Samstag, 20. Juli 2019

Expansion Discount-Krösus Aldi macht mobil

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden
DDP

7. Teil: Anteil an Markenware bei Aldi dürfte deutlich steigen

Wenn Cash erforderlich ist, werden schon mal Immobilien verkauft und zurückgemietet. So geschehen 2010, als Aldi Süd in zwei Tranchen 220 Grundstücke und Gebäude an die Allianz Börsen-Chart zeigen sowie an einen Fonds der australischen Bank Macquarie Börsen-Chart zeigen übertrug und dafür rund 400 Millionen Euro erlöste.

Angesichts der geringen Verschuldung und hohen Solidität ist es für den Discounter kein Problem, mitten in der Finanzkrise Geldgeber zu finden. Im Sommer 2009 war zum Beispiel ein Schuldscheindarlehen von Aldi Süd vielfach überzeichnet, statt der avisierten 200 Millionen Euro, so wollen Insider wissen, kamen 900 Millionen zusammen.

Aldi Nord arbeitet ebenfalls mit Investoren zusammen. Um die Kapitalbindung bei der Ausdehnung in Polen niedrig zu halten, kooperiert die dortige Landesorganisation mit dem Hamburger Emissionshaus Elbfonds. Das sammelt Geld bei Anlegern ein, errichtet Einzelhandelsimmobilien und vermietet sie vornehmlich an Aldi.

Nach dem Generationswechsel im Norden wie im Süden sind die deutlich jüngeren Managementteams - bei aller Vorsicht - experimentierfreudiger geworden. Ihr Wagemut geht weit über die Geldbeschaffung hinaus, auch bei der Werbung, der Internetpräsenz und der Sortimentspolitik probieren sie Neues.

So wird nach jahrelanger Diskussion jetzt konkret über eine Erhöhung des bislang minimalen Angebots an Markenartikeln nachgedacht. In dieser Hinsicht ist die Edeka-Tochter Netto am weitesten vorgeprescht, nicht wenige Manager bei Aldi Süd plädieren dafür, dem Konkurrenten zu folgen.

Anteil an Markenprodukten bei Aldi könnte deutlich steigen

Es gebe Pläne, den Anteil an Markenprodukten auf bis zu 25 Prozent zu steigern, berichtet ein handelserfahrener Berater; Patriarch Karl stemme sich aber gegen das Ansinnen. Zumindest trauen sich Chef Podschlapp und seine Leute seit Kurzem, Label wie Coca-Cola, Pampers, Lenor oder Backmischungen von Dr. Oetker im Testmarkt Ungarn feilzubieten. Und auch in Großbritannien können Kunden jetzt Nutella und Maltesers-Schokokugeln bei Aldi kaufen.

Auch in der Werbung gehen die Aldianer neue Wege. Bis vor gut einem Jahr beschränkten sich die Zentralen in Essen und Mülheim auf zweimal wöchentlich geschaltete ganzseitige Zeitungsanzeigen. Dafür gaben die Schwestern 2010 als viertgrößte Werbetreibende in Deutschland knapp 390 Millionen Euro aus.

An die Stelle der Zeitungsreklame treten nach und nach mehrblättrige Prospekte, was viel Geld spart. Zudem startete der Norden im Herbst 2010 in Publikumszeitschriften wie "Brigitte" oder "TV Movie" eine Kampagne für seine Eigenmarken ("Champagne Veuve Durand", "Freihofer Gourmet"). Das Ziel: mit einem höherwertigen Segment neue Käuferschichten anzusprechen.

Am zögerlichsten geben sich die Aldi-Oberen noch bei der Anpassung ihres Internetauftritts an die Zeitläufte. Bislang können die Kunden im Netz nur Reisen buchen, Fotoabzüge bestellen und Blumen verschicken, während etwa beim Wettbewerber Lidl zahllose Nonfood-Artikel online zu kaufen sind.

Der Entwurf für einen kompletten Webshop liegt bei Aldi Süd zwar fertig in der Schublade. Die Realisierung scheitert aber an Karl Albrecht, der befürchtet, ein solcher Vertriebsweg würde den eigenen stationären Handel kannibalisieren. Recht weit gediehen sind Planungen für eine Internetapotheke. Sie soll demnächst ans Netz gehen.

© manager magazin 3/2012
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