Mittwoch, 21. August 2019

Silicon Valley Die Jagd auf die Über-App

Silicon Valley: Jagd auf die Über-App
manager magazin

Eine junge Generation von Entrepeneuren ist auf der Jagd nach der Super-App. Lifestyle-Erfinder sind die neuen Könige im Silicon Valley. Ein Report vom innovativsten Ort der westlichen Welt.

San Francisco - Der Mythos ist intakt, und seine Erzählung folgt dem immergleichen Muster: Junger, mittelloser Mann hat eine geniale Idee, findet gute Menschen, die an ihn glauben. Es schließen sich - so viel Drama muss sein - Rückschläge an, die unseren Helden an den Rand des Scheiterns bringen. Er schafft dann noch den Durchbruch und wird, logisch, fabelhaft reich.

Wagemut und Gründergeist, Aufstieg und Fall, außergewöhnliche Intelligenz und jede Menge Dollars: Das sind die Zutaten der Märchen aus dem Silicon Valley. Und Brian Chesky (30) ist Profi genug, sich an die Erzählmuster zu halten.

Chesky sitzt in einem schicken Wohlfühlbüro in San Francisco und rekapituliert die Geschichte seiner Firma Airbnb: Wie er und seine beiden Kompagnons im Gründungsjahr 2008 wegen der Finanzkrise nicht etwa aufgeben, sondern ihren Teil zur Rettung der Welt beitragen wollen ("Die Menschen brauchen uns jetzt erst recht").

Wie die Entbehrungen an den Gründern nagen ("Meine Kreditkarte war mit 15.000 Dollar belastet, ich hatte Hunger, habe richtig abgenommen"). Wie das Trio ins Silicon Valley zieht, am Ideenwettbewerb des berühmten Inkubators "Y Combinator" teilnimmt, Kontakte zu Förderern und Geldgebern bekommt. Wie sie seither als Gründer von Airbnb, des von Investoren derzeit wohl am intensivsten hofierten Start-ups des Valleys, glücklich weiterleben.

Technik-Nerds spielen diesmal nicht die Hauptrolle

Wer Chesky in der Airbnb-Zentrale in San Francicos Designerstadtteil Potrero Hill lauscht, dem fällt auf, dass diesmal an der Erfolg-im-Silicon-Valley-Saga etwas ganz anders ist: Kein Technik-Nerd spielt darin die Hauptrolle. Brian Chesky hat Design studiert, statt Streberbrille trägt der CEO dicke Muskelpakete unter dem T-Shirt. Seine Innovation besteht darin, im Internet von und an Privatpersonen Unterkünfte zu vermitteln, die meist billiger sind als Hotels.

Airbnb ist weniger Technologieunternehmen als Lifestyle-Start-up. Und so sieht es in der Firmenzentrale auch aus: Die junge Empfangsdame begrüßt Besucher im lilafarbenen Volantkleidchen, die Haare zu einem Dutt hochgesteckt, wie ihn die Mode-Blogs von Paris bis New York gerade vorschreiben. Ein Angestellter gleitet auf einem rosafarbenen Tretroller durch die weißen Gänge des Lofts, das Airbnb als Zentrale dient.

© manager magazin 12/2011
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