beschrieben hat. Die Konsequenz: Erst wenn die Schulden unter Kontrolle sind, lässt sich das zweite große Dilemma des Euro-Verbunds lösen: die auseinanderstrebende Wettbewerbsfähigkeit.

So geht es nicht weiter, so viel ist klar. Aber was kann der Ausweg sein? Welche Optionen bleiben jetzt eigentlich noch?

manager magazin hat Experten gebeten, Lösungsmöglichkeiten zu durchdenken. Mit einem Team hat Daniel Stelter, Partner der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG), die relevanten wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammengetragen und sie zu einem durchgerechneten Plan weiterentwickelt. Der Berliner Verfassungs- und Europarechtsprofessor Markus Heintzen stand als Sparringspartner zur Verfügung, ebenso Finanzprofis in Unternehmen, Ministerien und Notenbanken, die meisten wollten nicht namentlich zitiert werden.

Das Ergebnis? Eine geordnete Lösung der europäischen Schuldenkrise ist möglich - aber der Weg dorthin ist lang, kurvenreich und gepflastert mit politischen und rechtlichen Fußangeln.

© manager magazin 4/2012
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