Mittwoch, 24. Juli 2019

Michael Diekmann Deutschlands mächtigster Manager

Michael Diekmann: Seine Vertrauten, sein Netzwerk
DPA

Wo immer deutsche Unternehmenslenker sich zusammenfinden, fehlt meist der gewichtigste unter ihnen: Michael Diekmann, Chef der Allianz. Warum eigentlich? Porträt eines widersprüchlichen Alphatiers.

Hamburg - Warum werden diese schönen alten Bäume gefällt? Aus Michael Diekmanns Stimme, die gebändigt leise ist und mit dem Timbre der Verführer, dringt eine Spur Empörung. Das Wüten der Motorsägen deutet nicht auf einen Versicherungsfall. Die knorzigen Mammute haben ihren Zenit überschritten. Ihre Jahresringe weisen zurück in eine Zeit, in der bayerische Kurfürsten ihr Machtterrain ausschmückten.

Bald baut hier, am Rande des Englischen Gartens, die Allianz Börsen-Chart zeigen ein Amphitheater, unterirdisch, so will es der Denkmalschutz, so passt es zum Nobelhaus. Müsste man die Dax-30-Chefs als Mischwald zeichnen, gäbe Bauherr Diekmann die deutsche Eiche.

Er schlägt den Kragen seines grauen Lodenmantels hoch, erzählt von seiner Kindheit. Vom zehnjährigen Internatsschüler, der mit dem Biologielehrer die Wälder des Weserberglandes durchforsten und jede Borke und jedes Tier samt Fußabdruck und Äs-Spur identifizieren musste. Lästiges Nieseln trifft auf die klamme Winterkälte. Aber dieses kleine Risiko war für den Chef der Allianz absehbar, schon öffnet sich der blaue Schirm.

1592 Milliarden Euro under management

Der mächtigste Unternehmenslenker des Landes steht auch sonst nicht im Regen. Nach fast neunjähriger Regentschaft kann er trotz Schwachstellen im Unternehmen und den gemeinhin schwierigen Zeiten ein gut bestelltes Haus vorweisen:

In der Arena der "Forbes" Global 2000, der weltweit größten Konzerne, gilt die Allianz als Deutschlands größter. 106 Milliarden Euro Umsatz, über fünf Milliarden Gewinn, gut 150.000 Mitarbeiter in 70 Ländern, mehr als 76 Millionen Kunden rund um den Globus, geschätzte 50 Millionen versicherte Autos - dergestalt sind die Zierden in Diekmanns Reich.

Die atemberaubende Betrachtung ließe sich fortsetzen:

Unter dem Dach des Allianz Asset Managements (AAM) werden 1592 Milliarden Euro verwaltet. Das Budget des Bundes für das aktuelle Jahr liegt im Vergleich dazu bei circa 300 Milliarden.

© manager magazin 3/2012
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