Samstag, 20. Juli 2019

Carsten Maschmeyer Goldfinger - ein Mann will ganz nach oben

Maschmeyers Reich: Bestens vernetzt und milliardenschwer
DPA

2. Teil: "Neunstellig investieren - und die erste Zahl ist keine Eins"

Der Erfolg lohnt sich nicht nur finanziell. Maschmeyer umgibt sich mit prominenten Freunden aus Politik und Wirtschaft. Und wenn er sich mit seiner Partnerin, der Schauspielerin Veronica Ferres (46), zeigt, ist ihm die Aufmerksamkeit des Boulevards sicher.

Die Zeiten, als er noch mit seinen Vertriebstruppen unterwegs war und den Kunden auch mal Verträge aufschwatzte, die vor allem die Vermittler reich machten, sind längst abgehakt. Den AWD Börsen-Chart zeigen hat Maschmeyer verkauft, stattdessen bastelt er nun an seiner zweiten Karriere. Nicht nur als diskreter Geldgeber im Hintergrund. Über seine neue Beteiligungsfirma Alternative Strategic Investment will sich Maschmeyer künftig ganz offiziell bei Erfolg versprechenden Unternehmen einkaufen - und jeder, der das nötige Kleingeld hat, darf mitmachen.

Mit fünf Millionen Euro liegt die Schwelle für potenzielle Co-Investoren recht hoch. Aber schließlich will Maschmeyer auch in seinem neuen Leben nicht kleckern: "Neunstellig" werde er investieren, verrät er, "und die erste Zahl ist keine Eins".

Wer verstehen will, warum es bei Carsten Maschmeyer gern größer und spektakulärer zugeht als im normalen Geschäftsleben, der muss zurückgehen zu seinen Wurzeln. Zur wilden Welt der Finanzvertriebe, wo Firmenjubiläen nicht in der Kantine, sondern in einem Luxusresort in der Karibik gefeiert werden.

Legendäres Timing in Finanzdingen

In diesem Paralleluniversum hatte sich Maschmeyer vom kleinen Verkäufer zum Chef eines der größten Finanzvertriebe der Welt hochgearbeitet. Dieses System am Laufen zu halten, verstand Maschmeyer wie kein Zweiter. Er holte Fernsehgrößen wie Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Hape Kerkeling auf AWD-Veranstaltungen, engagierte Bill Clinton als Gastredner, ließ Showstars wie Pink oder Nelly Furtado einfliegen. Je spektakulärer, desto besser - vom eigenen Erfolg berauscht, verkauften die AWD-Truppen anschließend umso mehr Policen.

Dass dabei auch Finanzvehikel verhökert wurden, die sich im Nachhinein als Wertvernichter entpuppten, verfolgt Maschmeyer bis heute. In zahllosen Gerichtsverfahren klagen wütende AWD-Opfer gegen die Firma. Gefallen wird das Carsten Maschmeyer nicht. So richtig berühren allerdings auch nicht - denn er spielt inzwischen in einer anderen Liga.

Sein Vermögen von fast 1,1 Milliarden Euro verdankt er vor allem seinem geradezu legendären Timing in Finanzdingen. Das fing beim Börsengang des AWD an, den der damalige Firmenchef bereits im Oktober 2000 und damit gerade noch rechtzeitig vor dem Absturz der Aktienmärkte durchzog - und nicht erst 2001, wie es ihm seine Berater von der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen und Morgan Stanley Börsen-Chart zeigennahegelegt hatten.

Und setzte sich fort mit dem Verkauf seiner Firmenanteile, die Maschmeyer zu den (aus seiner Sicht) denkbar günstigsten Zeitpunkten weiterreichte.

Das erste Paket verkaufte Maschmeyer Anfang 2005, als das Steuerprivileg der deutschen Lebensversicherungen gerade weggefallen war - und den Finanzvertrieblern eine ungeheure Sonderkonjunktur verschafft hatte. Damals setzte er rund 20 Prozent der Firmenaktien ab - mithilfe von Berenberg.

© manager magazin 10/2011
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