Donnerstag, 18. Juli 2019

Energiepreise Die flüchtige Revolution

Günstiges Flüssiggas: Energiemarkt im Umbruch
Corbis

5. Teil: Anlagenbauer pushen das Geschäft

Anlagenbauer wie Siemens Börsen-Chart zeigen pushen das Geschäft mit Hochleistungsturbinen oder LNG-Terminals. Die Gaslieferanten Statoil (Norwegen) und Gazprom drängen Weiterverteiler beiseite und suchen den direkten Weg zum Endkunden. Gasimporteuren hingegen bricht das Geschäftsmodell zusammen. "Der klassische Zwischenhandel funktioniert nicht mehr", sagt Veit Schwinkendorf, der bei Roland Berger den weltweiten Energie- und Chemiesektor verantwortet.

Wie prekär die Lage ist, lässt sich kaum besser beobachten als in Leipzig. Dort ringt die Verbundnetz Gas AG (VNG), einer der wenigen eigenständigen Ostbetriebe, schon seit der Gründung um die Unabhängigkeit. Mit wechselnden Eigentümern, mit spektakulären Manövern - nun unter den bleischweren Bedingungen der neuen Gaszeit.

Neuerdings dominiert bei VNG die BASF-Tochter Wintershall, die mit Gazprom über die gemeinsame Vertriebsfirma Wingas liiert ist: Wintershall stellt den Aufsichtsratsvorsitzenden, deren Ex-Manager Karsten Heuchert (57) führt VNG seit anderthalb Jahren als CEO.

So begehrt der Ostversorger einst war, jetzt möchten Eigner ihren teuer erworbenen Besitz schnell wieder loswerden. Als der Oldenburger EWE-Konzern sein VNG-Paket 2011 zum Preis von 1,4 Milliarden Euro vereinbarungsgemäß Baden-Württembergs EnBW Börsen-Chart zeigen anbot, verweigerten die klammen Südweststromer die Annahme.

Ungünstige Langfristverträge

EWE bleibt nun vorerst auf dem VNG-Engagement sitzen. Und muss mitansehen, wie der Wert der Beteiligung sinkt, parallel zu den Erträgen. Für 2011 bilanzierte der VNG-Konzern einen Verlust von 211 Millionen Euro.

Heuchert will die Firma auf eine breitere Basis stellen, das Bezugsportfolio diversifizieren. Im vergangenen Jahr hat VNG schon 41 Prozent des Gases günstig am Spot- und Terminmarkt eingekauft, 2008 hatte der Anteil noch bei 11 Prozent gelegen.

Die ungünstigen Langfristverträge will Heuchert neu aushandeln. Zweimal, heißt es aus Moskau, habe er 2011 bei Gazprom-Chef Alexej Miller (49) persönlich vorgesprochen. Zeichen einer besonderen Wertschätzung, die wohl auch damit zu tun hat, dass Gazprom selbst knapp 11 Prozent der VNG-Anteile hält. Die Gespräche verliefen jedenfalls Insidern zufolge "wesentlich konstruktiver" als die mit dem Lieferland Norwegen.

Um unabhängiger von störrischen Lieferanten zu werden, will Heuchert verstärkt Gas fördern. Bis 2025 sollen 10 Prozent der gesamten Bezüge aus VNG-eigenen Produktionsstätten, etwa vor der norwegischen Küste, kommen.

© manager magazin 2/2012
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