Mittwoch, 24. Juli 2019

Expansion Discount-Krösus Aldi macht mobil

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden
DDP

3. Teil: Backautomaten für einen Großteil der Filialen

Zudem wird ein Großteil der Filialen mit Backautomaten ausgestattet. Die Geräte, die derzeit in den belgischen Pilotfilialen Probe laufen, sind zwar viel schlichter und billiger als die bei der Süd-Schwester bereits installierten Maschinen (irgendwo bleibt sich die kostenbewusste Nord-Crew dann doch treu), trotzdem hofft man, dass die ofenfrischen Brötchen und Brezeln zusätzliche Kunden in die Verkaufsräume ziehen.

Umgesetzt wird das Erneuerungsprogramm vom fünfköpfigen Verwaltungsrat, dem obersten Leitungsgremium im Norden (siehe Fotostrecke). Dessen Primus Heußinger trägt wie einst Wiesemann den Titel "Generalbevollmächtigter", er verfügt aber über wesentlich weniger Macht als sein Vorgänger: Wiesemann gehörte dem Aufsicht führenden Stiftungsvorstand an, Heußinger hat dort keinen Sitz.

Der Ökonom war gleich nach seiner Promotion bei Aldi eingestiegen und hatte sich binnen zehn Jahren bis in den Verwaltungsrat hochgearbeitet. Heußinger gilt als smarter, gewinnender Typ - als einer, der zuhören kann und der Konflikte lieber meidet, als dass er sie sucht.

Theo Albrechts Sohn Theo Junior führt jetzt das Wort

Offenkundig pflegt Heußinger ein gutes Verhältnis zur Familie. Die hat nach dem Tod Theo Albrechts neue Rollen im Stiftungsvorstand eingenommen. Das Wort führt jetzt sein Sohn Theo junior (61). Dessen Bruder Berthold (57) hält sich weitgehend aus den Diskussionen heraus. Eher schon ist Theos Witwe Cäcilie ("Cilli", 84) bereit, Anstöße zu geben, um das zeitweise vom Stillstand bedrohte Lebenswerk ihres Mannes weiterzuentwickeln.

Cilli Albrecht gilt als die Grande Dame von Aldi, die selbst im hohen Alter noch sehr bestimmt auftritt. Sie hat den Aldi-Wertekanon verinnerlicht, natürlich auch im Umgang mit Geld. Gern wird im Unternehmen die Anekdote erzählt, dass sie dem Fahrer ihres Mannes zu Weihnachten eine Tüte mit Aldi-Leckereien im Wert von etwa zwei Mark zu überreichen pflegte. Einmal jedoch in der Adventszeit zitierte sie den Fahrer zu sich und erklärte ihm, dass diesmal das Präsent ausbleibe; schließlich sei er ja zwei Tage krank gewesen.

Das mit krämerseliger Kleinlichkeit zusammengesparte Geld floss weder in ausladende Villen noch in protzige Autos. Solchen Luxus hielten Theo und Cilli für Verschwendung; ihre Söhne erzogen sie entsprechend. Und auch Investitionen in die Firma blieben begrenzt.

Die üppigen Gewinne wurden zum großen Teil in Immobilien, Flugzeuge oder Schiffe gesteckt. Insider sagen, die Nord-Sippe verdiene mit ihren diversen betriebsfernen Anlagen nicht weniger als mit dem Handel.

© manager magazin 3/2012
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