Samstag, 21. September 2019

Frankreichs Managertraum Modèle allemand einfach herbeifusionieren

Auf den Spuren Karls des Großen: Der Traum deutsch-französischer Fusionen
AFP

5. Teil: Gemeinsame Autofirmen, Telekomanbieter, Bahnbetreiber?

Und nun neue gemeinsame Autofirmen, Telekomanbieter, Bahnbetreiber? Eurazeo-Chef Patrick Sayer (53) schüttelt den Kopf. Er führt eine der größten Beteiligungsgesellschaften Europas. Ihr Kapital von vier Milliarden Euro hat Sayer in ein Dutzend Unternehmen investiert. Die größten sind die Hotelkette Accor (530.000 Zimmer), der Autovermieter Europcar (193.000 Fahrzeuge) und der Parkhausbetreiber Apcoa (1,3 Millionen Stellplätze). Alle drei erzielen erhebliche Umsätze in Deutschland.

Statt über Visionen redet Sayer lieber über die Untiefen im Tagesgeschäft. Ihn ärgert, dass Europcar keine in Deutschland angemeldeten Autos in Frankreich vermieten darf. Und dass sich die Sicherheits- und Hygienevorschriften für Hotels in Deutschland und Frankreich erheblich unterscheiden.

All das behindert die Entwicklung seiner Firmen. "Was Deutsche und Franzosen wirklich weiterbringen würde, wäre die Verwirklichung des gemeinsamen Marktes in Europa", sagt Sayer.

Auch Frank Esser (53) hätte es gern ein bisschen kleiner. Der deutsche Chef des Mobilfunkers SFR ist einer der ganz wenigen Ausländer, die ein großes französisches Unternehmen führen. Mit 12,2 Milliarden Euro Jahresumsatz ist SFR die wichtigste Filiale des Mischkonzerns Vivendi. Bei neuen Technologien kann sich Esser deutsch-französische Kooperationen gut vorstellen, "etwa im Cloud-Bereich: Da könnte das Streben nach europäischen Champions Sinn ergeben".

Und was hielte Esser von einer Megafusion aus Deutscher Telekom und France Télécom, über die selbst deutsche Aufsichtsräte schon spekulieren (siehe mm 3/2012)? "Jedes Unternehmen muss für sich beurteilen, wo die Vorteile einer solchen Operation lägen", sagt Esser. Bange macht ihn das aber nicht.

Bruno Le Maire nippt am Orangensaft. Sein Büro ist eines der schönsten in ganz Paris. Es liegt im Parterre der Villa Villeroy, frühes 18. Jahrhundert, mit eigenem Park. Entenquaken dringt durch die angelehnte Außentür herein. Das erinnert ihn daran, dass er als Minister ja für die Landwirtschaft zuständig ist.

Aber das ist derzeit nur sein Nebenjob. Le Maire (42) ist vor allem Präsident Sarkozys Mann für Deutschland. Regelmäßig trifft er CDU-Größen wie Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Umweltminister Norbert Röttgen oder auch Generalsekretär Hermann Gröhe. Auch SPD-Spitzenleute wie Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Minister Peer Steinbrück kennt er gut.

Minister Le Maire hat noch ein sehr konkretes deutsch-französisches Fusionsprojekt im Kopf. Das Wahlprogramm seiner Partei regt auch die Schaffung eines "europäischen Schienenkonzerns mit einer kritischen Größe" an. Wollen Sie wirklich Deutsche Bahn und SNCF fusionieren, Herr Minister?

"Warum denn nicht?", entgegnet Le Maire. "Wir brauchen doch auch eine gewisse Kühnheit!"

Zum Interview mit Bruno Le Maire: "Pawlowsche Reflexe"

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