Montag, 22. Juli 2019

Energiepreise Die flüchtige Revolution

Günstiges Flüssiggas: Energiemarkt im Umbruch
Corbis

6. Teil: Deal mit Gazprom gescheitert: RWE läuft die Zeit davon

Der Essener Energiekonzern RWE Börsen-Chart zeigen steht vor ähnlichen Herausforderungen wie die Sachsen. Ein Bündnis mit Gazprom scheiterte kurz vor Weihnachten. Gemeinsam wollte man Gaskraftwerke in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern bauen; die Russen, so die Hoffnung in Essen, hätten den Brennstoff dann günstiger geliefert.

Doch die potenziellen Partner konnten sich nicht einigen. Das Scheitern des Joint Ventures macht die Verhandlungen mit Gazprom über bessere Vertragskonditionen nicht leichter. Nur einige kleinere Kontrakte konnten bislang den Marktpreisen angepasst oder frühzeitig beendet werden.

Aber es gibt keine Alternative. Schneller, als viele erwartet haben, sei durch den Schiefergasboom ein liquider Großhandelsmarkt mit Niedrigpreisen entstanden, sagt RWE-Manager Birnbaum: "Regulierte Abnahme zu regulierten Preisen und Verkaufen im freien Markt - das passt nicht zueinander. Die Ölpreisbindung hat sich überlebt. "

Die in der Tochter Dea gebündelte eigene Öl- und Gasförderung möchte RWE auf jeden Fall erhalten. Schließlich handelt es sich nicht nur um eine Art Lebensversicherung gegen Lieferantenwillkür, sondern trotz steigender Explorationskosten um ein profitables Geschäft.

Und Schiefergas? Aufmerksam wolle RWE beobachten, wie sich die Szene vor allem in Polen entwickelt. "Bis 2020", glaubt Birnbaum, "wird das in Europa kein großes Thema." Danach könne man immer noch groß einsteigen.

Falls es dann nicht schon zu spät ist.

© manager magazin 2/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung