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Designpreis 2012: Die Ausgezeichneten des Jahres

Designpreis 2012 Axt, Stuhl und Waschtisch

Der Designpreis, den der Rat für Formgebung alljährlich verleiht, ist der deutsche Gestaltungs-Oskar. In diesem Jahr geht er an Andreas Haug und Tom Schönherr von Phoenix Design für ihr Lebenswerk. Außerdem werden 25 einzelne Produkte ausgezeichnet, von der Axt über die Gehhilfe bis zum Waschtisch.

Hamburg - Produkte müssen in ihrer Form überzeugen, sollen sie sich langfristig am Markt halten", lautet ein Lehrsatz von Tom Schönherr. "Das gelingt aber nur, wenn sie auch emotional begeistern." Mit dieser Erkenntnis und einer Haltung, die auf Solidität, Brauchbarkeit und ausgesuchter minimalistischer Ästhetik gründet, haben Schönherr und sein Partner Andreas Haug ihr Büro Phoenix Design in Stuttgart zu einer der ersten Adressen für Gestaltung in Deutschland gemacht. Häufig engagiert von Unternehmen, die für die Formgebung ihrer Produkte mehr suchen als ingenieurgezimmertes Allerweltsaussehen.

Spezialität des Büros ist die nutzerfokussierte Gestaltung. Will heißen: Produkte sollen intuitiv verstehbar sein, ohne dickleibige Bedienungsanleitungen. Bei Phoenix heißt die zentrale Formel für einfache Bedienung Interface Design. Und so reicht das Phoenix-Spektrum von Büro (Lamy, Xerox ) über Bad und Küche (Hansgrohe, Duravit) sowie Unterhaltungselektronik (Loewe , LG) bis zur Steuerung einer Heizung, deren Display und Schaltfunktionen durch eine neue Übersichtlichkeit bestechen.

Für solcherlei Kunststücke werden die Stuttgarter Formkünstler, die einst ihre ersten Lorbeeren für Apple-Produkte in Zusammenarbeit mit Steve Jobs erwarben, jetzt für ihr Lebenswerk mit dem "Designpreis Deutschland 2012" ausgezeichnet.

Nutzerfreundlichkeit als Großtrend

Der deutsche Oskar für Gestaltung, initiiert vom Bundeswirtschaftsministerium und verliehen vom Rat für Formgebung, wird jedes Jahr an herausragend geformte Produkte in den Kategorien Gold (5-mal) und Silber (20-mal) vergeben. Dazu werden auch Designerpersönlichkeiten für ihr Schaffen geehrt, diesmal die beiden von Phoenix. Die Auszeichnung wird im kommenden Februar in Frankfurt am Main überreicht. Der Preis kommt insofern nicht überraschend, als sich ihr Ansatz der Nutzerfreundlichkeit als Großtrend in der Industrie etabliert hat.

"Die Idee des User-Centered-Design beeinflusst immer mehr Produktentwicklungen", kommentiert der Rat für Formgebung. "Ein wohltuender Trend, bewahrt er das Design doch davor, nur Oberflächenkosmetik zu betreiben. Gestaltung hält sich allgemein zurück, dafür wird mehr Augenmerk auf Material, Haptik und vor allem auf Details gelegt."

Die Auswahl der zwölfköpfigen Jury reicht in diesem Jahr von der Axt (Fiskars Germany) und der Armatur (Axor Bouroullec) samt Waschtisch (Artiqua) über Plattenspieler (Clearaudio Electronic) und Kopfhörer (Urbanears) bis hin zu zwei bemerkenswert schlichten Stühlen.

Beide Modelle - einmal für e15, einmal für Wilkhahn - hat der Münchener Designstar Stefan Diez entworfen. Der e15-Stuhl, benannt nach dem legendären Entfesselungskünstler Houdini, ist darauf ausgelegt, im Manufakturbetrieb allein mit einfachem handwerklichem Gerät hergestellt zu werden; das Wilkhahn-Konzept Chassis aus tiefgezogenem, hochfestem Stahlblech hingegen erfordert einen hohen technologischen Standard: "Chassis", lobt die Jury, "ist ein Statement für die industrielle Produktion unserer Zeit."

"Wolke Sieben - muss man ausprobieren!", tönt die Designfirma Ganymed frohgemut auf ihrer Website für ein Angebot an Mühselige und Beladene: die Walking Aid der Firma Dittrich + Co., die mit Gold bewertet wurde. Bei dieser Krücke, befand die Jury, sei es "durch den Einsatz moderner Materialien und innovativer Konstruktionsprinzipien gelungen, einen wesentlichen Teil der für solche Produkte typischen Prothese-Ästhetik zu nehmen". Schön und gut - aber besser geht sich's ohne.

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