Sonntag, 15. September 2019

Carsten Maschmeyer Goldfinger - ein Mann will ganz nach oben

Maschmeyers Reich: Bestens vernetzt und milliardenschwer
DPA

4. Teil: Aus einfachen Verhältnissen ins Big Business

Maschmeyer hatte sogar schon einen Namen für die künftige Firma parat: "Independent Financial Advisors Worldwide" sollte das gemeinsame Unternehmen heißen. Von Maschmeyers eloquent vorgetragener Vision beeindruckt, versuchte Talanx-Aufsichtsratschef Wolf-Dieter Baumgartl (68) daraufhin tatsächlich, MLP-Mann Lautenschläger von der Sinnhaftigkeit eines Zusammengehens zu überzeugen. Doch Lautenschläger lehnte ab.

Gegen den Willen der MLP-Chefs, die sich auf eine Reihe treuer Ankeraktionäre verlassen konnten, wollten die Swiss-Life-Manager am Ende jedoch keine Übernahme wagen. Maschmeyers lang gehegter Traum vom größten Finanzvertrieb der Welt war geplatzt. Doch gleichzeitig, ein schöner Nebeneffekt der Niederlage, war er reicher als je zuvor.

Auch bescherte ihm die Investition zugleich einen Posten im Verwaltungsrat von Swiss Life. Ein Amt, das er bis heute ausfüllt, das ihm aber auch Zeit lässt, sich anderen Dingen zu widmen.

Zeit für öffentliche Auftritte mit seiner neuen Partnerin Veronica Ferres, mal in der Krachledernen auf dem Oktoberfest, mal im Smoking bei den Bayreuther Festspielen. Mit "La Ferres" verbindet Maschmeyer nicht nur der Aufstieg aus einfachen Verhältnissen in die glamouröse Society-Welt. Die Schauspielerin führte ihm auch diverse neue Freunde und Geschäftspartner zu, darunter den Medizinprofessor Florian Holsboer (66), mit dem Maschmeyer prompt eine Biotech-Firma gründete, die Medikamente gegen Depressionen entwickeln soll.

Gesellige Abende mit Wulff, Schröder, Roßmann und Klaus Meine

Genug Zeit bleibt ihm auch für ausgedehnte Partys und gesellige Abende in seiner Hannoveraner Traumvilla. Legendär ist vor allem die alljährliche Feier des Fußballfans Maschmeyer zum Abschluss der Bundesliga-Saison, auf der sich von Bundespräsident Wulff über Tui-Chef Michael Frenzel (64) und Drogeriemilliardär Dirk Roßmann (65) bis hin zu Scorpions-Sänger Klaus Meine (63) diverse Spitzen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versammeln.

Besonders enge oder wichtige Freunde empfängt Maschmeyer im Weinkeller seines Anwesens. Teile der Agenda 2010 seien hier entstanden, erzählt er gern. Hier hat er schon mit UBS-Chef Oswald Grübel (67) Blutwurst gegessen und mit RWE-Lenker Jürgen Großmann (59) die eine oder andere Flasche gelüftet.

Sein Netzwerk reicht weit ins Big Business hinein. Dazu gehören auch so verschwiegene Milliardäre wie die Quandt-Familie und Bernd Freier (65), der Gründer der Modemarke s.Oliver. Beim Knüpfen der Kontakte hilft auch sein Talent, Menschen zu umgarnen.

Trotz aller selbst auferlegten gesellschaftlichen Pflichten bleibt Maschmeyer Luft, um sich neuen Geschäftsinteressen zu widmen. Mittlerweile dirigiert er wieder rund 50 Mitarbeiter in Hannover, Frankfurt und München.

Vieles dient der Pflege und Mehrung seines stattlichen Vermögens. Teile davon hat er zwar an Familienmitglieder übertragen; in der Regel sorgt er aber durch spezielle juristische Konstruktionen dafür, dass er die Verfügungsgewalt über die Gelder behält - so offenbar auch bei der Berenberg-Finanzierung.

Seine Reichtümer hat Maschmeyer breit gestreut. In Berlin hat er den Erben des Haarpflegekonzerns Wella Börsen-Chart zeigen eine Reihe von Immobilien in der Friedrichstraße abgekauft. Auf seiner Lieblingsinsel Mallorca, auf der einst auch Bundespräsident Wulff in einer Maschmeyer-Villa urlaubte, übernahm der Neu-Entrepreneur im Auftrag eines Reisekonzerns einige Hotels, die der Touristiker nicht auf die eigenen Bücher nehmen wollte.

Sogar mit der momentanen Börsentristesse macht Maschmeyer glänzende Geschäfte. Schon im April dieses Jahres hatte er mit sogenannten Reverse-Zertifikaten, deren Wert mit fallenden Kursen steigt, auf einen Abschwung des Deutschen Aktienindex gesetzt. Ende Juli spekulierte er dann auf einen Absturz des Schweizer Börsenbarometers SMI Börsen-Chart zeigen. Rund 50 Prozent Rendite haben ihm die Wetten eingebracht - wie viel er absolut daran verdient hat, verrät er nicht.

© manager magazin 10/2011
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