E-Reader Starke Konkurrenz für Kindle und Co.

E-Books werden in Deutschland immer populärer, auch von der heute beginnenden Leipziger Buchmesse sind sie nicht mehr wegzudenken. Doch auf welchen Geräten Konsumenten künftig lesen werden, ist eine andere Frage. Denn Smartphones und Tablets machen Kindle und Co. Konkurrenz.
Von Christopher Krämer
E-Reader: Folgt nach dem Durchbruch die Ernüchterung?

E-Reader: Folgt nach dem Durchbruch die Ernüchterung?

Foto: SHANNON STAPLETON/ REUTERS

Hamburg - Wenn heute die Leipziger Buchmesse ihre Tore öffnet, soll ein "Digitalisierungs-Guide" Besuchern helfen, auf der Messe den Überblick über die Masse der Angebote rund ums digitale Lesen und die zahlreichen Veranstaltungen zur Zukunft der Buchbranche zu behalten: "Machen Sie sich ein Bild von unserer neuen, digitalen Bücherwelt", heißt es in dem Wegweiser.

Eine wichtige Rolle in dieser neuen Bücherwelt spielen das E-Book und die dazugehörigen E-Reader, Spezialgeräte wie Amazons "Kindle", Sonys "PRS T1" oder Thalias "Oyo". Die Umsätze mit elektronischen Büchern und Lesegeräten sind im letzten Jahr stark gestiegen. Doch die Reader haben durch die Alleskönner Smartphones und Tablets starke Konkurrenz bekommen.

Die kleinen Lesemaschinen sind genau für diesen Zweck gedacht: E-Books lesen. Geräte wie Kindle oder Oyo setzen auf die so genannte E-Ink-Technologie, die Schrift sehr gut wiedergeben kann. Dazu ist die Technologie sehr sparsam, eine Akkuladung reicht mehrere Wochen. Der Nachteil: Bislang kann E-Ink keine Farben darstellen, der Seitenaufbau ist träge, das Umblättern zwischen verschiedenen Seiten dauert einen Moment. Im Internet surfen ist mit Kindle und Co. nur eingeschränkt möglich, die Wiedergabe von Videos klappt gar nicht. Geräte mit LCD-Bildschirmen haben dieses Problem nicht. Dafür ist das Lesen für die Augen anstrengender und der Akku schneller leer.

In den USA verkauft Amazon mehr E-Books als Bücher

Lange fristete das elektronische Buch in Deutschland ein Schattendasein. Die Gründe dafür waren vielfältig: Zum einen sorgt die Buchpreisbindung dafür, dass E-Books etwa das gleiche kosten wie gedruckte Bücher. Dazu werden sie mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent besteuert, die gedruckten dagegen mit dem ermäßigten von 7 Prozent. Noch 2010 betrug der Anteil von E-Books nur 0,8 Prozent des Gesamtumsatzes des deutschen Buchhandels.

Anderswo kam der E-Book-Markt viel schneller in Schwung: 2007 brachte Amazon in den USA das erste Kindle-Modell heraus. Im vergangenen Jahr verkaufte der Online-Händler dort bereits mehr E-Books als gedruckte Bücher.

Doch auch in Deutschland steigt der Umsatz mit elektronischen Büchern kräftig: Im vergangenen Jahr waren es bereits rund zwei Prozent des Gesamtumsatzes der Buchbranche. Die Verlage erwarten, dass der Anteil 2015 bei über neun Prozent liegen wird.

"Das E-Book hat den Durchbruch in Deutschland endgültig geschafft."

Schon jetzt ist die Abdeckung mit E-Books in Deutschland recht gut: "Von rund 50 Prozent der jährlichen Neuerscheinungen in Deutschland gibt es zeitgleich E-Book-Versionen. Bei den Topsellern sind es etwa 90 Prozent. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis alle Bücher auch elektronisch erhältlich sein werden", sagt Schild. Alle großen Verlage seien beim E-Book-Geschäft dabei.

In den verschiedenen Stores finden Kunden schon jetzt eine große Auswahl an E-Books: Bei Amazon sind es nach Unternehmensangaben rund 1 Million Bücher, davon etwa 75.000 deutsche Titel. Thalia gibt die Zahl deutscher E-Books mit 100.000 an, bei Weltbild sind es etwa 30.000. Auf der Plattform des deutschen Buchhandels "libreka!" sind es insgesamt 250.000 Titel, davon 30.000 deutsche E-Books.

"Das E-Book hat den Durchbruch in Deutschland endgültig geschafft", sagt Ronald Schild, Geschäftsführer der Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH (MVB). Das Tochterunternehmen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels betreibt die Online-Plattform "libreka!", die digitale Inhalte an Buchhändler verkauft.

Kindle war 2011 meistverkauftes Produkt bei Amazon

Einen eigenen Reader hat auch MVB im Angebot, den "Lira Color". Die E-Book-Umsätze sind 2011 um das Dreißigfache gestiegen, der Umsatz betrug 2,1 Millionen Euro. Auch das neue Jahr ist gut angelaufen: Allein in den ersten beiden Januar-Wochen betrugen die Umsätze mit E-Books rund 400.000 Euro. Für das Jahr 2012 rechnet Schild nun mit einer weiteren Verdreifachung des Umsatzes.

Die wachsende Popularität der E-Books erklärt Schild mit den guten Verkaufszahlen der E-Reader. Denn auch die Absatzahlen dieser Geräte sind im vergangenen Jahr stark gestiegen: Nach Schätzungen des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) stieg der Verkauf der Lese-Geräte um rund 40 Prozent. Parallel stieg der Umsatz mit den Readern in Deutschland auf über 30 Millionen Euro.

Auch die wichtigsten Hersteller melden gute Ergebnisse. Zwar gibt Amazon keine genauen Verkaufszahlen des Kindles bekannt, aber der E-Reader soll das meistverkaufte Produkt 2011 des Online-Händlers gewesen sein. Weltweit soll Amazon im Dezember rund 1 Million Lesegeräte pro Woche verkauft haben. Der Weltbild-Verlag, der auf seinen eigenen "E-Book-Reader 3.0" setzt, meldete nach dem Weihnachtsgeschäft Verkäufe im hohen sechsstelligen Bereich.

Ob der Erfolg der E-Reader anhalten wird, ist allerdings fraglich. Nach einer Studie von Digitimes Research wurden in den ersten drei Monaten 2012 weltweit nur rund 2 Millionen E-Reader verkauft. Das ist schwach, gemessen an der Gesamtzahl 2011 und dem sehr guten, durch das Weihnachtsgeschäft gestärkten vierten Quartal. So wurden insgesamt fast 23 Millionen Geräte verkauft, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Allein im vierten Quartal waren es 9 Millionen Geräte.

Absatzrückgänge im "normalen Rahmen"

Auch in Deutschland sind die Absatzzahlen nach dem starken Weihnachtsgeschäft zurückgegangen - doch wie stark ist dieser Rückgang? Die betroffenen Unternehmen veröffentlichen keine Zahlen zur Absatzentwicklung. Auch im neuen Jahr habe es keinen scharfen Einbruch gegeben, sagt eine Sprecherin von Weltbild. Das Interesse sei nach wie vor ungebrochen. Auch der Absatz des Oyo ist nach Weihnachten zurückgegangen. Dies sei aber "im normalen Rahmen", sagt eine Sprecherin von Thalia.

Doch die Konkurrenz ist stark: Smartphones und Tablets eignen sich ebenfalls zum Lesen von E-Books. Die Verkaufszahlen sind beeindruckend: Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom gingen 2011 in Deutschland über 10 Millionen Smartphones über den Ladentisch, bei den Tablets waren es mehr als 2 Millionen Geräte. Dazu sinken die Preise für Tablets, der Abstand zu den E-Reader wird geringer.

Amazon oder Thalia haben bereits darauf reagiert, dass die Kunden auch auf anderen Geräten als auf den Readern lesen wollen. Für fast alle Reader-Modelle gibt es Apps für Smartphone und Tablets. Thalia veröffentlicht für die Oyo-App zwar keine Download-Zahlen. Die Anwendung laufe aber sehr erfolgreich, sagt eine Sprecherin.

Künftig werden sich die Gerätetypen annähern

Sind die Spezialgeräte also bereits wieder auf dem absteigenden Ast?

"E-Reader haben letztes Jahr einen großen Sprung gemacht. Die aktuellen Absatzeinbrüche müssen noch keine Trendwende sein", sagt Mario Rehse vom Bitkom. Auch Schild glaubt, dass der aktuelle Einbruch im ersten Quartal "fast ausschließlich" auf den Weihnachtsgeschäft-Effekt zurückzuführen sei.

Auch das Marktforschungsunternehmen IDC prognostiziert eine Fortsetzung des starken Wachstums im E-Reader-Segment. 2011 seien die Absatzzahlen weltweit um mehr als 60 Prozent gestiegen. Der Trend werde sich fortsetzen, besonders in den Wachstumsmärkten außerhalb der USA.

Rehse glaubt, dass die Reader weiter ihre Berechtigung auf dem Markt neben Spartphones und Tablets haben werden: "E-Reader sind Spezialisten und zum Lesen sehr gut geeignet, besser als zum Beispiel Tablet-PCs", sagt Rehse. Er erwartet, dass viele Konsumenten beide Gerätearten kaufen werden, wenn die Preise für Reader und Tablets weiter sinken.

Schild rechnet damit, dass sich Geräteklassen und Bildschirm-Technologien künftig einander annähern werden. Das hieße, dass neue Geräte die Vorteile beider Typen in sich vereinen: Sehr gute Lesbarkeit und Sparsamkeit von Readern, dazu Farbe und Dynamik von Tablets.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Der deutsche Buchhandel glaubt weiter an den Erfolg der kleinen Spezialgeräte: Noch in diesem Jahr will MVB neue E-Reader-Modelle auf den Markt bringen.

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.