Sonntag, 21. Juli 2019

Expansion Discount-Krösus Aldi macht mobil

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden
DDP

4. Teil: Warum Aldi Süd der Nord-Gruppe enteilt ist

Ganz anders die Denkweise von Karl Albrecht. Er und seine Gattin Mia leben zwar in ebenso bürgerlichen Verhältnissen wie Theos Familie, mit Investitionen außerhalb ihres Imperiums haben sie aber wenig im Sinn. Unternehmenskenner behaupten, Karl bestehe darauf, dass der Süd-Konzern eine Cash-Reserve von mehreren Milliarden Euro vorhalte, um auch in Phasen härtester Preiskämpfe nicht in Liquiditätsnöte zu geraten.

Die unterschiedlichen Philosophien und ihre Folgen spiegeln sich in den Rechenwerken der beiden Konzerne per Ende 2010 wieder: Aldi Süd investierte in Deutschland 171 Millionen Euro, der Norden gab für seine heimischen Filialen lediglich 46 Millionen Euro aus. Der Süden erzielte eine Umsatzrendite vor Steuern von 5 Prozent, im Norden waren es - bei allerdings etwas anderer Berechnungsgrundlage - nur 3,5 Prozent.

Während Aldi Nord in Deutschland seit zehn Jahren stagniert und lediglich im Ausland ein Umsatzplus verzeichnet, legt der Süden zu - auf dem Heimatmarkt und noch viel stärker in seinen internationalen Territorien.

Die rasante globale Expansion von Aldi Süd seit Mitte der 2000er Jahre ist auch mit dem Namen Armin Burger (48) verbunden. Der quirlige Macher, dessen Aufstieg nur in der offeneren Atmosphäre bei Aldi Süd denkbar war, aber niemals im konservativen Norden, schien dazu ausersehen, einmal die Mülheimer Aldi-Hälfte zu leiten. Indes, seine Karriere endete abrupt.

Teures Griechenland-Abenteuer

Burger hatte erfolgreich den österreichischen Aldi-Ableger Hofer geführt. Er genoss dort große Freiheiten, Hofer diente als Versuchslabor für die gesamte Organisation. Neuerungen wie Scheckkartenzahlung, Mobilfunk- und Pauschalreiseangebote breiteten sich von dort aldiweit aus.

Burger war es auch, der von der Hofer-Zentrale im oberösterreichischen Sattledt aus die Expansion nach Südosteuropa vorantrieb: Ungarn, Slowenien, Kroatien, Griechenland, Slowakei - immer schneller und immer weiter wollte Burger vorrücken und traf dabei so manche fragwürdige Entscheidung.

In Kroatien etwa standen schon rund 100 Audi 3 als Dienstwagen für die künftigen Verkaufsleiter bereit, als plötzlich die Nachricht kam: Aldi geht doch nicht nach Kroatien. Burger hatte den bei Aldi geltenden Grundsatz verletzt, niemals in Länder zu investieren, in denen keine Rechtssicherheit herrscht.

Trotz solcher Fehltritte galt die Ausdehnung auf den Balkan noch als Erfolgsgeschichte, als Burger 2008 in den Koordinierungsrat einzog, das oberste operative Gremium bei Aldi Süd. Entsprechend selbstbewusst gab sich der Neuankömmling in der Zentrale. Er wechselte missliebige Manager rasch durch eigene Günstlinge aus, er stimmte sich bei wichtigen Fragen nicht mit seinen Kollegen ab, und er gab das Geld mit beiden Händen aus.

Besonders großzügig agierte Burger in Griechenland. Dort ließ er gleich zwei Verteilzentren errichten, obwohl für den Anfang eines genug gewesen wäre, er wählte teure Standorte und geizte weder bei der Größe der Filialen noch bei deren Ausstattung. Auf mehr als eine Milliarde Euro hatten sich die Investitionen und Anlaufverluste summiert, erzählt ein Ex-Aldianer.

Im November 2009 fand das Treiben ein Ende. Burger wurde von den Stiftungsvorständen, den Aufsicht führenden Gremien im Süden, vor die Tür gesetzt. In diesen Komitees geben für die Familie Karl Albrechts Tochter Beate (60) und deren Sohn Peter Max Heister (36) den Ton an (siehe Fotostrecke). Burgers Rauswurf geschah freilich mit Billigung des Seniors, der zwar längst keine offizielle Funktion mehr innehat, aber sich vielfach das letzte Wort vorbehält. Im Sommer 2010 dann die letzte Konsequenz: Aldi Süd zog sich komplett aus Griechenland zurück, 12 der 38 Filialen wurden an Lidl verscherbelt.

Der unrühmliche Abgang Burgers sorgte für Unruhe in der Belegschaft und für eine Lücke an der Spitze: Wer sollte den Hoffnungsträger ersetzen?

© manager magazin 3/2012
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