Samstag, 20. Juli 2019

Expansion Discount-Krösus Aldi macht mobil

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden
DDP

6. Teil: Aldi-Erfolg in USA: Wie die erste Aldi-Filiale in New York City entstand

Beispiel USA: Amerika-Chef Jason Hart hatte sich in den Kopf gesetzt, auch in New York eine Filiale zu eröffnen. Kein triviales Unterfangen, denn die Metropole duldet eigentlich keine großen Supermärkte. Harts Trick: Er konzipierte einen Laden, der mit 930 Quadratmetern um die Hälfte kleiner ist als die meisten der 1188 Aldi-Geschäfte in den USA.

Der Plan ging auf. Im Frühjahr 2011 eröffnete im Stadtteil Queens der erste Aldi-Shop, drei weitere folgten. Konkurrent Wal-Mart hingegen, der ohnehin seit mehr als zwei Jahren mit sinkenden Umsätzen im US-Geschäft kämpft, betreibt kein einziges Geschäft in New York.

In den USA will Aldi seine Präsenz jährlich um rund 80 Filialen verstärken, in Australien soll sich die Zahl von heute 270 Läden mehr als verdoppeln - dank eines Investitionsprogramms von 650 Millionen Euro.

Bis vor Kurzem half noch die Zentrale in Mülheim bei der Finanzierung der Expansion in Australien. Inzwischen aber wirtschaftet Aldi in Down Under so effizient, dass der Bau neuer Lager und Läden weitgehend aus dem Cashflow bezahlt werden kann.

Aldis Neustart in Großbritannien: Raus aus den Baracken

Von einer solch kommoden finanziellen Situation träumt die britische Landesorganisation schon seit Jahren. Sie hatte ihre Filialen in üblen Lagen errichtet, die Käufer mieden die Baracken. 2009 wurde die Leitung ausgewechselt, und die schlimmsten Filialen wichen attraktiveren Standorten. 2010 erhöhte Aldi UK die Investitionen um ein Drittel.

Das neue Konzept kommt bei der Kundschaft hervorragend an. Auf der Liste der beliebtesten Einzelhändler der Insel rangiert die Tochter von Aldi Süd jetzt auf Platz zwei, hinter der Delikatessenkette Waitrose. Allein zwischen Mai und August 2011 steigerten die Deutschen den Umsatz in ihren mehr als 400 Stores um 24,4 Prozent (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), während der Hauptwettbewerber Tesco Börsen-Chart zeigen nahezu stagnierte.

Freilich, das Umbauprogramm hat seinen Preis: Aufgrund der hohen Investitionen schrieb Aldi 2009 und 2010 Vorsteuerverluste von zusammen 133 Millionen Euro. Und ob das Jahr 2011 mit schwarzen Zahlen endete, ist mehr als zweifelhaft, denn Aldi liefert sich in Großbritannien harte Preisschlachten mit der Konkurrenz.

Aber was soll's: Wenn es sein muss, kaufen sich die Deutschen eben Marktanteile. Pekuniär sind sie dazu allemal in der Lage. Variantenreiche Finanzierungsinstrumente nutzen die beiden Discounter seit Längerem. Entsprechendes Know-how wurde in der Süd-Zentrale schon vor einigen Jahren aufgebaut.

© manager magazin 3/2012
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