Freitag, 20. September 2019

Frankreichs Managertraum Modèle allemand einfach herbeifusionieren

Auf den Spuren Karls des Großen: Der Traum deutsch-französischer Fusionen
AFP

2. Teil: In Paris spricht man Deutsch

Also plädieren französische Führungskräfte für eine innige Umarmung alles Deutschen. Angefeuert werden sie dabei von ihrem politischen Spitzenpersonal.

Das Wahlprogramm der Präsidentenpartei UMP liest sich in weiten Teilen wie eine Agenda-2010-Rede von Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Und es fordert neue deutsch-französische "Champions" in der Industrie. Geschrieben hat das Programm Agrarminister Bruno Le Maire, ein enger Vertrauter Sarkozys und neuer Star der französischen Konservativen.

An welche Branchen er denke? Nun, sagt Le Maire, als er Europaminister war, habe er zum Beispiel eine Studiengruppe eingesetzt, die eine Annäherung von Peugeot und BMW durchdenken sollte.

Aber nun verbündet sich doch Peugeot mit General Motors Börsen-Chart zeigen statt mit BMW? Le Maire verzieht das Gesicht, das gefällt ihm gar nicht (siehe auch Interview) . Es ist eben ärgerlich, wenn Manager nicht politisch denken.

Aber es gibt ja noch andere Branchen. "Ich könnte mir zum Beispiel gut eine Kooperation zwischen Areva Börsen-Chart zeigen und Siemens Börsen-Chart zeigen in der Windkraft vorstellen", sagt Le Maire, "so könnte Europa mit den Chinesen besser konkurrieren." Dass Paris und Berlin gerade ein Grünbuch über die Harmonisierung der Unternehmensbesteuerung dies- und jenseits des Rheins verfasst haben, erwähnt er gar nicht erst.

Le Maire will mit deutsch-französischen Großprojekten Europa mitreißen, indem er die Gunst der Stunde nutzt: Selten waren die politischen Beziehungen enger, und im Januar 2013 begeht man gemeinsam den 50. Jahrestag des Elysée-Vertrags, der Grundlage der Nachkriegspartnerschaft.

In Paris gilt: Man spricht Deutsch. Der Autobauer Renault verunstaltet dafür sogar die Sprache Voltaires und wirbt für Twingo, Mégane und Laguna mit dem Slogan "Grosse Bonne Qualität".

Toptischthema bei Managern an der Seine ist derzeit ein Artikel, den der Roland-Berger-Partner Hakim El-Karoui kürzlich schrieb. Einst war der Strategieberater enger Mitarbeiter des bürgerlichen Premierministers Jean-Pierre Raffarin. Nun schlägt er seinen Landsleuten eine typische deutsche Sache vor: Einen "Koalitionsvertrag" solle Frankreich mit Deutschland schließen. Dieser solle eine gemeinsame Strategie für Europa festlegen, aber eben auch unternehmerische Annäherungen verabreden.

"Warum sollten etwa Siemens und Alstom nicht bei internationalen Ausschreibungen kooperieren?", fragt El-Karoui (40), der einst bei Rothschild das Bankgeschäft erlernte. Schließlich ergebe es wenig Sinn, wenn sich Deutsche und Franzosen in Brasilien oder China gegenseitig die Aufträge wegschnappten. "Solche Ideen sollten wir auch für andere Branchen prüfen."

© manager magazin 4/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung