Freitag, 20. September 2019

Expansion Discount-Krösus Aldi macht mobil

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden
DDP

8. Teil: Volle Kassen: Der Discounter beschreitet neue Wege

Neue Discount-Konzepte, gewachsene Investitionsbereitschaft und das Ausprobieren moderner Finanzierungsmodelle - nachdem Aldi Süd sich eines Hasardeurs entledigt hat und bei Aldi Nord die Beharrer nicht mehr da sind, beschreiten die Discounter neue Wege.

Sogar der Umgang mit den Mitarbeitern hat sich - jedenfalls im Süden der Republik - positiv verändert. "Seit immer mehr von den harten Hunden in den Ruhestand gehen und von jüngeren, oftmals auch weiblichen Führungskräften ersetzt werden", erzählt ein Süd-Aldianer aus dem mittleren Management, "ist die Zusammenarbeit etwas menschlicher geworden."

Die Unternehmensorganisation von Aldi war immer geprägt von straffen Befehlsstrukturen. Den Angestellten blieb ein minimaler Entscheidungsspielraum; alles, was sie zu tun und zu lassen hatten, war minutiös in dicken Handbüchern festgeschrieben. Die Einhaltung der Vorgaben wurde penibel überwacht.

Da war es schon ein Fortschritt, dass der im Süden geltende Verhaltenskodex FuK (Führungs- und Kommunikationsgrundsätze) vor zwei Jahren durch ein erweitertes Regelwerk (Aldi Management System, AMS) ersetzt wurde. Darin ist viel die Rede von "Übertragung von Verantwortung", von "gegenseitiger Unterstützung" sowie von "Ehrlichkeit" und "Vertrauen".

Ungeheure Finanzkraft treibt die Expansion voran

Damit die schönen Worte auch umgesetzt werden, sind Schulungen an der Tagesordnung. Insbesondere junge Regionalverkaufsleiter, die bis zu sechs Läden verantworten, müssen mehrtägige Seminare über Konfliktmanagement absolvieren oder sich von einem ehemaligen Polizistenausbilder beibringen lassen, wie sie auf respektvolle Weise die ihnen unterstellten Filialleiter zu Höchstleistungen anspornen.

Gut möglich, dass die Verantwortlichen im Norden, die ihre Untergebenen noch wie eh und je kontrollieren und kujonieren, alsbald in der Personalführung dem südlichen Vorbild folgen.

Beide Schwesterfirmen arbeiten nämlich immer enger zusammen. Es gibt regelmäßige Meetings auf Topebene und einen intensiven Austausch zwischen den einzelnen Abteilungen. Unter anderem werden Sortimentsgestaltung, Lieferantenkonditionen und Preispolitik abgestimmt.

Wenn die Teilkonzerne ihre Stärken weiter bündeln und vereint gegen Lidl, Netto & Co. vorgehen, werden sie auf dem von Discountern überbelegten deutschen Markt ihre Position behaupten, vielleicht sogar kräftigen können. Schon bisher ist Aldi profitabler als die direkte Konkurrenz - primär deshalb, weil der Branchenpionier mit Abstand den höchsten Umsatz pro Filiale erzielt.

In der übrigen Welt hilft der Aldi-Gruppe vor allem ihre ungeheure Finanzkraft. Das in Deutschland erfundene Discount-Format spielt global bislang eine eher untergeordnete Rolle. Ein weites Betätigungsfeld für Aldi - und noch härtere Zeiten für Wal-Mart Börsen-Chart zeigen, Tesco Börsen-Chart zeigen und Carrefour Börsen-Chart zeigen.

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden

© manager magazin 3/2012
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