Montag, 16. September 2019

Expansion Discount-Krösus Aldi macht mobil

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden
DDP

5. Teil: Aldi-Manager Jürgen Podschlapp: Praxisbezug und harte Arbeit

Die Wahl fiel auf Jürgen Podschlapp (51), einen Ziehsohn Karl Albrechts. Wie so viele Aldi-Manager verfügt Podschlapp über keinen Universitätsabschluss. Ökonomisches Wissen erwarb er an einer Berufsakademie, schon mit jungen Jahren stieg er in das oberste Leitungsgremium auf.

Podschlapps Karriere zeigt, dass Praxisbezug und harte Arbeit bei Aldi absolute Priorität haben, ein Hochschultitel hingegen nicht viel zählt. Die Managementgehälter gehören dennoch zu den besten im deutschen Einzelhandel (siehe Tabelle unten).

Anfang 2011 fungiert Podschlapp offiziell als Sprecher des Koordinierungsrats. Ein Novum, standen doch bislang die Mitglieder des Führungszirkels zumindest formal gleichberechtigt nebeneinander. Neu ist auch, dass zwei der vier Koordinierungsratsmitglieder für jeweils drei bis fünf Auslandsmärkte zuständig sind. Ein Beleg dafür, wie wichtig Aldi die internationale Ausdehnung ist und vor allem deren Steuerung - besonders nach dem Fiasko in Südosteuropa.

Großzügiger Arbeitgeber: Gehälter bei Aldi Süd
Endsalär* Position
62.000 Euro Trainee, einjähriges Programm für Hochschulabsolventen
140.000 Euro Regionalverkaufsleiter im dritten Berufsjahr, zuständig für bis zu sechs Filialen mit zusammen 50 bis 70 Mitarbeitern
280.000 Euro Prokurist in einer der 31 deutschen Aldi-Süd-Gesellschaften, verantwortlich für Einkauf, Filialentwicklung oder Logistik
600.000 Euro Geschäftsführer, leitet eine der 31 deutschen Aldi-Süd-Gesellschaften, zu denen jeweils rund 50 Filialen gehören
1,5 Millionen Euro Deutschland-Chef
3 Millionen Euro Mitglied des Koordinierungsrats, der operativen Führung
*Aldi Süd zahlt im Gegensatz zu Aldi Nord keine Boni; Durchschnittsgehälter.
Allerdings hat sich die Maxime geändert: Heute geht es darum, das Filialnetz in den bestehenden Ländern zu verdichten und nicht - wie zu Zeiten Armin Burgers - möglichst viele zusätzliche Märkte zu erschließen. Infolge dieses Strategiewandels wurde der Sprung nach Neuseeland verschoben, obwohl Aldi dort schon rund 100 Namen für Eigenmarken registrieren ließ.

Statt sich in bevölkerungsschwachen Ländern wie Neuseeland oder der Slowakei zu verzetteln, schreibt die neue Süd-Führung jetzt konsequent die Erfolgsgeschichten in Amerika und Australien fort. Auf beiden Kontinenten arbeitet Aldi höchst profitabel - nicht zuletzt, weil sich das regionale Management recht wendig an die nationalen Gepflogenheiten anzupassen weiß.

© manager magazin 3/2012
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