Donnerstag, 19. September 2019

Expansion Discount-Krösus Aldi macht mobil

Aldi Nord und Süd: Wie die Aldi-Reiche geführt und kontrolliert werden
DDP

2. Teil: "Aldi ist der Krisengewinnler"

Allem Anschein nach gelingt es dem Zwillingskonzern gerade jetzt, seine Stärken zulasten der Konkurrenz auszuspielen. "Aldi ist der Krisengewinnler", sagt Wolf Wagner (51), Deutschland-Chef der auf Handel und Konsumgüter spezialisierten Beratungsfirma Kurt Salmon.

In der Tat: Während die britische Tesco Börsen-Chart zeigen im Januar eine Gewinnwarnung herausgegeben hat und die französische Carrefour Börsen-Chart zeigen zum Sanierungsfall geraten ist, baut Aldi seine Stellung als größter Discounter der Welt noch weiter aus.

Dabei schien es eine Zeit lang, als würden die Aldianer ihre Dynamik einbüßen. 2009 erschütterten Personalquerelen den Süden; die Verwerfungen zogen Rückschläge bei der internationalen Expansion nach sich. Und auch der Norden geriet in Bedrängnis: Die Essener erlebten 2009 in Deutschland einen Umsatz- und Gewinneinbruch. Dann starb im Sommer 2010 Theo Albrecht, nur ein halbes Jahr später erkrankte sein treuer Diener, Aldi-Nord-Lenker Hartmuth Wiesemann (67), und verließ das Chefbüro.

Mittlerweile haben sich die Führungskader auf beiden Seiten des Aldi-Äquators verjüngt. Der Elan scheint zurückgekehrt, das geteilte Imperium setzt dazu an, mit neuem Personal, neuen Konzepten und vor allen Dingen mit hohen Investitionen wieder das zu werden, was es jahrzehntelang war: ein Vorbild für den globalen Lebensmittelhandel.

Ungeschönter Hard-Discount: Billig, einfach, gut

Den ersten Laden vom Typus Aldi (Albrecht-Discount) hatten Karl und Theo Albrecht vor 50 Jahren in Dortmund eröffnet. Das damals neue Format - billig, einfach, gut - revolutionierte die Branche. Bald aber entwickelten sich die Brüder auseinander. Während Karl im Süden der Republik das Konzept immer weiter verfeinerte, galt Theo als Bewahrer der reinen Discount-Lehre, der Innovationen nur zögerlich zuließ und so wenig Geld wie möglich ausgab.

Theo Albrecht war von einem nahezu krankhaften Sparzwang besessen. Der frühere Aldi-Geschäftsführer Eberhard Fedtke (75) erzählt in seinem jüngst erschienenen Buch "Aldi-Geschichten", dass der Patriarch sich maßlos ärgern konnte, wenn irgendwo unnötig Licht brannte oder ein Untergebener gedankenverloren eine Büroklammer auseinanderbog.

Nicht anders agierte Theos Majordomus Wiesemann. Fast 30 Jahre lang leitete er den Nord-Konzern und wirtschaftete ganz im Sinne des Alten. Unter seiner Regie verkamen vielerorts Fußböden, Fensterfronten und Fassaden; es baute sich ein gewaltiger Investitionsstau auf.

Dass sich das Knausern irgendwann negativ auf Umsatz und Gewinn auswirken würde, war den meisten Aldi-Managern bewusst. Doch sie konnten sich mit ihren Wünschen nach Veränderung gegen den strengen Herrscher Wiesemann nicht durchsetzen.

Erst seit Wiesemann Anfang 2011 die Führung an Marc Heußinger (45) abgegeben hat, bewegt sich etwas im Norden. Alles soll nun schöner und adretter werden, von der Anmutung der Geschäfte bis hin zum Auftritt der Mitarbeiter. Die dürfen künftig ihre unansehnlichen dunkelblauen Kittelschürzen gegen etwas gefälligere Kleidung eintauschen. Nach und nach will Aldi Nord seine veralteten Läden im In- und Ausland sanieren beziehungsweise ersetzen. Der erste Modellmarkt wurde Ende März in Castrop-Rauxel eröffnet.

© manager magazin 3/2012
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