Dienstag, 24. September 2019

Bertelsmann Gütersloh reloaded

Thomas Rabe und Mitstreiter: Die Führungsriege von Bertelsmann
REUTERS

Gewaltige Hoffnungen, enorme Erwartungen: Wie der neue Vorstandschef Thomas Rabe den Medienkonzern Bertelsmann nach zehn Jahren Stillstand wieder voranbringen will.

Hamburg - Am Sonntag, dem 23. Oktober, 13 Tage nachdem die Bertelsmann AG die frohe Botschaft von seiner Beförderung um die Welt gejagt hatte, reiste Finanzchef Thomas Rabe zur Vorstandssitzung nach New York. Er stieg nicht wie gewöhnlich im "Peninsula" ab, sondern dieses Mal im "Mandarin Oriental" am Columbus Circle, und zwar gleich für eine knappe Woche.

Denn Rabe, ein Meister der Effizienz, hatte eine Reihe von Sondereinsätzen auf dem Zettel: zwei Dutzend Gespräche mit Bankern und Private-Equity-Leuten, mit den Freunden von KKR Börsen-Chart zeigen natürlich und mit einigen Medienindustriellen, die in Manhattan überreich vorhanden und stets in großen Mengen anzutreffen sind.

Das Bertelsmann-Gipfeltreffen findet zweimal jährlich in New York statt. Gastgeber ist die hauseigene Buchverlagskette Random House, vier Blocks vom "Mandarin Oriental" entfernt.

Am Abend vor dem Konsilium, nach einem kräftigenden Empfang für die US-Führungskräfte des Hauses, spazierte Rabe mit seinen fünf Vorstandskollegen zum traditionellen Abendessen, diesmal im Weinkeller des "Picholine", zehn Minuten entfernt, in der 64. Straße. Augenzeugen berichten, dass Firmenchef Hartmut Ostrowski (53), der am 1. Januar, ein Jahr vor Vertragsende, "aus persönlichen Gründen" in den Aufsichtsrat wechselt, wie die Erleichterung in Person wirkte, jedenfalls viel gelöster als gewöhnlich. Und einen übersichtlichen, guten, wie immer voll konzentrierten Eindruck habe auch Rabe hinterlassen.

"Glückwunsch" und "volle Unterstützung"

Das Essen war italienisch und gut, Steaks wurden aufgefahren, und die Stimmung war heiter, scharf und klar, wie bei Bertelsmann üblich. Mit Regierungswechsel-Sentimentalitäten wurde sich nicht lange aufgehalten: "Glückwunsch", "volle Unterstützung", mehr nicht.

Gerhard Zeiler (56, RTL) war sich der Bedeutung seines Unternehmensbereichs bewusst, Bernd Buchholz (50, Gruner + Jahr) wie immer der eigenen; nur Markus Dohle (43, Random House) und Rolf Buch (46, Arvato) fielen stimmungsmäßig ab, "aber eigentlich nur ein bisschen". Am Dienstagnachmittag, als die Vorstände die Zukunft des Konzerns erwogen und erörterten und natürlich auch ihre eigene bedachten, war Premier Ostrowski schon gar nicht mehr dabei.

Die Hoffnungen, die das Unternehmen in den Führungswechsel setzt, sind groß, die Erwartungen, die Rabe weckt, enorm. Aber kann er sie erfüllen? Nach den Idealen des vor zwei Jahren verstorbenen Konzernfürsten Reinhard Mohn sollte an der Firmenspitze stets ein "Operativer" stehen: Einer, der schon mal ein Kommando von 2000 Leuten, vorzugsweise eine Druckerei, befehligt hatte. Mit dieser Vergangenheit kann Rabe freilich nicht aufwarten.

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler, vor 46 Jahren in Luxemburg als Sohn eines EU-Beamten geboren, ging in Brüssel zur Schule, tourte als Bassist mit einer Punk-Band durch die Klubs der Stadt, arbeitete bei der EU-Kommission, dann bei der Treuhand und später beim Wertpapierdienstleister Clearstream. Im Jahr 2000 wechselte Rabe als Finanzvorstand zur RTL-Gruppe und stieg 2006 zum Nachfolger des legendären Bertelsmann-Kämmerers Siegfried Luther auf. Seine Frau ist Ärztin am Sankt-Elisabeth-Hospital in Gütersloh (Kinder: keine), wochenends lebt das Paar in Berlin.

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