Donnerstag, 19. September 2019

Carsten Maschmeyer Goldfinger - ein Mann will ganz nach oben

Maschmeyers Reich: Bestens vernetzt und milliardenschwer
DPA

3. Teil: Investor und Stratege

Anfang 2008 trennte er sich dann vom Rest. Gerade noch rechtzeitig, bevor die diversen Altlasten der AWD-Anfangsjahre hochpoppten und deutlich machten, dass sich die abschlussgetriebenen Strukturvertriebe in Zeiten schärferer Beraterhaftung und besseren Verbraucherschutzes künftig schwertun würden.

Insgesamt rund 600 Millionen Euro brachte Maschmeyer die Veräußerung seiner Firmenanteile ein. Das Geld hat er so clever angelegt, wie es wohl kaum ein AWD-Berater hätte empfehlen können.

2005 agierte er noch betont konservativ und steckte das Gros seines Verkaufserlöses in Schatzbriefe, Immobilien und Gold. Bereits dies erwies sich als äußerst lukrativ - der Preis des Edelmetalls hat sich seitdem vervierfacht.

Doch erst 2008 zeigte Maschmeyer, welches Talent als Investor und Stratege wirklich in ihm steckt. Kurz nachdem er die noch in seinem Besitz verbliebenen 30 Prozent der AWD-Anteile an die Züricher Lebensversicherung Swiss Life Börsen-Chart zeigenverkauft hatte, überraschte er die Schweizer mit einer Idee, die ihn schon lange umtrieb: die Übernahme des AWD-Konkurrenten MLP.

Schon seit Jahren hatte Maschmeyer den Heidelberger Edelvertrieb umworben. Dessen Gründer Manfred Lautenschläger (72) hatte er einen Diamanten geschickt ("weil Sie genauso strahlend und hart sind wie ein Edelstein"). Mit Firmenchef Uwe Schröder-Wildberg (46) hatte er auf einer eigens gecharterten Jacht vor der Küste Siziliens Fusionsverhandlungen geführt. Alles vergeblich - die MLP-Oberen wollten sich auf keinen Zusammenschluss einlassen.

Einstieg bei Swiss Life - Aufstieg zum größten Einzelaktionär

Doch der frühere Langstreckenläufer Maschmeyer gab so schnell nicht auf. Klammheimlich sammelte er knapp 27 Prozent der MLP-Aktien ein - auch dies mit tatkräftiger Unterstützung der Hamburger Berenberg Bank. Das Paket diente der geschickte Verkäufer den Schweizer Versicherungsmanagern an - mit der Aufforderung, sich nach dem AWD auch gleich noch MLP einzuverleiben. Der Deal misslang, teils weil die Swiss-Life-Spitze zögerte, teils weil sich MLP-Gründer Lautenschläger und sein Topmanager Schröder-Wildberg heftig gegen den Vorstoß wehrten.

Als Maschmeyer merkte, dass der Angriff den neuen AWD-Eigner Swiss Life in arge Bedrängnis brachte, reagierte er prompt - und vollzog eine 180-Grad-Wende. Statt weiter MLP zu umgarnen, kaufte er sich nun billig beim neuen AWD-Eigentümer Swiss Life ein. Denn der Aktienkurs der Schweizer war infolge des missglückten MLP-Manövers regelrecht zusammengebrochen, lokale Konkurrenten wie die Baseler Versicherungsgruppe Bâloise bereiteten bereits Übernahmeangebote vor.

Maschmeyer nutzte die Malaise, um zwischenzeitlich annähernd 10 Prozent der Swiss-Life-Aktien zu erwerben. Schließlich verschaffte ihm die Schwäche der Schweizer nicht nur hervorragende Einstiegskurse - er wurde zugleich größter Einzelaktionär.

Im November 2008 erschien er dann beim Hannoveraner Versicherungsriesen Talanx - und bat um ein Gespräch der Talanx-Spitze mit den Chefs der Swiss Life. Maschmeyers Vorschlag: Der Hannoveraner Konzern, der selbst eine kleine Beteiligung an MLP Börsen-Chart zeigen hielt, solle den Schweizern helfen, den Finanzvertrieb doch noch zu übernehmen. Notfalls auch gegen den Willen von Lautenschläger und Schröder-Wildberg.

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