Montag, 19. August 2019

Quelle-Erbin schlägt zurück Die späte Rache der Madeleine Schickedanz

Im Visier der Justiz: Schickedanz gegen Sal. Oppenheim
DPA

Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz hat ihr Vermögen mit einer riesigen Fehlspekulation mit KarstadtQuelle-Aktien verloren. Sie fühlt sich als Opfer und droht mit einer Milliardenklage gegen Sal. Oppenheim - wenn die Bank stur bleibt. Die Geschichte eines Wirtschaftskrimis, der Gier, Dummheit und Dreistigkeit vereint.

Wer die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz (68) kennt, sieht in ihr einen freundlichen, umgänglichen Menschen. Gewiss, sie ist ein wenig scheu, und sie hat als wohlbehütete Tochter der Versandhauspioniere Gustav und Grete Schickedanz nie so recht gelernt, mit Geld umzugehen. Argwohn kennt sie nicht, ihre Vertrauensseligkeit grenzt an Naivität.

Zwei Scheidungen haben ihr schwer zugesetzt, denn sie ist überaus harmoniebedürftig. Man muss sie schon sehr reizen, demütigen und enttäuschen, bevor sie erwägt, mit jemandem zu brechen oder sich gar zu wehren.

Nun aber ist dieser Fall eingetreten. Es gibt Anzeichen dafür, dass eine Clique um die einstige Führung des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim und den Troisdorfer Vermögensverwalter und Immobilienjongleur Josef Esch (55) Frau Schickedanz' Leichtgläubigkeit und ihre Unerfahrenheit in Gelddingen ausgenutzt und sie um fast ihren gesamten Besitz gebracht haben könnte. Das finanzielle Desaster resultiert aus einer gigantischen Fehlinvestition in Aktien der KarstadtQuelle AG, die 2009 - inzwischen in Arcandor Börsen-Chart zeigen umbenannt - insolvent wurde.

Zur ökonomischen Misere gesellte sich der Spott. Esch verhöhnte im SPIEGEL-Interview seine verarmte Kundin. Er habe nicht ihr Vermögen verwaltet, sondern sie in Vermögensfragen nur beraten - wie in allen anderen Lebenslagen, etwa "über Startzeiten für die Golf-Runde".

Nun schlägt Frau Schickedanz zurück. Die in Fürth lebende Unternehmertochter ließ die Anwaltskanzleien Dr. Ringstmeier & Kollegen in Köln und Beisse & Rath in Nürnberg eine Klageschrift gegen Oppenheim und Esch, einstige Oppenheim-Bankiers und deren Angehörige aufsetzen - genannt werden nicht weniger als 14 Beklagte.

Zugriff: Sal. Oppenheim und Partner Esch wollten an die Immobilien von KarstadtQuelle herankommen (Ausriss eines Sitzungsprotokolls)
manager magazin
Zugriff: Sal. Oppenheim und Partner Esch wollten an die Immobilien von KarstadtQuelle herankommen (Ausriss eines Sitzungsprotokolls)
Frau Schickedanz verlangt Schadensersatz in Höhe von 1,2 Milliarden Euro. Zudem weigert sie sich, Oppenheim-Darlehen in Höhe von rund 550 Millionen Euro zurückzuzahlen. Bereits geleistete Tilgungen von 200 Millionen Euro will sie rückgängig machen - ebenso die Gewährung von Sicherheiten im Wert von mehr als 200 Millionen Euro. Nachdem der Kurs ihrer an Sal. Oppenheim verpfändeten Aktien stark eingebrochen war, hatte sie die Kredite mit Privatimmobilien unterlegen müssen.

Wenn man der anwaltlichen Schilderung glauben darf, pflegten ihre Geschäftspartner einen schockierenden Umgang mit Frau Schickedanz. Unter anderem soll sie gedrängt worden sein, stundenlang in einem Privatjet auf dem Köln-Bonner Flughafen auszuharren und notarielle Erklärungen zu ihren Lasten abzugeben.

Die Klageschrift bildet die Sicht von Frau Schickedanz ab - die sich in eine Opferrolle flüchtet. Von den potenziellen Beklagten hat sich nur Esch gegenüber manager magazin eingehender zu den Vorwürfen geäußert.

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