Freitag, 19. Juli 2019

Carsten Maschmeyer Goldfinger - ein Mann will ganz nach oben

Maschmeyers Reich: Bestens vernetzt und milliardenschwer
DPA

5. Teil: Maschmeyer hat noch mehr vor

Es dürfte einiges sein - Carsten Maschmeyer spielt gern mit hohem Einsatz. Mittlerweile beschäftigt er sogar eine eigene Daytrading-Einheit, die aus den Kurskapriolen an den weltweiten Kapitalmärkten Profite schlagen soll.

Doch er hat noch mehr vor. So will er jetzt verstärkt ins Geschäft mit den Firmenbeteiligungen einsteigen. Ende Juni hat er in Frankfurt die Firma Alternative Strategic Investment gegründet. Gemeinsam mit dem früheren Blackstone-Manager Jörg Goschin (46) will er sich an Firmen aus zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern wie Medizintechnik oder erneuerbare Energien beteiligen.

Goschin, ein promovierter Wirtschaftsingenieur, den frühere Kollegen als ebenso ehrgeizig wie statusbewusst beschreiben, dürfte ganz nach Maschmeyers Geschmack sein. Anders als die großen angelsächsischen Private-Equity-Häuser wie Blackstone Börsen-Chart zeigen oder KKR Börsen-Chart zeigen will das Duo Maschmeyer / Goschin allerdings keine kompletten Firmen übernehmen, sondern sich nur mit einer Minderheit engagieren.

Eine Reihe von Investments haben die beiden Business Angels bereits getätigt: Gemeinsam mit Mediziner Holsboer betreibt Maschmeyer eine Neurochemiefirma; mit einem Unternehmen namens Papagei.tv will er sich in der Online-Bildung engagieren; auch ein Fahrradhersteller gehört zu seinem neuen Portfolio.

Die Zweifel des Professors Rürup

Bei den nächsten Beteiligungen dürfen nach seiner Vorstellung auch weitere Investoren mitmachen - vorausgesetzt, sie sind entsprechend solvent. Und auch nur nach bestimmten Regeln: "Kein Dritter darf mehr einzahlen als die Hälfte dessen, was wir investieren", sagt Maschmeyer. "Wenn die Risiken so verteilt sind, dann sagt das mehr als tausend Worte. Deutlicher kann man seine Überzeugung über die Erfolgschancen eines Investments nicht zum Ausdruck bringen."

Bereits jetzt, munkeln Vertraute, stünden betuchte Investoren Schlange, um von Maschmeyers bemerkenswertem Geschäftssinn zu profitieren. Und ihm selbst sagen Weggefährten nach, dass er eine erstaunliche Überzeugungskraft entwickeln könne, wenn es darum gehe, jemanden als Partner zu gewinnen.

Ein anderer Maschmeyer-Partner dürfte mittlerweile allerdings grübeln, ob es eine gute Idee war, sich mit dem Hannoveraner Aufsteiger einzulassen: Professor Bert Rürup (67), einst Wirtschaftsweiser, dann Regierungsberater, jetzt Co-Chef der Maschmeyer-Rürup AG. Ihn hatte der frühere AWD-Eigner angeheuert, um Regierungen und Konzerne in Sachen Altersvorsorge zu beraten - und um von Rürups damals untadeligem Image zu profitieren.

Passiert ist eher das Gegenteil - spätestens als diverse Medien in diesem Frühjahr die wachsende Kritik an den früheren Verkaufsmethoden des AWD zum Anlass nahmen, Maschmeyer ins Visier zu nehmen, und dabei auch auf Rürup zielten. Seither, berichten Vertraute, fürchte der Ökonom um seinen Ruf.

Gut möglich, dass sich Berenberg-Chef Peters heute mit ähnlichen Gedanken trägt.

© manager magazin 10/2011
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